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Anschlag in Syrien
126 Tote nach Selbstmordattentat auf Evakuierungsbusse

Anschlag in Syrien: 126 Tote nach Selbstmordattentat auf Evakuierungsbusse
FOTO: ap, BH
Beirut. Nach dem Anschlag auf einen Buskonvoi in Syrien ist die Zahl der Toten auf mindestens 126 gestiegen, erklärte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Sonntag. Davon seien 68 Kinder und 13 Frauen gewesen. 

Es gebe zudem viele Verletzte. Eine Autobombe war am Samstag westlich der Stadt Aleppo explodiert, wo die Busse auf ihre Weiterfahrt warteten.

Der Attentäter hatte sich am Samstag westlich von Aleppo neben Bussen in die Luft gesprengt, die die Bewohner in Sicherheit bringen sollten. Zu den Opfern sollen Rebellen und Zivilisten zählen. Die Verantwortung für den Anschlag übernahm zunächst niemand. Die syrische Regierung von Präsident Baschar al-Assad machte die Rebellen für den Angriff verantwortlich.

Die Explosion hatte sich am Samstag an einem Evakuierungspunkt und Busdepot in der Nähe der Stadt Aleppo ereignet, wo aus belagerten Orten gebracht Menschen auf ihre Fahrt in Gebiete unter Regierungskontrolle warteten. Sie waren am Freitagabend an dem Depot angekommen und mussten dort ausharren, weil die zwischen Regierung und Rebellen vereinbarten Evakuierungen ins Stocken geraten waren. Grund für die Verzögerung soll ein Streit über die Ausreise von Kämpfern aus den belagerten Städten gewesen sein.

Ein syrischer Fernsehsender hatte nach dem Angriff von 39 Toten gesprochen, die in Großbritannien ansässige Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte von 43. Das Staatsfernsehen und die Beobachtungsstelle berichteten, die Detonation sei von einer Autobombe ausgelöst worden.

Evakuierungen gehen weiter

Die Evakuierungen wurden nach dem Anschlag wieder aufgenommen. Der libanesische Fernsehsender Al-Manar TV berichtete, dass am Samstagabend Busse in dem Depot im Bezirk Al-Rashidin vor den Toren von Aleppo angekommen seien, die die bei der Explosion beschädigten Fahrzeuge ersetzen sollten.

Am Freitag war mit der Evakuierung von rund 10.000 Bewohnern aus vier belagerten Städten begonnen worden. Dabei handelt es sich um zwei von Rebellen belagerte Orte im Norden Syriens, Fua und Kafraja, sowie die beiden von Regierungstruppen belagerten Orte Madaja und Sabadani bei Damaskus.

Kritiker haben das Abkommen zwischen der Regierung und den Rebellen als erzwungene Vertreibung kritisiert. Die Vereinten Nationen überwachen die Evakuierungen nicht, der Syrische Rote Halbmond schon.

Bewohner von Sabadani und dem benachbarten Madaja sagten, die Bedingungen in den beiden Städten seien zu hart zu ertragen geworden.
Die Städte werden seit Sommer 2015 von regierungsnahen Kräften belagert. Bewohner mussten Nagetiere jagen und Gras kochen, um in den Wintermonaten nicht zu verhungern. Fotos von mageren Kindern, die zu wenig zum Essen haben, schockierten die Welt.

(felt/AFP/ap)
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