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Terror in St. Petersburg
Sprengstoffanschlag in U-Bahn - Mindestens elf Tote

St. Petersburg: Neun Tote bei Sprengstoff-Explosion in U-Bahn
St. Petersburg. In der U-Bahn in St. Petersburg hat sich mindestens eine Explosion ereignet. Sie wurde offenbar durch einen Sprengsatz verursacht. Elf Menschen sind getötet worden, Medien berichten über 45 Verletzte. Das staatliche Ermittlungskomitee geht von einem Terroranschlag aus.

Die russische Polizei geht davon aus, dass es sich bei der Explosion um einen islamistischen Selbstmordanschlag mit einem Täter handelt. Das berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Interfax am Montagabend und berief sich auf einen Beamten. Demnach nahmen die Ermittler an, dass ein Verdächtiger eine Bombe in einem Rucksack in die Bahn brachte. Beweise, die sich am Tatort fanden, deuteten laut Interfax auf einen Anschlag eines Selbstmordattentäters hin.

23-Jähriger aus Zentralasien wird verdächtigt

Explosion in U-Bahn von St. Petersburg FOTO: afp

Der Verdächtige soll zuvor eine zweite Bombe in einem U-Bahnhof deponiert haben. Diese konnte entschärft werden, bevor sie explodierte. Die Ermittler waren zunächst von zwei Tätern ausgegangen. Bei dem Verdächtigen soll es sich nach Angaben von Interfax um einen 23 Jahre alten Mann handeln, der aus einem ehemaligen Sowjet-Staat in Zentralasien stammen soll. Zudem soll er Verbindungen zu islamistischen Gruppen haben.

Die russischen Behörden hatten zunächst wegen des Verdachts auf einen "Terroranschlag" ermittelt. Deren Strafbarkeit regelt laut Erklärung der Justizbehörde Paragraph 205 des russischen Strafgesetzbuches. Die Ermittler wollten aber auch "allen anderen möglichen Spuren" nachgehen, hieß es in der Erklärung weiter.

Das russische Anti-Terror-Komitee hatte die Zahl der Toten bei dem mutmaßlichen Anschlag in St. Petersburg zunächst mit neun, später zehn beziffert. Im staatlichen russischen Fernsehen war von 20 Verletzten die Rede, die offiziellen Angaben lagen höher.

Ermittler des Anti-Terror-Komitees teilten mit, die tödliche Explosion sei von einem noch nicht identifizierten Objekt ausgegangen. Sie hätten einen Sprengsatz an einer weiteren U-Bahn-Station gefunden und entschärft. Ermittler Andrej Prschesdomski sagte, der entschärfte Sprengsatz sei in der Station Ploschtschad Wosstanija gefunden worden und habe bis zu ein Kilogramm Sprengstoff und Splitter enthalten.

Zuvor hieß es bereits, an allen kritischen Punkten der Verkehrssysteme russischer Städte würden die Sicherheitsmaßnahmen erhöht, so auch in Moskau. Den Ermittlern zufolge explodierte um 14.40Uhr (Ortszeit) ein noch nicht genauer identifizierter Sprengsatz, als der Zug die Station am Technologie-Institut Richtung Sennaja-Platz verließ.

Bombenleger angeblich von Videokamera gefilmt

Anschläge in Russland - eine Chronologie FOTO: AFP

Der mutmaßliche Bombenleger ist nach inoffiziellen Behördenangaben von der Videoüberwachung gefilmt worden. "Die Videokameras der Metro haben den mutmaßlichen Urheber der Explosion gefilmt", sagte ein nicht genannter Behördenvertreter der Agentur Interfax. Nach unbestätigten Angaben wurde der Sprengsatz in einer Aktentasche in dem U-Bahn-Wagen abgelegt. Es würde nach zwei Personen gefahndet, berichtete Interfax unter Berufung auf Sicherheitskreise.

In Moskau erklärte der stellvertretende Bürgermeister Maxim Liksutow, dass die Sicherheit im Metrosystem der Hauptstadt verschärft worden sei. Der russische Senator Viktor Oserow sagte, die Szene in der St. Petersburger U-Bahn-Station, in der sich die Explosion ereignete, erinnere ihn an einen Terroranschlag.

