Dialog der Religionen: Benedikt XVI: "Ich will alle Christen einen"
zuletzt aktualisiert: 20.04.2005 - 15:37Rom (rpo). Papst Benedikt XVI. hat sich in aller Deutlichkeit zur Einheit des Christentums und zum Dialog der Religionen bekannt. Er wolle wie sein Vorgänger "ohne Unterlass für die Wiederherstellung der vollen und sichtbaren Einheit aller Christen arbeiten", sagte der ehemalige Kardinal Ratzinger während seiner ersten Messe in Rom.
Er spüre "ein Gefühl der Unzulänglichkeit und der inneren Aufruhr" angesichts der großen Verantwortung, sagte der 78-jährige Pontifex maximus. Er bat das anwesende Kardinalskollegium, ihn "mit Gebeten und mit aktiver und kenntnisreicher Zusammenarbeit" zu unterstützen. Zugleich bekannte er, seine Wahl zum Papst habe ihn überrascht. In bewegenden Worten sprach Benedikt XVI. über seinen verstorbenen Mentor und Vertrauten Johannes Paul II.: "Ich spüre, dass ich seine lachenden Augen sehen kann und seine Stimme höre, die zu mir spricht: 'Hab keine Angst.'" Johannes Paul II. habe die katholische Kirche "mutiger, freier und jünger" gemacht. Dem fühle er sich verpflichtet. Benedikt XVI. bestätigte, dass er im August zum Weltjugendtag nach Köln reisen werde.
Seiner Ankündigung des Dialogs mit anderen Religionen wolle er konkrete Taten folgen lassen, sagte Benedikt XVI.: "Eine Demonstration guter Absichten reicht nicht aus. Wir brauchen Gesten, die die Seele berühren und das Bewusstsein bewegen, mit denen wir einander zu jener inneren Umkehr rufen, die die Grundlage für jeden Fortschritt auf dem Pfad der Ökumene ist."
Benedikt XVI. deutete an, die kirchliche Macht stärker verteilen zu wollen, indem er die "Kollegialität" und die Zusamenarbeit mit den Bischöfen der Ortskirche weiterentwickeln wolle. Der neue Papst bekannte sich ausdrücklich zum Zweiten Vatikanischen Konzil, mit dem die Kirche in den sechziger Jahren eine vorsichtige innere Modernisierung und eine Öffnung zur Welt einleitete.
Nach der Messe brach Benedikt XVI. die Siegel auf, mit denen die päpstliche Wohnung im Apostolischen Palast nach dem Tod von Johannes Paul II. verschlossen worden war. Sie soll noch renoviert werden. Zum Gottesdienst zur feierlichen Amtseinführung von Benedikt XVI. am Sonntag auf dem Petersplatz werden bis zu 500.000 Gläubige erwartet. Deutschland wird von Bundespräsident Horst Köhler vertreten werden.
Nach Überzeugung des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann, wird bald eine "eigene Handschrift" des neuen Papstes erkennbar werden. Am Dienstagabend hatte Lehmann die Wahl des konservativen Kirchenmannes ausdrücklich verteidigt: "Wir haben immer ein sehr gutes Bild von Ratzinger gehabt." Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche, Wolfgang Huber, äußerte die Hoffung, dass Benedikt XVI. die Ökumene vorantreiben werde. Nachdem Papst Johannes Paul II. auf die evangelische Kirche zugegangen sei, komme es für die katholische Kirche jetzt darauf an, auf diesem Weg weiterzugehen, sagte er im RBB.
Die Union im Bundestag wertete die Wahl des neuen Papstes als Anerkennung für die Kirche in Deutschland. Die Kirchen-Expertin der Grünen, Christa Nickels, erklärte dagegen, Ratzinger sei ein "herausragender Theologe", doch mit dem früheren Kardinal verbänden sich auch "viele Brüskierungen nicht nur der Reformkatholiken und Laien". In einer vom WDR veröffentlichten Meinungsumfrage begrüßte eine deutliche Mehrheit der Deutschen die Wahl des neuen Papstes. Schwulen- und Aidshilfe-Verbände äußerten sich dagegen skeptisch.
Weltweit wurde die Wahl des Deutschen von Staats- und Regierungschefs sowie von Katholiken weitgehend positiv aufgenommen. US-Präsident George W. Bush pries Ratzinger als gebildeten Mann von "großer Weisheit". Israels Außenminister Silvan Schalom betonte, der neue Papst solle wie sein Vorgänger gegen den Antisemitismus kämpfen. In Afrika mischten sich unter die positiven Stimmen katholischer Kirchenführer skeptische Außerungen von Aids-Aktivisten.
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