Tausende Soldaten im Süden Afghanistans: Armee beginnt Großangriff auf Taliban
zuletzt aktualisiert: 18.06.2008 - 09:06Kandahar (RPO). Mit tausenden Soldaten will Afghanistan gegen die aufständischen Taliban im Süden des Landes vorgehen. Am Mittwoch haben Armee und NATO eine großangelegte Offensive nahe der Stadt Kandahar begonnen.
Bei den Gefechten in der Nähe der südafghanischen Stadt Kandahar wurden nach amtlichen Angaben am Mittwoch mindestens 35 Rebellen und zwei Soldaten getötet. An dem Einsatz sind demnach auch Kampfhubschrauber der NATO beteiligt. Unabhängig davon kamen bei einem Bombenanschlag in der südlichen Unruheprovinz Helmand vier britische Soldaten ums Leben, darunter offenbar erstmals eine Frau.
Der Einsatz habe am Morgen im Bezirk Arghandab begonnen, sagte ein Sprecher des afghanischen Verteidigungsministeriums. Das Ministerium erklärte später, bei einem NATO-Luftangriff auf ein Dorf seien 20 "örtliche und ausländische Terroristen" getötet worden. Drei weitere Rebellen sowie zwei Soldaten seien bei Schusswechseln umgekommen. Zwölf weitere Taliban-Kämpfer wurden demnach in einem angrenzenden Distrikt getötet.
Ein Sprecher der NATO-geführten Internationalen Afghanistan-Schutztruppe (ISAF) bestätigte die Offensive, machte aber keine Angaben über Todesopfer. Mehr als tausend Soldaten der afghanischen Armee und der NATO-Truppen seien an der Offensive beteiligt, sagte Carlos Branco. Dabei seien auch Lufttruppen der NATO zum Einsatz gekommen.
Taliban-Sprecher Mullah Sajed Ahmad sprach von "sehr heftigen Kämpfen". Er kündigte in einem Telefonat mit der Nachrichtenagentur AFP heftigen Widerstand an und drohte mit Selbstmordanschlägen in Kandahar. 1500 Familien mussten sich nach Angaben der Provinzregierung vor den drohenden Kämpfen in Sicherheit bringen.
Taliban-Kämpfer hatten am vergangenen Freitagabend das Gefängnis von Kandahar gestürmt und rund tausend Gefangene befreit, darunter nach offiziellen Angaben etwa 400 Taliban. Die Provinz Kandahar gehört zu den Hochburgen der Gotteskrieger.
Die vier britischen Soldaten wurden bereits am Dienstag bei einer Patrouille in Laschkar Ga im Osten von Helmand getötet, wie das britische Verteidigungsministerium am Mittwoch mitteilte. Ein Sprecher wollte Meldungen der britischen Nachrichtenagentur Press Association, wonach erstmals eine Soldatin unter den Opfern sein soll, nicht bestätigen.
Im pakistanisch-afghanischen Grenzgebiet sind nach Angaben der US-geführten Koalition in Afghanistan vier Hubschrauber-Motoren im Wert von mehr als 13 Millionen Dollar verschwunden. Ein pakistanisches Unternehmen hätte die Maschinenteile von einem Militärstützpunkt in Bagram nach Pakistan transportieren sollen, sagte Koalitionssprecher Christian Patterson. Der Vorfall ereignete sich demnach vor Mitte April.
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