50 Tote: Aufstand in Usbekistan niedergeschlagen
zuletzt aktualisiert: 13.05.2005 - 20:15Taschkent (rpo). Usbekische Sicherheitskräfte haben den Aufstand in der Stadt Andidschan nahe der Grenze zu Kirgisien blutig niedergeschlagen. Nach Regierungsangaben war das von Aufständischen eingenommene Gebäude der Regionalverwaltung am Abend wieder unter Kontrolle der Behörden.
Mindestens zehn Menschen wurden getötet, doch angesichts der zunächst weiter andauernden Schießereien wurde mit einer höheren Opferzahl gerechnet. Gerüchten zufolge wurden bis zu 50 Menschen getötet und hunderte verletzt. Der Aufstand entzündete sich offenbar an einem Prozess gegen 23 Männer, denen Zugehörigkeit zu einer islamistischen Gruppierung vorgeworfen wird.
In der 300.000-Einwohner-Stadt gab es den ganzen Tag über Schießereien zwischen Sicherheitskräften und Aufständischen, die öffentliche Gebäude besetzten und Häftlinge aus dem örtlichen Hochsicherheitsgefängnis befreiten. Besonders heftig waren die Kämpfe rund um das Verwaltungsgebäude.
Auf dem Platz davor und in den umliegenden Parks löste die Armee eine Demonstration gewaltsam auf. Soldaten schossen auf eine Gruppe von mehreren tausend Demonstranten, die sich dort zur Unterstützung der Besetzer eingefunden hatten. Dabei kam mindestens ein Mensch ums Leben, fünf weitere wurden verletzt, wie ein Reporter der Nachrichtenagentur AFP beobachtete. Die Demonstranten forderten bessere Lebensbedingungen, mehr Demokratie und den Rücktritt des autoritär regierenden Staatspräsidneten Islam Karimow.
Sicherheitskräfte umzingelten das Verwaltungsgebäude, gepanzerte Truppentransporter zogen auf, schwere Maschinengewehre wurden in Stellung gebracht. Die usbekischen Behörden verhängten eine Mediensperre über das Gebiet. Der Zugang zum Zentrum der Stadt wurde abgeriegelt.
Lediglich die staatlich kontrollierten Medien berichteten über die Ereignisse. Der Empfang der ausländischen Fernsehsender BBC und CNN wurde unterbrochen - ein Zeichen für die Nervosität der Behörden. Erst vor zwei Monaten hatte ein Aufstand in Kirgisien zum Sturz der dortigen Regierung geführt.
Wie die russische Nachrichtenagentur Interfax unter Berufung auf die örtliche Polizei meldete, ließen die Aufständischen die in ihrer Gewalt befindlichen Geiseln frei. Eine unabhängige Bestätigung für den Bericht gab es zunächst jedoch ebenso wenig wie für die Rückeroberung des Verwaltungsgebäudes.
Die Straßen in Andidschan waren übersät mit verkohlten Autowracks; ein Kino- und ein Theratergebäude gingen in Flammen auf. Bei der Erstürmung des Gefängnisses befreiten die Aufständischen in der Nacht zum Freitag laut einer Menschenrechtsgruppe 2.000 Häftlinge. Nach Angaben des staatlichen usbekischen Fernsehens kamen dabei mindestens neun Menschen ums Leben. Zuvor hatten die zunächst 60 bis 100 Aufständischen eine Militärgarnison überfallen und zahlreiche Waffen erbeutet.
Den Aufständischen ging es bei dem Sturm auf das Gefängnis offenbar vor allem um 23 Geschäftsleute, die wegen radikalislamischer Umtriebe angeklagt sind. Ihre Anhänger sagen, die Vorwürfe seien fingiert. Am Mittwoch hatten bereits rund 2.000 Menschen vor dem Gerichtsgebäude gegen das Verfahren demonstriert.
Die Angeklagten sollen Verbindungen zur Gruppe Akromija haben, einem Ableger der in Deutschland verbotenen radikalislamischen Hizb ut-Tahrir. Ein Sprecher der Aufständischen forderte gegenüber AFP die Freilassung eines der noch inhaftierten Anführer von Akromija. Dafür seien die Aufständischen auch bereit, das Land zu verlassen, sagte Scharipdschan Schakirow, der selbst bei der Erstürmung befreit worden war.
Der autoritär regierende Staatschef Islam Karimow begab sich in die Unruhestadt und stellte sich an die Spitze des dortigen Krisenstabes. Offiziellen Angaben zufolge begannen am Nachmittag Verhandlungen mit den Aufständischen.
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