kalaydo.de Anzeigen stellen auto immobilien kleinanzeigen tiere ferienwohnungen inserieren
  RP Providing |  RP Shop |  PremiumCard |  RP Reise
         
  Newsletter |  RSS |  Mobil |  Apps
Abo & Service | Anzeigen | ePaper | Schulprojekte  
 
       
 
  Gast
Kommentare ()

Schwerpunkt Ungarn 1956: Aufstand gegen die Sowjets

VON DORIS HEIMANN - zuletzt aktualisiert: 21.10.2006 - 17:26

Budapest (RP). 25. Oktober 1956: Durch die Straßen von Budapest rollen sowjetische Panzer. Sie sollen den Aufstand niederschlagen, der seit drei Tagen in Ungarn tobt. Akos Engelmayer läuft an diesem Morgen mit ein paar Freunden aus der Nachbarschaft von Tür zu Tür. Die Jungs wollen Molotow-Cocktails bauen, brauchen dafür leere Flaschen - doch selbst die sind im kommunistischen Ungarn Mangelware. Im zweiten Stock eines Mietshauses öffnet eine Mutter die Tür. Vier Kinder zerren an ihrem Rock. „Die Frau holte aus dem Vorratsregal eingekochtes Tomatenpüree, goss den Inhalt unter Tränen in die Spüle und gab uns die leeren Flaschen“, erzählt Akos Engelmayer (68) bewegt.

Für den damals 18-jährigen Schüler wurde diese Episode zum Schlüsselerlebnis der Revolution: „Die Einheit in der Bevölkerung war einfach unglaublich.“

Bereits vor 1956 gärt es mächtig im Land. Von 1949 bis 1953 haben die kommunistischen Machthaber unter „Stalins bestem Schüler“ Matyas Rakosi die Gesellschaft terrorisiert. Politische Säuberungen, Folter und Schauprozesse sind an der Tagesordnung. Von den Repressalien ist am Ende jede dritte Familie betroffen. Dazu kommen materielle Härten: Der von den Sowjets verordnete sinnlose Ausbau der Schwerindustrie drückt die Wirtschaft, die Löhne schrumpfen. Die Kollektivierung der Landwirtschaft führt zu ständigen Versorgungsengpässen.

Nach Stalins Tod im März 1953 hoffen die Ungarn auf Reformen. Der neue Regierungschef Imre Nagy verspricht Lockerungen. Doch ihm bleiben nur wenige Monate - 1955 wird er durch den Stalinisten Ernö Gerö ersetzt. Der Frust der Menschen wächst.

Am Dienstag, dem 23. Oktober 1956, beginnt alles scheinbar harmlos. „In der großen Pause kamen Studenten in unsere Schule. Sie forderten uns auf, an ihrer Demo teilzunehmen“, erzählt Akos Engelmayer. Seine Klasse geht geschlossen mit. Am frühen Nachmittag setzen sich große Demonstrationszüge in Bewegung. Die Studenten fordern den Abzug der sowjetischen Truppen, die Rückkehr von Imre Nagy in die Regierung, aber auch freie Wahlen und die Einführung des Mehrparteiensystems. Spontan schließen sich immer mehr Menschen an. Am Abend haben sich 200000 Bürger vor dem Parlamentsgebäude versammelt.

Die verängstigten kommunistischen Machthaber holen Imre Nagy aus der Versenkung. Der Politiker soll die Massen beruhigen - er scheitert kläglich. „Nagy begann seine Rede mit ‚Genossen‘ - da brüllten alle zurück ‚Wir sind keine Genossen!‘“, erinnert sich Akos Engelmayer. Später am Abend eskaliert die Situation. Wütende Demonstranten stürzen das riesige Stalindenkmal im Stadtpark. Sie setzen zum Sturm auf das Rundfunkgebäude an. Sicherheitskräfte verteidigen den Sender. Um 21.37 Uhr gibt es das erste Todesopfer.

Noch in der gleichen Nacht fällt in Moskau die Entscheidung über ein militärisches Eingreifen. Doch die sowjetische Invasion radikalisiert die rebellierenden Ungarn nur noch mehr. Das gilt auch für den 18-jährigen Akos Engelmayer und seine Clique. Das Basteln von Molotow-Cocktails reicht ihnen nicht. Sie besorgen sich Waffen aus dem Magazin eines Schießsportvereins. Bei einem Angriff auf einen sowjetischen Schützenwagen erbeuten sie sogar Maschinenpistolen und ein abmontiertes Bordgeschütz. „Das war kein Heldenmut - über die Gefahr haben wir in dem Rausch gar nicht nachgedacht“, sagt der Revolutionär heute nachdenklich.

Ein paar Tage lang sieht alles so aus, als würde das Undenkbare wahr: Die Sowjets haben Schwierigkeiten mit der Niederschlagung des Aufstandes. Nagy gelingt es, den Rückzug der Truppen aus Budapest zu verhandeln. Doch am 1. November überschreiten neue sowjetische Truppen die Grenze zu Ungarn. Als Nagy dies erfährt, verkündet er den Austritt Ungarns aus dem Warschauer Pakt und die Neutralität des Landes.

Am 4. November beginnen die Sowjets ihre „Operation Wirbelsturm“, die blutige Zerschlagung des Aufstandes. Schon bald sitzt das kommunistische Regime unter wieder fest im Sattel.


 
Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung:

       
Anzeige:

Aktuell bei RP Online
Muslime werfen Gauck Geschichtsfälschung vor

Umstrittene Äußerung zum Islam

Muslime werfen Gauck Geschichtsfälschung vor

Joachim Gauck hat sich von der Einschätzung seines Vorgängers Christian Wulff distanziert, der Islam gehöre zu Deutschland. mehr 

Syrische Deserteure drohen Assad

Bürgerkrieg in Syrien

Syrische Deserteure drohen Assad

Die westlichen Staaten und die syrischen Rebellen drohen dem Assad-Regime mit einer härteren Gangart. mehr 

Mehr Politik
Aus der Region

Umstrittene Äußerung zum Islam

Muslime werfen Gauck Geschichtsfälschung vor

Bürgerkrieg in Syrien

Syrische Deserteure drohen Assad

Machtkampf bei den Linken

Kipping lässt Riexinger abblitzen

Videos

Video

Grefrather Eisbahn wird zur Filmkulisse

Die Schlittschuhläufer laufen eine Runde nach der anderen. Auf der Außenbahn des Grefrather Eisstadions ist dieses Mal alles etwas anders . ... mehr 

Kurios: Flugzeuge verhaken sich ineinander

Auf dem Chicagoer Flughafen sind sich zwei sehr ungleiche Flugzeuge ins Gehege gekommen. Eine Boeing 747 wollte sich auf den Weg machen, als ... mehr 

syrien flagge fahne RPO 2007

Bürgerkrieg in Syrien

Syrische Deserteure drohen Assad

Die westlichen Staaten und die syrischen Rebellen drohen dem Assad-Regime mit einer härteren Gangart. Die USA bringen einen Militäreinsatz auch ohne UN-Beschluss ins Spiel. mehr

 

Nahostreise des Bundespräsidenten

Gauck fordert Palästinenser zu Friedensgesprächen auf

 

Nach Selbstverbrennung in Lhasa

China startet Verhaftungswelle in Tibet

 

Ingenieur im Januar verschleppt

In Nigeria entführter Deutscher getötet

 
 
Top-Services