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Angst vor IS-Terror
Auswärtiges Amt warnt auch bei Reisen nach Südostasien

Auswärtiges Amt: Angst vor IS-Terror - Reisewarnungen für Südostasien
Die IS-Terrormiliz fasziniert Extremisten in Südostasien. Auf diesem Bild sind Mitglieder der Moro Islamic Liberation Front (MILF) auf den Philippinen zu sehen. FOTO: dpa, ds gl os cdt
Bangkok. Nach den Anschlagsdrohungen der Dschihadistengruppe Islamischer Staat (IS) hat das Auswärtige Amt seine Sicherheitshinweise für Reisende rund um den Globus verschärft. Für eine Reihe von Ländern in Nahost, Afrika und Asien gab das Außenministerium bis Freitagnachmittag aktualisierte Hinweise heraus.

Darin heißt es, die IS-Miliz habe mit "Anschlägen auf die Interessen westlicher Länder gedroht". Es sei nicht auszuschließen, dass westliche Ausländer auch im Ausland "Ziel terroristischer Gewaltakte, von Entführungen und von kriminellen Übergriffen" durch IS-Sympathisanten werden könnten.

Die IS-Miliz hatte am Montag dazu aufgerufen, wahllos Bürger jener Staaten zu töten, die sich an der internationalen Koalition gegen die Dschihadisten beteiligen. In dem jeweils gleichlautenden "dringenden regionalen Sicherheitshinweis" des Auswärtigen Amtes heißt es nun, erhöhte Anschlags- und Entführungsrisiken bestünden etwa an Orten, "an denen regelmäßig westliche Staatsangehörige verkehren". Deshalb werde zu "erhöhter Wachsamkeit" geraten. Menschenansammlungen sollten gemieden und den Anweisungen örtlicher Sicherheitsbehörden Folge geleistet werden. Reisende sollten die Berichterstattung in den Medien verfolgen.

Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) schlägt tausende Kilometer von Syrien und Irak entfernt Wellen: in muslimischen Ländern und Regionen in Südostasien wird ihre Fahne hochgehalten. In Indonesien, dem Land mit der größten muslimischen Bevölkerung der Welt, im muslimischen Malaysia und im muslimischen Süden der Philippinen haben die IS-Fanatiker inzwischen Anhänger.

Das Auswärtige Amt hat darauf reagiert und am Freitag Sicherheitshinweise für einige südostasiatische Länder ausgesprochen. Zudem bestehen Hinweise für den Nahen Osten. Auf der diesbezüglichen Liste vom Auswärtigen Amt stehen die Philippinen, Malaysia, Indonesien, Algerien, Thailand, Israel, Saudi Arabien, Katar, Kuwait, Oman, Iran, Vereinigte Arabische Emirate, Kenia, Bangladesch, Libanon, Libyen, Syrien, Jordanien sowie palätinensische Gebiete.

Westliche Ausländer auch im Ausland Ziel terroristischer Gewaltakte

In den offiziellen Sicherheitshinweisen vom Auswärtigen Amt heißt es im Wortlaut: "Die terroristische Organisation ISIS, die sich selbst auch "Islamischer Staat" nennt, hat mit Anschlägen auf die Interessen westlicher Länder gedroht. Es ist nicht auszuschließen, dass aufgrund dieser Drohung westliche Ausländer auch im Ausland Ziel terroristischer Gewaltakte, von Entführungen und von kriminellen Übergriffen durch ISIS-Sympathisanten werden können. Erhöhte Anschlags- und Entführungsrisiken bestehen u.a. an Orten, an denen regelmäßig westliche Staatsangehörige verkehren. Das Auswärtige Amt rät daher zu erhöhter Wachsamkeit. Menschenansammlungen sollten gemieden und den Anweisungen örtlicher Sicherheitsbehörden gefolgt werden. Die Berichterstattung in den Medien sollte beobachtet werden. Die Sicherheitsrisiken für Reisende sind von Land zu Land und selbst innerhalb eines Landes unterschiedlich zu bewerten. Das Auswärtige Amt empfiehlt daher dringend, immer auch die landesspezifischen Sicherheitshinweise zu beachten."

