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"Ärzte ohne Grenzen"
In Idomeni schweben Flüchtlingskinder in Lebensgefahr

Balkanroute: In Idomeni schweben Flüchtlingskinder in Lebensgefahr
Kinder in Idomeni: "Ärzte ohne Grenzen" warnt vor gefährlichen Zuständen. FOTO: dpa, vxh ase
Exklusiv | Berlin. Experten zufolge steigt die Gesundheitsgefahr für rund 14.000 Flüchtlinge, die im griechischen Ort Idomeni an der Grenze zu Mazedonien ausharren. "Die Zustände waren noch nie so schlimm", sagte Florian Westphal, Geschäftsführer der Hilfsorganisation "Ärzte ohne Grenzen", unserer Redaktion. Von Jan Drebes und Gregor Mayntz

Unter den Flüchtlingen seien Schwangere und Frauen mit wenige Tage alten Babys. "Es ist nicht auszuschließen, dass diese Säuglinge angesichts der Zustände im Lager in Lebensgefahr schweben", sagte Westphal. 150 Ärzte sind für die Organisation derzeit in dem Gebiet.

Die Grenze ist dicht

In dem Lager, das ursprünglich für 1500 Personen ausgelegt war, warten die Menschen seit Tagen darauf, nach Mazedonien und weiter Richtung Westeuropa einreisen zu dürfen. Die Grenze ist jedoch dicht. Nach starken Regenfällen ist das Gebiet stark verschlammt, die Flüchtlinge hausen meist in einfachen Zelten. "Unsere Mitarbeiter berichten von zahlreichen Atemwegserkrankungen und einem akuten Ausbruch der Magen-Darm-Grippe", sagte Westphal. Vereinzelt hätten Flüchtlinge wegen schwerer Traumatisierungen durch Krieg und Flucht Panikattacken oder würden versuchen, sich selbst zu verletzen.

Das Bundesgesundheitsministerium teilte mit, dass es derzeit jedoch keine Hinweise auf gefährliche übertragbare Krankheiten in Idomeni gebe. Minister Herrmann Gröhe (CDU) habe den Griechenlandbeauftragten seines Ressorts gebeten, mit den griechischen Behörden zu prüfen, inwieweit weiter unterstützt werden könne. Darüber hinaus unterstütze das Ministerium die Hilfsorganisationen, um Arzneimittellieferungen nach Griechenland zu vereinfachen. Auch das Deutsche Rote Kreuz sei im Einsatz.

Grenze: Flüchtlingslager Idomeni versinkt im Schlamm FOTO: dpa, bip ase

Mit 150 Mitarbeitern vor Ort

"Ärzte ohne Grenzen" ist seit Monaten in Idomeni präsent, derzeit mit rund 150 Mitarbeitern. Nun erhebt Florian Westphal schwere Vorwürfe: "Griechenland ist heillos überfordert und wird im Stich gelassen. Die anderen EU-Mitgliedstaaten inklusive der deutschen Bundesregierung haben bisher viel zu wenig getan, um die griechischen Behörden konkret und vor Ort bei der Flüchtlingshilfe zu unterstützen."

(jd/may-)
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