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Ägypten
IS bekennt sich zu Anschlägen mit Dutzenden Toten

Ausnahmezustand in Ägypten: IS bekennt sich zu Anschlägen mit Dutzenden Toten
Im Inneren der koptischen Kirche in Tanta ist eine der Bomben explodiert. FOTO: afp
Kairo. Die Terrormiliz Islamischer Staat hat zwei Anschläge in Ägypten für sich reklamiert. Der Präsident verhängt nach den Explosionen in koptischen Kirchen in Tanta und Alexandria mit Dutzenden Toten den Ausnahmezustand.

Die Amak-Mitteilung konnte zunächst nicht unabhängig auf Echtheit untersucht werden. Bei den beiden Anschlägen auf zwei koptische Kirchen wurden nach Angaben des Gesundheitsministeriums mindestens 44 Menschen getötet, mehr als 120 wurden verletzt.

Die erste Detonation erschütterte eine zum Gottesdienst am Beginn der Karwoche dicht gefüllte Kirche in der Stadt Tanta in Nordägypten. Dabei wurden 27 Menschen getötet und 78 verletzt. Der Fernsehsender CBC zeigte Bilder aus dem Inneren der Kirche, auf denen blutüberströmte Körper zu sehen waren, die man mit Papier abgedeckt hatte.

Blutiger Palmsonntag

Der zweite Anschlag traf in Alexandria die Kirche, in der der koptische Patriarch Tawadros II. zuvor den Palmsonntagsgottesdienst gefeiert hatte. Hier gab es laut Gesundheitsministerium 17 Tote, darunter drei Polizisten, 48 Menschen wurden verletzt.

Ägyptens Präsident Abdel Farrah al-Sissi hat nach den Anschlägen den Ausnahmezustand angekündigt. Dieser trete für drei Monate in Kraft, sobald die notwendigen verfassungsrechtlichen Schritte vollzogen seien, sagte er in einer Fernsehansprache. Darüber hinaus werde ein Reihe von Maßnahmen ergriffen. Zuvor hatte Sissi bereits den landesweiten Einsatz des Militärs angeordnet. Die Armee solle die Polizei beim Schutz von wichtigen Einrichtungen unterstützen.

In den vergangenen Jahren war nach Gewaltausbrüchen wiederholt der Ausnahmezustand in Ägypten oder Teilen des Landes ausgerufen worden.
Dies war verbunden mit der Möglichkeit von Festnahmen ohne Haftbefehl und Hausdurchsuchungen ohne richterliche Anordnung sowie nächtlichen Ausgangssperren.

Erweiterte Befugnisse sollen den Sicherheitskräften das Vorgehen gegen Extremisten vereinfachen. Allerdings haben diese in Ägypten auch schon zum gegenwärtigen Zeitpunkt oftmals freie Hand, was durch vielfach schwammig formulierte Gesetze bedingt ist.

Der Großscheich der Kairoer Al-Azhar-Moschee, Ahmed al-Tajeb sagte, ein Terroranschlag auf Unschuldige sei abscheulich. Er verurteile die Tat, sagte der Chef der weltweit wichtigsten sunnitschen Lehreinrichtung.

Papst Franziskus sagte, er bete für die Toten und Verwundeten. Er sprach Patriarch Tawadros, der koptischen Kirche und allen Ägyptern sein tiefes Mitgefühl aus. Franziskus wird in wenigen Wochen zu einem Besuch in Ägypten erwartet.

Bundesregierung schockiert

Die Bundesregierung und Kirchenvertreter verurteilen den Terror in Ägypten auf das Schärfste. "Ausgerechnet am heutigen Palmsonntag erreichen uns die furchtbaren Nachrichten von einem Anschlag auf christliche Gläubige in einer koptischen Kirche in Tanta, die einen gemeinsamen Gottesdienst in Vorfreude auf das Osterfest feiern wollten. Erneut sind damit christliche Gläubige Ziel einer Bluttat geworden", sagte Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) in Berlin. Er gedachte der Opfer und forderte die Aufklärung der Hintergründe des Terrors. "Das Kalkül der Täter, einen Keil in das friedliche Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Glaubensrichtungen zu treiben, darf nicht aufgehen", sagte Gabriel.

Regierungssprecher Steffen Seibert erklärte, Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) habe dem ägyptischen Präsidenten Abdel Fattah al-Sisi bereits kondoliert. Auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier übermittelte sein Mitgefühl und sprach davon, dass die Opfer "feige ermordet" wurden.

Zehn Prozent der Ägypter sind Kopten

Koptische Christen sind eine der ältesten Kirchen der Welt. Sie stellen rund zehn Prozent der ägyptischen Bevölkerung und sind wiederholt Ziel von Anschlägen islamischer Extremisten geworden. Viele Kopten haben den Staatsstreich des Militärs gegen den islamistischen Präsidenten Mohammed Mursi unterstützt.

Im Dezember hatte sich ein Ableger der Terrormiliz Islamischer Staat zu einem Selbstmordanschlag auf eine Kirche in Kairo bekannt, bei dem rund 30 Menschen getötet wurden. Ein Welle der Gewalt gegen Christen auf der Sinai-Halbinsel löste eine Flucht vieler Kopten aus dem Gebiet aus. Vor Kurzem veröffentlichte die Grippe ein Viddeo, in dem sie Anschläge auf Christen ankündigte.

Am 1. April bekannte sich eine militante Gruppe namens Liwa al-Thaura zu einem Anschlag auf ein Ausbildungszentrum der Polizei in Tante, bei dem 16 Menschen verletzt wurden. Diese Gruppe soll Verbindungen zur verbotenen Muslimbruderschaft haben. Sie hat sich von Angriffen auf Christen distanziert.

 

(juju/felt/dpa/KNA/AP)
 
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