Wikileaks: Aussteiger planen eigene Enthüllungs-Plattform
zuletzt aktualisiert: 30.11.2010 - 18:10Reykjavik/Stockholm (RPO). Ehemalige Wikileaks-Mitarbeiter planen nach eigenen Angaben eine Alternative zu der Enthüllungs-Plattform im Internet. Das neue Forum zur Veröffentlichung brisanter Informationen solle "anders als Wikileaks" sein, aber auf "ähnlichen Grundideen" basieren, sagte der frühere Wikileaks-Mitarbeiter Herbert Snorrason am Dienstag.
Als Gründe für die geplante Neugründung nannte der 25-jährige isländische Geschichtsstudent Differenzen über die Ausrichtung von Wikileaks sowie den Führungsstil des australischen Wikileaks-Mitbegründer Julian Assange.
Assange, gegen den vor knapp zwei Wochen auf Betreiben Schwedens ein internationaler Haftbefehl wegen Vergewaltigung und sexueller Belästigung erlassen worden war, wurde in der Vergangenheit vorgeworfen, sich bei der Leitung von Wikileaks "wie ein Imperator" zu verhalten. Snorrason versicherte jedoch, dass das neue Projekt "kein persönlicher Angriff auf Julian Assange oder Wikileaks" sei. Er und seine Mitstreiter sähen es "weder als Wettbewerb, noch sollte es als ein Wikileaks-Konkurrent angesehen werden".
Neue Plattform soll kein Konkurrent werden
Auf der neuen Enthüllungsplattform sollen laut Snorrason anders als bei Wikileaks nicht die Betreiber brisante Dokumente veröffentlichen. Vielmehr soll sie als "Drehscheibe" für Informanten dienen, die dort anonym brisante Informationen hochladen könnten. Außerdem solle sich die neue Plattform in ihrer Organisationsstruktur von Wikileaks unterscheiden. "Wir haben nicht vor, dass eine Person die Kontrolle hat, sondern eher, dass die Mehrheit aller beteiligten Menschen am Entscheidungsprozess beteiligt ist", sagte Snorrason. Dadurch solle die Plattform "transparent" und "so offen wie möglich" werden.
Die Plattform soll laut Snorrason "sehr bald" an den Start gehen. Wie sie heißen soll, sagte er nicht. Auch die Zahl der Beteiligten könne er nicht nennen, da einige von ihnen nicht mit dem Netzwerk in Verbindung gebracht werden wollten. An dem neuen Projekt beteiligt ist laut Snorrason auch der Deutsche Daniel Domscheit-Berg, der früher unter dem Pseudonym Daniel Schmitt als Wikileaks-Sprecher arbeitete.
Assange war in den eigenen Reihen auch wegen der Vergewaltigungsermittlungen gegen ihn in die Kritik geraten. Das Oberste Gericht in Stockholm teilte am Dienstag mit, dass Assange Einspruch gegen den Haftbefehl eingelegt habe. Das Gericht müsse nun entscheiden, ob es den Fall des 39-jährigen Australiers zur Beratung annehme, sagte Gerichtssprecherin Kerstin Norman der AFP. Darüber werde voraussichtlich schnell entschieden - vielleicht schon am Mittwoch oder nächste Woche. Assange hatte die Vorwürfe der Vergewaltigung und sexuellen Belästigung von zwei Frauen in Schweden stets zurückgewiesen.
Hacker-Angriff auf das Original
WikiLeaks selbst ist nach Angaben der Betreiber am Dienstag von Hackern angegriffen worden. Die Website sei in den USA und Europa zeitweise nicht zu erreichen gewesen. WikiLeaks sei durch einen sogenannten verteilten Angriff lahmgelegt worden, teilte die Internetplattform am Dienstag über den Kurzmitteilungsdienst Twitter mit. Dabei seien Anfragen mit einem Datenvolumen von zehn Gigabits pro Sekunde an die Internetseite gerichtet worden und hätten WikiLeaks so empfindlich gestört.
Die Plattform war bereits am Sonntag aus dem Internet angegriffen worden, doch die Hacker-Attacke vom Dienstag soll wesentlich heftiger gewesen sein. WikiLeaks hatte am Wochenende Hunderttausende teilweise geheime Dokumente des US-Außenministeriums veröffentlicht und damit für Aufregung in Diplomatenkreisen gesorgt.
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