Staatsbegräbnis: Beisetzungsfeiern für polnisches Präsidentenpaar begonnen
zuletzt aktualisiert: 18.04.2010 - 13:19Krakau/Warschau (RPO). In Krakau haben am Sonntagvormittag die Beisetzungsfeierlichkeiten für das polnische Präsidentenpaar begonnen. Die Särge der bei einem Flugzeugunglück getöteten Lech und Maria Kaczynski wurden gegen 11 Uhr in der Marienkirche aufgebahrt, wo am Nachmittag die Trauermesse stattfindet.
Tausende Menschen säumten die Straßen der südpolnischen Stadt, um dem Präsidentenpaar während des Trauerzugs vom Flughafen zu der Kirche am Marktplatz die letzte Ehre zu erweisen.
Der Primas der katholischen Kirche Polens, Erzbischof Henryk Muszynski, rief am Samstagabend bei einem Trauergottesdienst für das Präsidentenpaar in der Warschauer Johanneskathedrale dazu auf, angesichts des tragischen Flugzeugunglücks in Westrussland die "einmalige Chance" zur polnisch-russischen Aussöhnung zu nutzen.
Dank für Russlands Mitgefühl
Er verwies auf das "aufrichtige Mitgefühl und die menschliche Solidarität", die Russland nach dem Absturz gezeigt habe. Zugleich sei es eine positive Folge der Katastrophe, dass heute in der ganzen Welt über das Kriegsmassaker von Katyn an Tausenden polnischen Soldaten und Intellektuellen gesprochen werde.
Kaczynski war mit einer hochrangigen Delegation auf dem Weg nach Katyn, um der Opfer der dortigen sowjetischen Massenerschießungen vor 70 Jahren zu gedenken, als das Flugzeug abstürzte. Das jahrzehntelang von Moskau geleugnete Verbrechen belastet die Beziehungen zwischen Polen und Russland bis heute. Bei einem Landeversuch im westrussischen Smolensk waren vor einer Woche alle 96 Insassen des Flugzeugs ums Leben gekommen.
Das Präsidentenpaar soll am frühen Abend in der Krypta der Kathedrale auf dem Schlosshügel Wawel beigesetzt werden. Der Bestattungsort ist in Polen umstritten, weil dort bislang Könige und Nationalhelden, aber keine Präsidenten ruhen. Die Kritik wurde jedoch geringer, weil über dem Sarkophag für das Präsidentenpaar künftig eine Gedenktafel mit den Namen aller 96 Opfer angebracht werden soll.
Köhler kommt, Merkel sagt ab
Einige der ausländischen Staatsgäste sagten die Teilnahme an den Feierlichkeiten in Krakau wegen der Behinderungen im Flugverkehr kurzfristig ab. So werden Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), US-Präsident Barack Obama und Frankreichs Staatschef Nicolas Sarkozy nicht an der Beisetzung teilnehmen. Auch EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso, der türkische Präsident Abdullah Gül und Österreichs Staatschef Heinz Fischer gaben bekannt, dass sie den Weg nach Krakau nicht antreten können.
Merkel habe ihre Entscheidung dem polnischen Außenminister Radoslaw Sikorski "mit dem Ausdruck größten Bedauerns" mitgeteilt, teilte die stellvertretende Regierungssprecherin Sabine Heimbach am Samstagabend in Berlin mit. Sikorski habe "vollstes Verständnis" für die Absage der Bundeskanzlerin geäußert.
Trotz der Absage der Bundeskanzlerin wird Deutschland bei dem Begräbnis vertreten sein. Bundespräsident Horst Köhler, Außenminister Guido Westerwelle und die für Polen zuständige Staatssekretärin Cornelia Pieper (beide FDP) reisten am Morgen per Hubschrauber in Richtung Polen ab, wie Sprecher des Bundespräsidialamtes und des Auswärtigen Amts in Berlin mitteilten. Mit an Bord sei auch der frühere Außenminister, SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier.
Medwedew fliegt trotz Aschewolke
Auch der russische Präsident Dmitri Medwedew ist am Sonntag von Moskau aus Richtung Polen abgeflogen. Russische Nachrichtenagenturen meldeten den Abflug unter Berufung auf den Kreml, allerdings ohne Nennung von Einzelheiten. So war zunächst nicht bekannt, mit welcher Art von Maschine Medwedew abflog und ob er direkt in Krakau landen sollte.
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