Simbabwe: Beobachter rechnen mit dem Schlimmsten
zuletzt aktualisiert: 01.04.2008 - 13:13Harare (RPO). In der Hauptstadt von Simbabwe herrscht drei Tage nach den Wahlen gespannte Ruhe. Ein offizielles Wahlergebnis gibt es immer noch nicht. Die Opposition erklärte sich zum Wahlsieger, Präsident Robert Mugabe will nicht weichen. Eine Eruption der Gewalt liegt in der Luft. Beobachter rechnen mit dem Schlimmsten.
Auch drei Tage nach den Präsidentschafts- und Parlamentswahlen in Simbabwe lassen die Wahlbehörden mit dem offiziellen Ergebnis auf sich warten. Informationen über die Ergebnisse der einzelnen Wahllokale werden nach wie vor nur tröpfchenweise mitgeteilt.
In der Hauptstadt Harare herrschte am Dienstagmittag weiter angespannte Ruhe. "Wir rechnen aber mit dem Schlimmsten", sagten westliche Beobachter der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Wahrscheinlich noch im Verlauf des Tages werde die Wahlbehörde ein mutmaßlich zu Gunsten von Amtsinhaber Robert Mugabe gefälschtes Ergebnis mitteilen. "Und dann ist hier der Aufstand", so die Quellen, die anonym bleiben wollten. Die Stadt sei schon jetzt voller Gerüchte.
Die wenigen westlichen Wahlbeobachter sehen den Herausforderer Morgan Tsvangirai bei Stichproben aus den Wahlbezirken Harares mit rund 60 Prozent klar vorn. Staatspräsident Mugabe, der seit 1980 autokratisch regiert, kam demnach dort nur auf etwa 20 Prozent.
Unterdessen dementierte die simbabwische Regierung Gerüchte, dass sich Mugabe nach Malaysia abgesetzt habe. Der Präsident habe nach wie vor die volle Kontrolle. Simbabwische Beobachter erklärten, Mugabe habe sich nach jeder Wahl zunächst ins Ausland begeben, um von außen Anordnungen zu geben. Dies dürfe man keineswegs als Rückzug werten.
Einem weiteren Gerücht zufolge berät die simbabwische Führung bereits mit anderen afrikanischen Regierung über eine Exit-Strategie. Dabei gehe es unter anderem darum, Straffreiheit für Menschenrechtsverletzungen zu erreichen, die Umgebung von Mugabe zur Last gelegt werden.
Dramatischer wirtschaftlicher Niedergang
Die größte Oppositionsbewegung, die Bewegung für den demokratischen Wandel (MDC), beansprucht den Sieg für sich. Allerdings wird allgemein bezweifelt, dass Mugabe eine Niederlage akzeptieren würde. Der 84-Jährige wird für den wirtschaftlichen Niedergang des einst blühenden südafrikanischen Landes verantwortlich gemacht. Die Inflationsrate Simbabwes lag zuletzt bei rund 150.000 Prozent; große Teile der Bevölkerung leiden unter dramatischen Versorgungsengpässen.
Schon am Wochenende hatten afrikanische Beobachter moniert, dass sie etwa auf den Listen in einem nördlichen Bezirk der Hauptstadt Tausende "Phantom-Wähler" gefunden hätten; mit deren Stimmen sollte offenbar das Ergebnis zugunsten Mugabes und seiner Partei ZANU-PF manipuliert werden.
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