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Angst vor sinkendem Niveau: Bayern gegen bundesweites Zentralabitur

zuletzt aktualisiert: 10.08.2007 - 06:09

Berlin (RPO). In der Diskussion um ein bundesweites Zentralabitur regt sich immer mehr Widerstand gegen den Vorschlag des baden-württembergischen Ministerpräsidenten Günther Oettinger. Bayern lehnt die Pläne ab, fürchtet, sein Abitur-Niveau senken zu müssen. Andere Bundesländer weisen darauf hin, es gebe gravierende organisatorische Probleme.

Die Bundesländer stehen einem deutschlandweiten Zentralabitur uneinheitlich gegenüber. Sachsen-Anhalts Kultusminister Jan-Hendrik Olbertz (parteilos) wies am Freitag auf gravierende praktische Probleme hin. Berlin und Brandenburg nannten ein deutschlandweites Zentralabitur diskussionswürdig. Bayerns Kultusminister Siegfried Schneider (CSU) lehnte eine Senkung der Anforderungen in seinem Bundesland ab. Auch in der SPD-Bundestagsfraktion gab es unterschiedliche Meinungen. Bildungsexperten reagierten ablehnend.

Olbertz gab zu bedenken, dass die schriftlichen Prüfungen in allen Bundesländern am selben Tag abgehalten werden müssten. Dennoch begrüßte er die Debatte, weil sie im Trend der Arbeit der Kultusministerkonferenz liege, sich auf immer mehr gemeinsame Bildungsstandards zu verständigen. Es dürfe sich jedoch nicht um eine Vorgabe des Bundes handeln, vielmehr müssten sich die Länder darauf verständigen. So wären gemeinsame Prüfungen mindestens in den "Kernfächern" möglich.

Der Vorsitzende der Kultusministerkonferenz, Berlins Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD), verwies auf organisatorische Schwierigkeiten, etwa durch die unterschiedlichen Ferienzeiten. Er kündigte an, das Thema Bildungsstandards auf die Tagesordnung des Treffens der Kultusminister am 17. und 18. Oktober in Bonn zu setzen.

"In diesem Zusammenhang werden wir auch das zentrale, deutschlandweite Abitur erörtern", erklärte der Bildungssenator. Um bundesweit einheitliche Schulstandards zu setzen, könne das Zentralabitur aber weder der alleinige, noch der entscheidende Ansatzpunkt sein.

Der Staatssekretär im brandenburgischen Bildungsministerium, Burkhard Jungkamp, sagte: "Ein Zentralabitur auf Bundesebene, das ich mir als Fernziel unter bestimmten Voraussetzungen durchaus vorstellen kann, sollte in der Kultusministerkonferenz erörtert werden."

Derzeit liefen die Planungen für ein gemeinsames Abitur in seinem Bundesland und Berlin. "Unser Ziel ist es, ab 2010 in den Fächern Mathematik, Deutsch, Englisch und Französisch ein gemeinsames Zentralabitur mit Berlin durchzuführen", sagte Jungkamp.

Bayerisches Abitur als Vorlage?

Schneider sagte, das bayerische Abitur könne durchaus eine Vorlage sein. "Man muss sich an denen orientieren, die vorne liegen und nicht an den Letzten", sagte Schneider. "Ziel muss es sein, dass wir im internationalen Vergleich besser abschneiden."

Die Abiturprüfungen in den Fächern Mathematik und Deutsch sollten bundesweit in ihrem Anspruch vergleichbar sein. Damit wäre auch für die Universitäten eine bessere Vergleichbarkeit gewährleistet. Allerdings gehe zunächst darum, einheitliche Bildungsstandards zu schaffen, aus denen man vergleichbare Aufgaben ableiten könne. Beim mittleren Schulabschluss, dem Ende der Grundschulzeit und dem Hauptschulabschluss hätten sich die Länder ja bereits auf ein gemeinsames Niveau geeinigt.

Die stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, Nicolette Kressl, zeigte sich offen für ein Zentralabitur. Allerdings seien dafür die Länder zuständig. "Sollte es gelingen, dass sie einen gemeinsamen Weg finden, habe ich kein Problem damit", sagte sie.

Ablehnend äußerte sich der bildungspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Jörg Tauss. Das gegenwärtige Schulsystem sei so uneinheitlich, dass man mit einem Zentralabitur auch nicht weiterkomme. "Wesentlich zielführender wäre es, zu einheitlichen Bildungsstandards zu kommen", sagte er.

Große Unterschiede bei Leistungen von Schülern

Der Essener Bildungswissenschaftler Klaus Klemm sagte, die Bundesländer hätten es bislang nicht geschafft, trotz gemeinsamer Bildungsstandards Lehrpläne und Lernziele zu vereinheitlichen. Das werde jetzt auf dem Rücken der Kinder ausgetragen. Alle PISA-Untersuchungen hätten gezeigt, dass es trotz Zentralabitur in einzelnen Ländern große Unterschiede bei der Leistungsfähigkeit von Gymnasiasten gebe.

Der Bielefelder Wissenschaftler Klaus-Jürgen Tillmann kritisierte: "Was hat man davon, bundesweit im Deutschunterricht nur noch zwei Autoren zu bearbeiten? Das ist eine totale Selektion von Inhalten." Seit PISA gehe es vor allem um die perfekte Prüfung, aber nicht um die Frage, wie man Lernmöglichkeiten von Kindern verbessere.

Die "Frankfurter Rundschau" schrieb, der baden-württembergische Kultusminister Helmut Rau habe vom Vorschlag seines Ministerpräsidenten Günther Oettinger (beide CDU) für ein bundesweites Zentralabitur erst aus der Zeitung erfahren.

Quelle: afp

 
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