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Regierungskonsultation
Deutschland und Polen wollen Zusammenarbeit stärker ausbauen

Berlin und Warschau: Deutsch-Polnischen Versöhnung
Berlin und Warschau: Deutsch-Polnischen Versöhnung FOTO: dpa, ukit jak
Warschau. Dass Polen und Deutsche trotz des Zweiten Weltkriegs wieder zueinander finden konnten, hat viel mit der Aussöhnung eines Auschwitz-Häftlings zu tun. Nach seinem Tod wollen die Regierungen beider Länder in seinem Sinne weiterarbeiten: in Freundschaft.

Die Regierungen Deutschlands und Polens sehen in dem Lebenswerk des Auschwitz-Häftlings und Aussöhners Wladyslaw Bartoszewski ein Vermächtnis für die Beziehungen beider Länder. Bei Konsultationen am Montag in Warschau würdigten die Regierungen von Angela Merkel und Ewa Kopacz die Bemühungen des ehemaligen Außenministers um die deutsch-polnische Freundschaft. Bartoszewski war am Freitag im Alter von 93 Jahren gestorben.

Später offenbarten die beiden Regierungschefinnen Differenzen in der europäischen Flüchtlingspolitik. Kopacz sagte: "Jedes Land wird Flüchtlinge aufnehmen, aber im Rahmen der Möglichkeiten." Merkel betonte: "Bis zur Verständigung ist es noch ein weiter Weg." Einig zeigten sich beide im Ukraine-Konflikt mit Russland. Derzeit gebe es keinen Anlass, die Sanktionen gegen Russland abzumildern, erklärte Kopacz. Merkel sagte: "Wir wollen dazu beitragen, dass die Ukraine zu mehr Wohlstand gelangt und eine Stabilisierung erreicht werden kann."

Über Bartoszewski sagte die Kanzlerin: "Sein Lebenswerk soll uns Ansporn für alles sein, was wir in Zukunft tun." Er habe es vermocht, aus dem dunkelsten Kapitel der Geschichte beider Völker Freundschaft entstehen zu lassen. Er sei aufrichtig und stets daraus ausgerichtet gewesen, Probleme zu meistern. Kopacz verlas die Rede, an der Bartoszewski noch kurz vor seinem Tod geschrieben hatte. Darin mahnte er angesichts des 70. Jahrestag des Kriegsendes: "Wenn wir über die Zukunft nachdenken, können wir die Vergangenheit nicht vergessen."

Auch Altkanzler Helmut Kohl (CDU) würdigte Bartoszewski als überzeugten und weitsichtigen Vertreter der deutsch-polnischen Beziehungen. "Bartoszewski starb, wie er gelebt hat: im Kampf für Freiheit und Gerechtigkeit, gegen das Vergessen, für das Erinnern, ohne Verbitterung, im Zeichen der lebenslangen notwendigen Versöhnung", schrieb Kohl in einem Beitrag für die "Bild"-Zeitung (Montag).

In Warschau hob Kanzlerin Merkel das deutsch-polnische Jugendwerk hervor und verwies auf ein gemeinsames Geschichtsbuch. Vizekanzler Sigmar Gabriel (SPD) sprach von einer starken wirtschaftlichen Partnerschaft. 2014 sei das bilaterale Handelsvolumen um mehr als elf Prozent gewachsen. Es seien Waren im Wert von rund 87 Milliarden Euro ausgetauscht worden, vor allem Fahrzeuge und Maschinen.

Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) teilte mit, dass eine Verbesserung der Wasserstraßen im deutsch-polnischen Grenzgebiet vereinbart worden sei: "Wir verbessern gemeinsam die Befahrbarkeit der Oder." Ferner würden der Hochwasserabfluss und die Verhältnisse für den Einsatz der deutsch-polnischen Eisbrecherflotte optimiert.

 

(dpa)
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