Es gibt zunächst widersprüchliche Aussagen zu der Zahl der Explosionen: Laut einem Bericht der "Moscow Times" hat das russische Ministerium für Notsituationen bestätigt, zwei Explosionen hätten sich gegen 14:40 Uhr (Ortszeit) an den Stationen Sennaja Ploschtschad (Linie M2) und Technologisches Institut ereignet. Ein dritter Sprengsatz habe sich in der Station Ploschtschad Vosstaniya (Linie M1) befunden, sei aber nicht detoniert. Auch die Station Sadowaya (Linie M5, Übergang zur Linie M2) ist betroffen.

Unklarheit über Zahl der Explosionen

Allerdings hat es einem Insider zufolge nur eine und nicht zwei Explosion gegeben. Diese habe sich zwischen zwei Metro-Stationen ereignet, sagt der Mitarbeiter des Notfalldienstes der Nachrichtenagentur Reuters.

Behördenquellen schätzten die Sprengkraft der bestätigten Explosion auf 200 bis 300 Gramm Dynamit. Die Agentur Interfax berichtete, dass womöglich eine Schrapnellbombe gezündet worden sei.

Diese Karte zeigt das U-Bahn-Netz von St. Petersburg (Klicken zum Vergrößern). FOTO: Von Alex Florstein, CC BY-SA 3.0

Sieben U-Bahn-Stationen im Zentrum der Fünf-Millionen-Stadt wurden evakuiert. Fotos in sozialen Netzwerken zeigten Verletzte auf dem Bahnsteig und zerstörte Türen eines U-Bahn-Wagens. Laut ZDF Moskau sind alle Metrostationen geschlossen. Am St. Petersburger Flughafen Pulkowo wurden die Sicherheitsmaßnahmen verstärkt.

Putin: Terror könnte Hintergrund sein

Wladimir Putin war am Montag in St. Petersburg, hielt sich aber nach Angaben seines Sprechers im Vorort Strelna auf. Die Ursache für die Explosionen sind dem russischen Präsidenten zufolge unklar. Man ziehe alle Möglichkeiten in Betracht, auch Terrorismus. Er sprach den Angehörigen der Opfer sein Beileid aus.

Kanzlerin Merkel hat Putin ein Kondolenztelegramm geschickt. Alle Anzeichen deuteten darauf hin, dass es sich um einen feigen Anschlag gehandelt habe, schreibt Merkel. Sollte sich dies bewahrheiten, so wäre dies ein barbarischer Akt, den sie aufs Schärfste verurteile und dessen Drahtzieher ermittelt und zur Rechenschaft gezogen werden müssten.

Das Auswärtige Amt in Berlin hat Warn- und Sicherheitshinweise für Russland und St. Petersburg ausgegeben: "Reisenden wird geraten, vorerst in ihren Unterkünften zu verbleiben und die Lageentwicklung über die Medien und diese Reise- und Sicherheitshinweise zu verfolgen. Den Anweisungen der Sicherheitskräfte ist unbedingt Folge zu leisten."

Das französische Innenministerium kündigte an, als Konsequenz aus den Ereignissen in St. Petersburg auch in Paris die Sicherheitsvorkehrungen für den öffentlichen Nahverkehr zu verstärken. In Frankreich herrscht wegen mehrerer Anschläge islamistischer Extremisten der Ausnahmezustand.

In der Vergangenheit hatte es mehrere Anschläge auf die U-Bahn in Moskau mit zahlreichen Toten gegeben. In St. Petersburg hatte es zuvor bisher keine Anschläge gegeben.

Die Metro hat eines der tiefstgelegenen U-Bahn-Systeme der Welt. Die erste Linie wurde im November 1955 eröffnet. Das Netz besteht im Jahr 2013 aus fünf Linien mit insgesamt 113,6 km Streckenlänge und 67 Stationen. Täglich werden 2,8 Millionen und jährlich 1,02 Milliarden Fahrgäste befördert. Die Petersburger Metro gilt als eine der architektonisch schönsten der Welt.

(felt/dpa/REU/AFP)
 
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