Bekenner-Video veröffentlicht: Beirut: Explosion tötet Ex-Premier Hariri
zuletzt aktualisiert: 14.02.2005 - 18:41Beirut (rpo). Der frühere libanesische Ministerpräsident Rafik Hariri ist in Beirut bei einem der schwersten Bombenanschläge seit Ende des Bürgerkriegs vor 15 Jahren getötet worden. Dies bestätigten Tourismusminister Farid Chasen und die amtliche Nachrichtenagentur des Landes. Neun weitere Menschen wurden getötet, die Zahl der Verletzten liege bei 100. Unter den Toten sollen auch mehrere Leibwächter Hariris sein. Derweil tauchte ein Bekenner-Video auf.
Eine bislang unbekannte islamische Gruppe hat sich zu dem Attentat auf den früheren libanesischen Ministerpräsidenten Rafik Hariri bekannt. In einem am Montagabend vom Fernsehsender Al Dschasira ausgestrahlten Video erklärte ein Mann im Namen einer Gruppe namens Beistand und Dschihad in Syrien und in Libanon: "Wir haben eine widerhallende Märtyreraktion ausgeführt." Hariri bezeichnete er als einen Tyrannen. Der Mann, der einen weißen Turban und eine schwarze Robe trug, kündigte weitere Anschläge gegen "Ungläubige, Abtrünnige und Tyrannen" an.
Die Detonation ereignete sich gegen Mittag in einem Geschäftsviertel an der Uferpromenade Beiruts, an der sich auch mehrere beliebte Hotels befinden. Augenzeugen zufolge handelte es sich um einen gezielten Anschlag auf Hariri, dessen Fahrzeugkolonne die Stelle kurz vor der Explosion passierte. Der frühere, langjährige Regierungschef starb noch auf dem Weg ins Krankenhaus. Wer hinter der Tat steckt, war zunächst unbekannt.
Die Fassade des Hotels St. George sowie weiterer Hotels und einer britischen Bank wurden stark beschädigt. Mindestens 20 Autos standen in Flammen. Fernsehsender zeigten Bilder von brennenden Autos und zahlreichen Gebäuden mit beschädigten Fassaden. Schwarzer Rauch stieg über der Innenstadt auf.
Die Detonation war so gewaltig, dass sie selbst noch auf den Hügeln im Osten der Stadt zu hören war. Am Ort des Anschlags brachten Passanten und Sanitäter die Verletzten auf provisorischen Tragen zu Privatwagen und mit diesen in Krankenhäuser. Viele Menschen erlitten schwerste Brandwunden. Schwer bewaffnete Sicherheitskräfte riegelten das Areal ab.
Anschläge sind in Beirut nach dem Bürgerkrieg von 1975 bis 1990 selten geworden. Allerdings haben die Spannungen zwischen Regierung und Opposition in den vergangenen Monaten zugenommen. Zuletzt waren bei einem Autobombenanschlag im Oktober ein Oppositionspolitiker verletzt und sein Leibwächter getötet worden.
Hariri hat es als Geschäftsmann zu einem Milliardenvermögen gebracht. Nach dem Bürgerkrieg regierte er den Libanon mit Unterbrechungen zehn Jahre lang. Im Oktober trat er zurück. Seit Jahren war er ein Gegenspieler des pro-syrischen Staatspräsidenten Emile Lahud.
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