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Reaktion auf anhaltende und gewaltsame Proteste: Arafat gibt nach: Cousin als Sicherheitschef entlassen

zuletzt aktualisiert: 19.07.2004 - 11:29

Dschenin/Gaza (rpo). Der palästinensische Präsident Jassir Arafat hat am Montag seinen Cousin Mussa wieder vom Posten des Chefs der Sicherheitskräfte entlassen, wie aus palästinensischen Regierungskreisen in Ramallah verlautete. Damit reagierte er auf anhaltende und gewaltsame Proteste.Der frühere Amtsinhaber Abdel Rasek Madschaide sei wieder eingesetzt worden, sagte ein Berater Arafats am Montag.

Die Ernennung von Mussa Arafat hatte in der palästinensischen Bevölkerung heftige Proteste ausgelöst. Er gilt als brutal und korrupt. Nach den Massendemonstrationen rief Arafat schließlich Madschaide an und bat ihn, in sein Amt zurückzukehren, wie es in Ramallah hieß. Madschaide hatte den Posten auf Drängen Arafats erst in der vergangenen Woche verlassen. Mussa Arafat werde ein anderes ranghohes Amt in Gaza bekleiden, sagte Arafats Berater Nabil Abu Rdeneh weiter. Madschaide solle jedoch die Sicherheitskräfte im Gazastreifen und Westjordanland kommandieren.

Unter dem Eindruck der zunehmenden Führungskrise rief der palästinensische Ministerpräsident Ahmed Kureia sein Kabinett für Montag zu einer Dringlichkeitssitzung zusammen. Kureia hatte am Samstag seinen Rücktritt eingereicht, den Arafat jedoch nicht akzeptierte. Sollten Kureia und sein Kabinett gegen den Willen Arafats die Regierungsverantwortung niederlegen, könnte dies nach Ansicht von Beobachtern zum Kollaps der Autonomiebehörde führen.

Im Flüchtlingslager Rafah lieferten sich Gegner Arafats und palästinensische Sicherheitskräfte in der Nacht zum Montag ein Feuergefecht vor der lokalen Geheimdienstzentrale. Die Angreifer versuchten, das Gebäude mit einer Planierraupe zu stürmen. Bei der Schießerei wurden drei Personen verletzt, darunter ein palästinensischer Reporter, der für die Nachrichtenagentur Reuters tätig ist. Den Journalisten traf ein Querschläger am Bein.

Dutzende Bewaffnete marschierten nach Sonnenuntergang auch durch das Flüchtlingslager Nusseirat in Gaza. Sie riefen "Nein zu Mussa Arafat, ja zu Reformen." Der israelische Ministerpräsident Ariel Scharon erklärte am Sonntag, die Entwicklung bestätige ihn in seiner Auffassung, dass Israel nicht mit der derzeitigen palästinensischen Führung verhandeln könne.

In Tulkarem im Westjordanland erschossen israelische Soldaten am Montagmorgen einen militanten Palästinenser, wie die Streitkräfte mitteilten. Der Mann habe einen Sprengstoffgürtel getragen und sich seiner Verhaftung widersetzt. In Beit Hanun im Gazastreifen zerstörte die Armee drei Häuser, mehrere Gewächshäuser und zwei Hühnerställe. Zuvor hatten militante Palästinenser Raketen auf israelisches Gebiet abgefeuert.

Die jordanischen Grenzbehörden erschossen unterdessen drei bewaffnete Männer, die vom Norden des Landes aus nach Israel eindringen wollten. Ein vierter Mann wurde festgenommen, wie Regierungssprecherin Asma Chader in Amman mitteilte. Das mehrstündige Feuergefecht ereignete sich den Angaben zufolge in Wakas nahe des Jordans. Israel und Jordanien unterhalten seit 1994 diplomatische Beziehungen. Zwischenfälle an der Grenze sind eine Seltenheit.


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