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Bürgerkrieg in Syrien
Assad will mit Opposition den IS bekämpfen

Terrormiliz IS sprengt Gefängnis des Assad-Regimes
Terrormiliz IS sprengt Gefängnis des Assad-Regimes FOTO: ap
Washington/Beirut. Russland und die Regierung in Damaskus haben sich für ein ungewöhnliches Bündnis gegen die Terrormiliz Islamischer Staat stark gemacht. Assad warb in einem Interview im russischen Staatsfernsehen für eine Koalition aus Regierungstruppen und Opposition, um die Terroristen aus dem Land zu vertreiben.

Russland stützt Syrien und wirbt für ein Bündnis gegen den IS. Plötzlich stößt Präsident Assad ins gleiche Horn und wendet sich sogar an seine Gegner. Die USA rätseln, was dahinter steckt.

Mit verstärkter russischer Hilfe im Rücken ergreift Syriens Präsident Baschar al-Assad die Initiative: Er schlägt seinen Gegnern ein Bündnis gegen die Terrormiliz Islamischer Staat vor - auch jenen Rebellen, die ihn seit 2011 im Bürgerkrieg bekämpfen. Die USA sind jedoch weiter gegen eine Stärkung Assads und versuchen, Russland davon abzubringen. Außenminister John Kerry telefonierte am Dienstag zum dritten Mal binnen weniger Tage mit seinem russischen Kollegen Sergej Lawrow.

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Es sei darum gegangen, Klarheit über das russische Vorgehen im Syrien-Konflikt zu gewinnen, teilte Ministeriumssprecher John Kirby mit. Kerry habe klargemacht, "dass Russlands fortgesetzte Unterstützung für Präsident Assad riskiert, den Konflikt zu verschlimmern und zu verlängern". Die russische Hilfe untergrabe das gemeinsame Ziel, den Extremismus zu bekämpfen und sich auf politischen Wandel als Teil der Lösung des Konflikts zu konzentrieren.

Der russische Präsident Wladimir Putin hatte jüngst mit zwei Vorstößen Aufsehen erregt: Zum einen warb er für ein breiter angelegtes Bündnis gegen die IS-Terrormiliz - ein Vorstoß, den er in den nächsten Tagen bei der UN-Vollversammlung voranbringen will. Zum anderen liefert Russland verstärkt Militärhilfe an Assad, der wegen des Vormarschs des IS und anderer Gruppen militärisch unter Druck ist.

FOTO: dpa, RP

Assad lobte Russland in einem am Dienstag veröffentlichten Interview russischer Medien als unparteiischen Vermittler und erklärte seinerseits den Kampf gegen den Terrorismus in Syrien zur Priorität. Seinen Gegnern sagte er: "Wir, die politischen Parteien, die Regierung und die bewaffneten Gruppen, die gegen die Regierung gekämpft haben, wir müssen uns alle zusammenschließen, um den Terrorismus zu bekämpfen."

Allerdings hält auch die syrische Opposition eine Zusammenarbeit mit Assad nach vier Jahren Bürgerkrieg, 250 000 Toten und rund zwölf Millionen Entwurzelten und Geflohenen für unmöglich. Auch die USA halten offiziell daran fest, eine Lösung ohne Assad zu finden.

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Die Vereinigten Staaten begrüßten eine konstruktive Rolle Russlands, sagte Außenamtssprecher Kirby. Washington fühle sich zudem der existierenden Militärkoalition im Kampf gegen den IS verpflichtet.
Assad könne jedoch kein glaubwürdiges Mitglied dieser Gruppe sein.

Putin hatte dagegen kurz zuvor in Tadschikistan gesagt, ohne Zusammenarbeit mit der Regierung in Damaskus sei ein Sieg über den IS unmöglich. Er verteidigte die russische Militärhilfe und forderte auch andere Länder auf, Assad zu unterstützen.

US-Regierungssprecher Josh Earnest stellte für die kommenden Tage ein Telefonat von Präsident Barack Obama mit Putin in Aussicht. Auch ein Treffen der beiden Staatschefs am Rande der UN-Vollversammlung schloss er nicht aus. Earnest beklagte aber, die Motivation hinter Putins Vorgehen sei schwer zu erkennen.

Frankreich bekräftigte die Ankündigung, im US-geführten Bündnis gegen den IS bald auch in Syrien Luftangriffe zu fliegen. Sobald exakte Ziele identifiziert seien, gehe es los, sagte Verteidigungsminister Jean-Yves Le Drian im Sender France-Inter. Er begründete dies damit, dass der IS in Syrien in den vergangenen Monaten stärker geworden sei und dort auch Kämpfer für Anschläge in Europa ausbilde.

(ap)
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