Polizei erschießt Demonstranten: Bahrains Regime schlägt Proteste gewaltsam nieder
zuletzt aktualisiert: 17.02.2011 - 10:37Manama (RPO). Am vierten Tag der Proteste gegen die Regierung ist die Polizei in Bahrain am Donnerstagmorgen mit äußerster Härte gegen die Demonstranten in der Hauptstadt Manama vorgegangen. Die Sicherheitskräfte lösten das Lager der Regierungsgegner auf, feuerten Tränengas in die Menge und schlugen wahllos auf die Menschen ein. Auch Frauen und Kinder wurden laut Augenzeugen angegriffen.
Bei den Auseinandersetzungen wurden nach Angaben von Ärzten allein am Donnerstag vier Menschen getötet. Ohne Warnung habe die Polizei das Lager im Zentrum der Hauptstadt gestürmt, berichteten Augenzeugen.
"Frauen und Kinder wurden angegriffen", sagte Mahmud Mansuri. "Sie wussten, was sie taten." Der Einsatz der Polizei habe begonnen, nachdem Medienvertreter den Platz verlassen hatten. Ein Fotograf der Nachrichtenagentur AP berichtete, dass Polizisten eine Gruppe von Kindern umzingelt und in ihre Fahrzeuge gebracht hätten.
Polizisten zerstören Lager der Demonstranten
Nach der Erstürmung des Platzes waren auf den Straßen Panzer zu sehen und bewaffnete Sicherheitskräfte patrouillierten durch die Wohnviertel. Rund um den Platz wurden Polizeifahrzeuge stationiert und die Straßen mit Stacheldraht gesperrt. Polizisten räumten die Zelte der Demonstranten und zertraten die Transparente. Der Innenminister von Bahrain nannte das Protestlager illegal und forderte die Menschen auf, in ihren Häusern zu bleiben.
In Manama kam das öffentliche Leben am Donnerstag weitgehend zum Erliegen. Arbeiter wurden nicht in die Stadt gelassen, Banken und andere Geschäfte blieben geschlossen. Am Morgen kam es weiterhin zu vereinzelten Zusammenstößen zwischen Demonstranten und der Polizei. Junge Männer rissen Bürgersteige auf und warfen Steine auf die Polizisten.
Dutzende Verletzte mit Platzwunden, Knochenbrüchen und Atembeschwerden nach dem Beschuss mit Tränengas suchten am Donnerstag das Salmanija-Krankenhaus auf. Vor der Klinik riefen Demonstranten: "Das Regime muss gehen."
Forderung nach Reformen
Zehntausende vor allem schiitische Demonstranten hatten zuvor am Mittwoch in dem Golfstaat den dritten Tag in Folge gegen ihre Regierung protestiert. Während in den ersten Tagen der Proteste lediglich eine demokratische Öffnung des politischen Systems gefordert wurde, wurden am Mittwoch auch Rufe nach einem Rücktritt des sunnitischen Regimes von Ministerpräsident Scheich Chalifa bin Salman Al Chalifa laut.
Bahrain liegt zwar zwischen den ölreichen Staaten Saudi-Arabien und Katar, hat aber selbst kaum Öl. Es ist vor allem ein regionales Finanzzentrum und Freizeitoase für reiche Saudiaraber, die in Bahrain westliche Bars, Hotels und die Strände genießen.
In Bahrain leben überwiegend Schiiten, der kleine Golfstaat wird aber von einer sunnitischen Herrscherdynastie unter König Mohamed bin Issa el Chalifa geführt.
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