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Regierungs
Australien verweigert Verkauf von Farmland an Chinesen

Canberra. Australien will sein Land nicht an Chinesen verkaufen. Die Regierung fürchtet, dass ausländische Unternehmen heimische Produkte dann nicht mehr den Australiern anbieten.

Der geplante Verkauf des größten privaten Landbesitzes in Australien an ein chinesisches Konsortium ist vorerst gestoppt. Finanzminister Scott Morrison sagte am Freitag, der geplante Deal widerspreche nationalen Interessen. Die in China ansässige Dakang Australia Holdings will die Farmen der traditionsreiche S. Kidman & Co. Ltd. für 371 Millionen Australische Dollar (rund 250 Millionen Euro) übernehmen. Dakang kann nun bis Dienstag auf das Veto der Regierung reagieren.

Die Farmen umfassen 100.000 Quadratkilometer

Kidman gehören zehn Farmen, ein Gestüt für Zuchtzwecke und Weideflächen von mehr als 100.000 Quadratkilometern in vier Staaten.
Das ist ein Gebiet, das größer als Südkorea oder rund drei Mal so groß wie Nordrhein-Westfalen ist. Das Unternehmen hat seinen Sitz in Adelaide und war von "Rinderbaron" Sir Sidney Kidman 1899 gegründet worden. Es wurde von seinen Nachkommen fortgeführt.

Morrison sagte, das Gebiet mache mehr als ein Prozent der gesamten Landfläche und zwei Prozent der landwirtschaftlichen Fläche Australiens aus. Die chinesische Holding sei so groß, dass es für australische Bieter schwer sei zu konkurrieren. Fast nirgends auf der Welt würde der Kauf von so viel Land durch ausländische Investoren erlaubt, fügte er hinzu.

Kidmans geschäftsführender Direktor Greg Cambell sagte, die Verhandlungen mit der Regierung würden fortgesetzt, um zu ermitteln, wie viel Land und Vermögen des Unternehmens an die Chinesen verkauft werden könne.

Verkauf wird zum zweiten Mal gestoppt

Die Regierung hatte bereits im November einen ersten Verkaufsversuch gestoppt und erklärt, das Unternehmen dürfe nicht an ausländische Investoren veräußert werden. Grund dafür sei unter anderem, dass Kidman die weltweit größte Viehfarm besitze. Anna Creek Station ist mehr als 23.600 Quadratkilometer groß und liegt im Trockengebiet in Zentral-Australien. Die Hälfte der Ranch befindet sich in einem vom Verteidigungsministerium kontrollierten Gebiet bei Woomera.

Es gibt Sicherheitsbedenken gegenüber Ausländern, die Schürf- und Bergbaurechte in diesem Gebiet gepachtet haben. Mindestens zwei chinesische Bergbau-Unternehmen waren abgehalten worden, dort aktiv zu werden. Anna Creek war vom letzten Verkaufsangebot herausgenommen worden, um diese Sicherheitsbedenken zu beseitigen.

In Australien wird der Verkauf von Land an Ausländer zunehmend kritisch gesehen. Es gibt Befürchtungen, dass Farmen, die Chinesen gehören, ihre Mutterunternehmen mit in Australien gewachsenen Produkten zu Discountpreisen versorgen oder sich weigern könnten, diese Produkte an Australier zu verkaufen. Die australische Rinderindustrie ist wegen Dürre und des starken australischen Dollars seit Jahren wenig profitabel.

(ap)
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