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Israel lässt mehr als 400 Palästinenser und Araber frei: Berlin vermittelt bei Gefangenenaustausch im Nahen Osten

zuletzt aktualisiert: 24.01.2004 - 19:34

Berlin (rpo). Israel und die libanesische Hisbollah-Miliz haben sich unter Vermittlung der Bundesregierung haben auf einen umfassenden Gefangenenaustausch geeinigt, wie am Samstagabend bekannt wurde.

Israel werde 400 Palästinenser, mehr als 30 Bürger anderer arabischer Staaten sowie einen Deutschen freilassen, erklärte der Geheimdienst-Koordinator bei der Bundesregierung, Ernst Uhrlau, am Samstagabend in Berlin. Die Schiitenmiliz habe sich im Gegenzug verpflichtet, den israelischen Geschäftsmann Elhanan Tenenbaum sowie drei israelische Soldaten zu übergeben. Die Soldaten sind nach Einschätzung der israelischen Regierung vermutlich bereits tot.

Der Austausch solle binnen einer Woche vollzogen werden, sagte Uhrlau weiter. Die Bundesregierung werde dabei "gegenüber beiden Seiten die Gewähr für die korrekte Umsetzung der Übereinkunft übernehmen". Nach Angaben aus Regierungskreisen in Berlin sollen die Gefangenen über Deutschland in ihre Heimatländer gebracht werden. Laut Bundesregierung ist unter den israelischen Gefangenen der Deutsche Steven Smyrek. Er war 1999 wegen der Vorbereitung eines Anschlags in Israel zu zehn Jahren Haft verurteilt worden.

Zu den 23 libanesischen Häftlingen zählen auch die Schiitenführer Abdel Karim Obeid und Mustafa Dirani. Daneben wird Israel fünf Syrer, drei Marokkaner, drei Sudanesen sowie einen Libyer auf freien Fuß setzen. Die 400 Palästinenser werden demnach in ihre Wohnorte in Gaza und im Westjordanland gebracht.

Die vier von der Übereinkunft betroffenen Israelis waren im Jahr 2000 von der libanesischen Hisbollah entführt worden. Die drei Soldaten verschwanden in der Nähe der von Israel besetzten Schebaa-Farmen im libanesischen Grenzgebiet zu Syrien. Die vierte Geisel, Tenenbaum, ist nach israelischer Darstellung Geschäftsmann. Die Hisbollah verdächtigte ihn hingegen, für den israelischen Geheimdienst zu arbeiten.

Wie Geheimdienst-Koordinator Uhrlau erklärte, war auch die iranische Regierung an der Einigung beteiligt. Gemäß der Übereinkunft wollen die Hisbollah und Israel auch das Schicksal von vier seit 1982 in Libanon verschollenen Iranern klären. Die Islamische Republik gilt als einer der Hauptfinanziers der Hisbollah-Miliz.

Beide Seiten wollen zudem den Verbleib des vermissten israelischen Piloten Ron Arad aufklären. Der Kampfpilot wurde im Oktober 1986 über Südlibanon abgeschossen und gilt seitdem als vermisst. Allgemein wird angenommen, dass er ebenfalls bereits tot ist. In Israel genießt er inzwischen den Status eines Nationalhelden. Für den Fall, dass Arads Schicksal aufgeklärt wird, hat Israel die Freilassung weiterer Palästinenser in Aussicht gestellt.

Beide Seiten hatten bereits seit Monaten über eine Übereinkunft verhandelt. Schon in früheren Gesprächen hatte die Bundesregierung auf Bitten Israels eine Vermittlerrolle übernommen.


 
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