Geistlicher reist nach Paris: Arafat soll bald sterben dürfen
zuletzt aktualisiert: 09.11.2004 - 17:13Clamart (rpo). Jassir Arafat hat nur noch Stunden zu leben, wie ein ranghoher palästinensischer Vertreter am Dienstag mitteilte. "Er lebt, aber es bleiben ihm nur Stunden", sagte das Mitglied der Autonomiebehörde. Derweil reist ein hoher palästinensischer Geistlicher nach Paris.
Am Nachmittag hatte eine Delegation aus Ramallah den palästinensischen Präsidenten im Militärkrankenhaus bei Paris besucht. Im Anschluss sprach der palästinensische Außenminister Nabil Schaath von einer "sehr schwierigen und ernsthaften Situation". Auf die Frage, ob Arafat dem Tod nahe sei, erwiderte Schaath: "Das weiß nur Gott." Er teilte nicht mit, ob die Delegation, der auch Ministerpräsident Ahmed Kureia und der PLO-Vizevorsitzende Mahmud Abbas angehörten, direkt am Krankenbett Arafats waren.
Ein hoher palästinensischer Geistlicher hat sich am Dienstag auf den Weg nach Paris gemacht, um Jassir Arafat in der nahenden Stunde des Todes beizustehen. Taissir Dajut Tamimi erklärte, er wolle dem palästinensischen Präsidenten "in dieser entscheidenden Zeit nahe" sein. Zuvor hatte ein plästinensicher Regierungsvertreter mitgeteilt, Arafat habe nur noch Stunden zu leben. Tamimi machte zunächst keine näheren Angaben zu seiner Reise. Allerdings deutete seine Erklärung darauf hin, dass die lebenserhaltenden Apparate möglicherweise bald abgestellt werden sollten.
Jassir Arafats Frau hat führenden Vertretern der palästinensischen Autonomiebehörde indes eine Verschwörung gegen ihren Mann vorgeworfen. Sie hätten vor, den 75-Jährigen "lebendig zu begraben", sagte Suha Arafat laut einem Bericht des Fernsehsenders Al Dschasira. Zu der Delegation, die in Paris ist, gehören Mahmud Abbas, Außenminister Nabil Schaath und Parlamentspräsident Rauhi Fattuh.
Streit um den Gesundheitszustand
Zunächst hieß es, Kureia, der ehemalige Regierungschef Mahmud Abbas, Außenminister Nabil Schaath und Parlamentspräsident Rauhi Fattun hätten als Reaktion auf Suha Arafats Äußerungen ihre Reise abgesagt. Später änderten die Politiker ihre Pläne wieder. "Wir wollen direkt von den Ärzten über den Gesundheitszustand von Präsident Arafat informiert werden", sagte Schaath. Heute sollen sie den französischen Außenminister Michel Barnier treffen. Dann werde Arafat wohl offiziell für tot erklärt, spekulierte die israelische Zeitung "Jediot Ahronot" in ihrer Online-Ausgabe.
Suha Arafat erhob ihre Vorwürfe in einem emotionalen Telefonat mit Al Dschasira vom Krankenbett ihres Mannes aus, wie der arabische Sender berichtete. "Lasst das redliche palästinensische Volk wissen, dass ein Pack von denen, die ihn (Arafat) beerben wollen, nach Paris kommt", sagte Suha Arafat auf Arabisch. Dem PLO-Chef gehe es gut, und er werde wieder nach Hause kommen. Es waren Suha Arafats erste öffentliche Äußerungen, seit ihr Mann am 29. Oktober in das Militärkrankenhaus bei Paris eingeliefert wurde.
Frage, was das Volk will
Ein ranghoher Berater Arafats, Tajeb Abdel Rahim, sagte in Ramallah: "Was von Suha kam, repräsentiert nicht unser Volk." Arafats Frau wolle alleine entscheiden und Beschlüsse der palästinensischen Führung zunichte machen.
Arafat liegt seit Mittwoch auf der Intensivstation. Ärzte haben Arafats Zustand als kritisch, aber stabil bezeichnet. Eine Diagnose wurde bislang nicht veröffentlicht. Seine Frau ist eine von wenigen Personen, die Zugang zu seinem Krankenbett haben. Sie entscheidet, welche Informationen über Arafats Zustand veröffentlicht werden. Die 41-Jährige lebt in Paris und hatte ihren Mann seit Beginn des Palästinenseraufstands vor gut vier Jahren nicht gesehen. Beobachter vermuten, dass sie die Kontrolle über umfangreiche Finanzmittel der PLO hat.
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