| 17.29 Uhr

Anwalt über seinen Mandanten Abdeslam
"Er hat die Intelligenz eines leeren Aschenbechers"

Belgien liefert Terrorverdächtigen Salah Abdeslam an Frankreich aus
Abdeslam wird unter anderem eine Beteiligung an den Pariser Attentaten vom November mit 130 Todesopfern vorgeworfen. FOTO: dpa, bjw mda fdt tba
Brüssel. Salah Abdeslam ist von Belgien an Frankreich ausgeliefert worden. Damit kommen die Behörden einem europäischen Haftbefehl nach. Sein Anwalt findet für den Terrorverdächtigen keine netten Worte. 

Mehr als fünf Monate nach den Terroranschlägen von Paris ist der Hauptverdächtige Abdeslam in den Händen der französischen Justiz. Der 26-Jährige wurde am Mittwoch von Belgien an Frankreich ausgeliefert, wie die Pariser Staatsanwaltschaft mitteilte. Er werde in einem Gefängnis der Hauptstadtregion in Isolationshaft kommen, sagte Justizminister Jean-Jacques Urvoas.

Zuvor war noch eine Anhörung vor dem Untersuchungsrichter angesetzt, bei der das Ermittlungsverfahren gegen den Franzosen mit marokkanischen Wurzeln offiziell eingeleitet werden sollte. Abdeslam wird verdächtigt, an der Pariser Terrorwelle vom 13. November beteiligt gewesen zu sein, bei der sieben Selbstmordattentäter - darunter auch Abdeslams Bruder Brahim - 130 Menschen getötet hatten. Zu der Tat hatte sich die Terrormiliz "Islamischer Staat" bekannt.

Selbstmordattentat war wohl geplant

Abdeslams Rolle bei den Anschlägen ist umstritten. Laut der Pariser Staatsanwalt war er ebenfalls für ein Selbstmordattentat im Stade de France vorgesehen, führte dieses aber nicht aus. Auf diese Theorie deutet auch die Tatsache hin, dass ein Sprengstoffgürtel mit seinen Fingerabdrücken nach den Anschlägen südlich von Paris gefunden wurde. Er selbst soll in der Terrornacht Freunde in Brüssel angerufen haben, die ihn dann in Paris mit dem Auto abholten.

In Brüssel wurde Abdeslam festgenommen FOTO: ap

Bei dieser Fahrt wurde der Wagen an der Grenze gestoppt, die Polizei ließ die Gruppe aber weiterfahren. Vier Monate lang war Abdeslam danach auf der Flucht. Am 15. März entkam er nach einem Feuergefecht mit der Polizei noch einmal. Drei Tage später wurde er schließlich in Brüssel gefasst und inhaftiert, nur vier Tage, bevor drei Selbstmordattentäter dort 32 Menschen in den Tod rissen.

Verbindungen zu den Attentätern von Brüssel

Abdeslam lebte wie viele der Pariser Attentäter im Brüssler Problemviertel Molenbeek und war nach Darstellung der Behörden seit seiner Kindheit mit dem später getöteten mutmaßlichen Drahtzieher der Anschläge, Abdelhamid Abaaoud, befreundet.

Anwalt Frank Berton vertritt Abdeslam FOTO: afp

Die Behörden gehen davon aus, dass die gleiche Terrorzelle für die Anschläge in Paris und Brüssel verantwortlich war. In Belgien war Abdeslam auch wegen möglicher Verbindungen zu den Brüsseler Attentätern verhört worden. Zudem wurde gegen ihn wegen Mordversuchs ermittelt, weil er wenige Tage vor seiner Festnahme in die Schießerei mit der Polizei verwickelt gewesen sein soll.

"Kleines Arschloch unter Kleinkriminellen"

Welchen Platz Abdeslam in der Hierarchie dieser Zelle einnahm, ist nicht klar. Sein belgischer Anwalt Sven Mary sagte in einem am Mittwoch veröffentlichten Artikel der Zeitung "Libération", Abdeslam sei nur ein "kleines Arschloch unter Molenbeeks Kleinkriminellen, eher ein Mitläufer als ein Anführer. Er hat die Intelligenz eines leeren Aschenbechers, er ist von einer abgrundtiefen Leere."

Der französische Anwalt Frank Berton sagte dem Sender iTele, er werde Abdeslam verteidigen. Trotz der ihm angelasteten Taten habe er ein Recht auf eine faire Verhandlung. "Wir leben in einer Demokratie ...
wir leben nicht in einem totalitären Staat."

(ap/jeku)
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