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Anschlag in New York
Trump reagiert nicht sachlich auf Terrorakte

Anschlag in New York 2017: Donald Trump reagiert nicht sachlich auf Terrorakte
US-Präsident Donald Trump spricht während einer Kabinettsitzung im Weißen Haus in Washington. FOTO: dpa, afn fdt
Meinung Was am verlässlichsten funktioniert nach dem Schock eines Anschlags, sind Donald Trumps Reflexe. Und statt Nerven zu glätten, gießt Trump Öl ins Feuer. Von Frank Herrmann, Washington

Vor zwei Jahren hat er das Attentat eines muslimischen Ehepaars im kalifornischen San Bernardino damit beantwortet, dass er ein pauschales Einreiseverbot für Muslime verlangte. Diesmal, nach dem entsetzlichen Verbrechen eines aus Usbekistan stammenden Immigranten in den Straßen New Yorks, fordert er das Ende einer Praxis, auf die amerikanische Politiker zu Recht stolz sind.

Trump will die Green-Card-Lotterie abschaffen, ein bewährtes Verfahren, das eben auch Hilfsarbeitern aus Usbekistan oder Uganda die Tore zur Neuen Welt öffnet, nicht nur Hochqualifizierten aus Deutschland oder Dänemark. Die ethnische und kulturelle Vielfalt, die das Programm zu fördern versucht, mache gerade die Stärke Amerikas aus, führen die Erfinder der Lotterie ins Feld. Aus guten Gründen.  

Soll der Attentäter als Kombattant nach Guantanamo?

Was immer wieder aufs Neue auffällt, sind die Automatismen, die blutige Attentate im Kopf des US-Präsidenten auslösen. Sofern sie denn von Muslimen begangen werden und nicht von einem Mann wie Stephen Paddock, der von einer Hotelsuite in Las Vegas auf Konzertbesucher schoss wie auf Zielscheiben. Statt Nerven zu glätten, gießt Trump Öl ins Feuer. Statt alarmierte Landsleute zu beruhigen, schürt er Panik. Lindsey Graham, ein konservativer Senator aus South Carolina, nutzt die Gelegenheit, um einen vergessen geglaubten Begriff aus der Ära George W. Bushs auszugraben. Er möchte Saipov als feindlichen Kombattanten behandelt sehen, was im Klartext bedeutet, ihn ins Lager Guantánamo zu bringen. Nicht nur bei Trump funktionieren sie, die alten Reflexe. 

Sicher, Saipovs Todesfahrt verstärkt die Verunsicherung. Da ist die Sorge, dass die perfide Methode, Autos als Waffen zu nutzen, auch in den USA zunehmend Schule macht. Da ist die bange Frage, was noch folgen wird, da das Kalifat des "Islamischen Staats" in Trümmern liegt und die besiegten Extremisten auf Rache sinnen, eben auch in amerikanischen Metropolen. Ob Saipov im Auftrag des IS handelte oder als einsamer Wolf, mehr inspiriert durch die Terrorsekte als von ihr angeleitet, ist dabei unerheblich. Es ändert nichts am Resultat. Wie viele junge Männer seines Schlages gerade dabei sind, Ähnliches zu planen - es ist eine Frage, die nicht nur New Yorkern durch den Kopf geht.

Nur trägt Trump eben zur sachlichen Debatte darüber nichts bei. Wie eine Zivilgesellschaft auf einen Terrorakt reagiert, das hat New York auf imponierende Weise vorgemacht. Gut drei Stunden nach dem Verbrechen schlossen sich Tausende einer Parade an, um in Kostümen, wie man sie in Europa von Karnevalszügen kennt, Halloween zu feiern. Sicher nicht unbeeindruckt von dem Geschehenen, wohl aber voller Bürgerstolz.

 

 
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