"In Südostasien haben Extremisten schon ihre Loyalität mit IS beschworen", sagt Rommel Banlaoi, Direktor des philippinischen Instituts für Frieden-, Gewalt- und Terrorforschung. Darunter ist Abu Bakr Bashir, der inhaftierte spirituelle Führer der Terrorgruppe Jemaah Islamiyah (JI) in Indonesien. Die in Malaysia und auf den Philippinen aktive Terrororganisation Abu Sayyaf postete eine Unterstützer-Botschaft auf Youtube.

"Wir sympathisieren mit dem edlen Ziel der IS", sagt Ghazali Jaafar von der größten muslimischen Rebellenorganisation der Philippinen, MILF. "Aber wir lehnen die Kampfmethoden ab", etwa die Ermordung von Journalisten und Freiwilligen.

Die Regierungen in Jakarta, Kuala Lumpur und Manila schätzen, dass mehrere hundert Landsleute bereits auf Seiten der IS kämpfen. Sie fürchten Anschläge zu Hause, vor allem, wenn diese Kämpfer eines Tages zurückkehren. "Der militante Islam hat tiefe Wurzeln in Südostasien", schreibt Atle Mesøy für das dänische Risiko-Analyseinstitut RiskIntelligence. "Dort gibt es jede Menge kleine Gruppen, die sehnsüchtig auf Training warten."

Die Extremisten von Abu Sayyaf entführen Ausländer

Die Extremisten von Abu Sayyaf entführen Ausländer und erpressen Lösegelder, wie im Jahr 2000 eine Gruppe Touristen mit der deutschen Familie Wallert. Ein deutsches Seglerpaar ist seit April in ihrer Hand. Jemaah Islamiyah ist in Indonesien aktiv. Der schlimmste Anschlag passierte 2002, als sie Nachtclubs auf Bali attackierten. 202 Menschen kamen um, darunter mehr als 80 Australier.

In Indonesien gab es schon Terrordrohungen gegen eines der bedeutendsten buddhistischen Wahrzeichen der Welt, den Tempel von Borobudur. In Malaysia nahm die Polizei 19 IS-Sympathisanten fest, die eine Brauerei bei Kuala Lumpur in die Luft sprengen wollten.

Was fasziniert Muslime in Südostasien an einer Miliz, die tausende Kilometer entfernt kämpft? Der Erfolg, meint Banlaoi: "Der frühere El Kaida-Führer Osama bin Laden hatte nur eine Vision, aber der Gründer der IS, Abu Bakr al-Bagdadi, realisiert sie."

Der Indonesier Ali Fauzi ist einer, der es wissen muss. Er war früher JI-Mitglied. Heute lehrt er an der Universität. Sein Thema: Terrorismus. "Die Leute glauben, dass die IS es schaffen wird, ein Kalifat aufzubauen, weil sie Kämpfer haben, Waffen und Land." Für Muslime, die schon seit Jahren mit militanter Ideologie indoktriniert würden, sei der IS-Gründer eine charismatische Figur, meint der malaysische Sicherheitsexperte Andrin Raj.

Alle Regierungen haben IS verurteilt. Indonesiens scheidender Präsident Susilo Bambang Yudhoyono sprach von Ketzern, die größten Islam-Organisationen nannten IS "haram" - verboten. "Schlimm, dass Malaysier sich von abartigen Lehren einlullen lassen", meint der malaysische Islamgelehrte Mahmoud Labati. "IS-Kämpfer, die sind nichts als Banditen."

Die Bombardierung der IS könne die IS-Miliz vor Ort vielleicht dezimieren, aber nicht unbedingt ihre Anziehungskraft in Südostasien, meint Jufitri bin Joha von der muslimischen Jugendbewegung in Malaysia (Abim). Muslime sähen überall "ungerechte Politik westlicher Länder" gegenüber muslimischen Ländern. "Muslimische Länder sollten aggressiver eingreifen, um den Krieg in Syrien und im Irak zu beenden, und sollten verhindern, dass westliche Länder sich in islamische Angelegenheiten einmischen", meint er.

(dpa)
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