Ausbildung in Koranschule: Behörden über deutsche Islamisten im Jemen besorgt
zuletzt aktualisiert: 09.01.2010 - 19:51Frankfurt (RPO). Bis zu 30 deutsche Islamisten befinden sich offenbar in einem jemenitischen Ausbildungslager. Die Sicherheitsbehörden beobachten die Situation in dem Land mit Sorge. Außenminister Westerwelle unterstrich derweil die Notwendigkeit, die Lage im Jemen zu stabilisieren.
Deutsche Sicherheitsbehörden sind einem Medienbericht zufolge besorgt über die Ausbildung von Islamisten aus Deutschland in einer radikalen Koranschule im Jemen. Derzeit hielten sich in der Koranschule Daru-l-Hadith in dem Ort Dammaj im Nordwesten des Jemen zehn Islamisten aus Deutschland auf, darunter sechs Konvertiten, berichtete die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" unter Berufung auf Angaben aus deutschen Sicherheitskreisen. "Wir sehen den Aufenthalt von Islamisten aus Deutschland im Jemen mit Sorge", zitierte die Zeitung weiter Quellen aus dem Kanzleramt.
Insgesamt sollen dem Bericht zufolge 20 bis 30 Islamisten aus Deutschland in dem Zentrum gewesen sein, in dem ein radikaler und militanter Islam gelehrt werde. Nach Meinung von Verfassungsschützern sei die Daru-l-Hadith "eine der wichtigsten Ausbildungsstätten für den Dschihad", hieß es. Sie wende sich vor allem an Konvertiten. Studenten und Sympathisanten der Schule bestreiten laut "FAS" allerdings solche Vorwürfe. Auch hätten sie in Stellungnahmen die Anschläge des Terrornetzwerks El Kaida verurteilt.
Auf einer deutschsprachigen Website, die für die Schule im Jemen wirbt, wird jedoch dem Bericht zufolge gegen Juden und Christen gehetzt. Gegen den im Jemen lebenden Betreiber der Website, einen deutschen Konvertiten aus dem Raum Freiburg, laufe seit 2008 ein Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft München, unter anderem wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung und Volksverhetzung, hieß es in der "FAS" weiter.
Zu den Beschuldigten gehören demnach auch ein zweiter Mann aus dem Raum Freiburg, der ebenfalls im Jemen lebt, sowie der im bayerischen Weilheim lebende Konvertit Alexander F., der mehrere Jahre im Jemen verbracht habe. Zudem werde gegen einen Türken aus Stuttgart ermittelt.
Westerwelle für Stabilisierung
Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) hat die Notwendigkeit einer Stabilisierung der Lage im Jemen bekräftigt. "Wir haben ein großes Interesse an einem stabilen Jemen", sagte Westerwelle am Samstag bei seinem Besuch in Saudi-Arabien. Nach Angaben aus Teilnehmerkreisen sprach Westerwelle dabei auch die Lage der Menschenrechte in Saudi-Arabien "deutlich" an.
"Wir unterstützen alle internationalen Bemühungen um eine Stabilisierung des Landes", sagte Westerwelle mit Blick auf den Jemen. Die jemenitischen Behörden müssten in die Lage versetzt werden, dass sie selbst "für Sicherheit sorgen können". Die Bundesregierung sei "offen, das Thema auch in London auf der Afghanistan-Konferenz zu besprechen", sagte Westerwelle.
Angriffe gegen Rebellen
Jemenitische Soldaten haben neue Angriffe auf mutmaßliche Stellungen schiitischer Rebellen im Norden des Landes verübt. Dabei wurden nach Behördenangaben vom Samstag Dutzende Aufständische getötet. Zugleich führten Anti-Terror-Einheiten außerhalb der Hauptstadt Sanaa eine Übung durch. Dabei wurden ein simulierter Al Qaida-Stützpunkt angegriffen und eine Aktion zur Befreiung von Geiseln geprobt. Der Jemen ist ins Visier der Weltöffentlichkeit gerückt, weil der verhinderte Flugzeugattentäter von Detroit dort nach einschlägigen Erkenntnissen ausgebildet wurde.
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