Usbekistan: Behörden erobern Kontrolle über Grenzstadt zurück
zuletzt aktualisiert: 19.05.2005 - 13:53Kara-Suu (rpo). Die usbekischen Behörden haben den Aufstand im Osten des Landes niedergeschlagen. Nach vier Tagen haben sie wieder die Kontrolle über die Grenzstadt Kara-Suu. Polizisten und Grenzbeamte sind am Donnerstag erstmals wieder in die zwischen Usbekistan und Kirgisien geteilte Stadt gekommen.
Die Soldaten seien in der Nacht in die Stadt zurückgekehrt und hätten die Anführer eines Protestes festgenommen, bei dem eine Polizeiwache und ein Zollgebäude in Flammen aufgegangen waren, berichteten Einwohner. Die Demonstranten hatten die Vertreter der staatlichen Behörden am Sonntag in die Flucht geschlagen.
Bei den Festgenommenen soll es sich Medienberichten zufolge unter anderem um den Chef radikaler Islamisten in Kara-Suu sowie seinen Stellvertreter handeln. Bewohner der Stadt wiesen diese Vorwürfe zurück. Es seien vielmehr Männer, die am Wochenende den Wiederaufbau der zerstörten Brücke in der geteilten Stadt initiiert hätten. Tausende Menschen hatten nach den Unruhen in Andischan versucht, über die abgeriegelten Grenzen nach Kirgisien zu fliehen.
In der rund 50 Kilometer von Kara-Suu entfernten Stadt hatten Sicherheitskräfte am Freitag nach Angaben von Augenzeugen und Menschenrechtsorganisationen auf unbewaffnete Demonstranten geschossen. Nach Angaben der größten Oppositionspartei des Landes starben dabei mindestens 745 Menschen. Die Regierung spricht dagegen von 169 Toten und bestreitet, auf Demonstranten geschossen zu haben. Es sei ein Angriff Aufständischer erwidert worden.
Die internationale Gemeinschaft fordert von Präsident Islam Karimow eine Aufklärung der Vorfälle in der ostusbekischen Stadt. Menschenrechtsorganisationen machten vor allem die USA und Großbritannien mitverantwortlich, weil sie Karimow unterstützt hätten. Der Präsident, der die ehemalige Sowjetrepublik seit Ende 1991 mit harter Hand regiert, gilt als wichtiger Verbündeter der USA in deren Anti-Terror-Kampf.
Der usbekische Staatschef wird in der kommenden Woche nach China reisen. Auf Einladung von Präsident Hu Jintao besuche er vom 25. bis 27. Mai das Land, teilte das Außenministerium in Peking am Donnerstag mit. China hatte sich bereits am Dienstag hinter den usbekischen Präsidenten gestellt. "Wir werden Usbekistan und andere Länder in der Region weiterhin bei ihren Bemühungen für Frieden und Stabilität unterstützen."
Der afghanische Außenminister Abdullah Abdullah machte am Donnerstag in seinem Land ausgebildete Extremisten für die Unruhen im benachbarten Usbekistan verantwortlich. Die unter der ehemaligen Taliban-Regierung ausgebildeten Kämpfer seien in verschiedene Teile Zentralasiens geschickt worden, vor allem nach Usbekistan, sagte Abdullah am Rande eines Besuches in Tokio.
Vor der russischen Botschaft in Taschkent demonstrierte eine Handvoll Menschen. Sie prangerten die Berichterstattung des staatlichen russischen Fernsehens über die Unruhen in Andischan an, die sie als "Desinformation" bezeichneten.
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