Gaddafi besucht Italien: Berlusconi empfängt den Revolutionführer
zuletzt aktualisiert: 10.06.2009 - 17:49Rom (RPO). Der libysche Revolutionsführer Muammar el Gaddafi ist am Mittwoch zum Auftakt seines ersten Besuchs in Italien von Ministerpräsident Silvio Berlusconi empfangen worden. Gaddafis viertägige Reise gilt als Zeichen dafür, dass sich die Beziehungen zwischen dem energiereichen Wüstenstaat und der früheren Kolonialmacht in letzter Zeit deutlich verbessert haben. Unterdessen hat die Opposition angekündigt, der Rede des Libyers vor dem Senat fernzubleiben.
Zu dem umfangreichen Programm Gaddafis gehört auch eine Rede vor dem italienischen Senat und ein Auftritt an der traditionsreichen Sapienza Universität in Rom. Gaddafi hat sich auch bereiterklärt, mit einigen der 20.000 Italiener zusammenzutreffen, die er nach der Machtübernahme 1970 ausweisen ließ, um Italien für die Kolonialzeit von 1911 bis 1941 zu bestrafen.
Zu seiner insgesamt rund 300-köpfigen Begleitung gehört aber auch Mohammed Omar el Muchtar, der Sohn des libyschen Unabhängigkeitskämpfers Omar el Muchtar, der von den Kolonialbehörden hingerichtet wurde, weil er in den 20er und 30er Jahren eine Rebellion anführte.
Oppositionspartei bleibt Rede fern
Anna Finocchiano von der linksbürgerlichen PD, der größten Oppositionspartei, sagte, die Senatoren würden der für Donnerstagvormittag angesetzten Rede Gaddafis fernbleiben. Auch die Partei Italien der Werte (IDV) des ehemaligen Anti-Korruptionsrichters Antonio di Pietro äußerte scharfe Kritik. Dem "Diktator" Gaddafi werde eine Rede vor der Parlamentskammer erlaubt, während der Dalai Lama dort vor zwei Jahren nicht habe sprechen dürfen, erklärte der Vorsitzende der IDV-Senatoren, Felice Belisario.
Benedetto Della Vedova von der konservativen Partei Volk der Freiheit (PDL) des italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi sagte, die Rede Gaddafis vor dem Senat scheine "weder gerechtfertigt noch angebracht". Gaddafi sei kein demokratisch gewählter Politiker und könne damit auch schwerlich vor dem demokratisch gewählten italienischen Parlament sprechen.
Menschenrechtler kritisieren den Besuch
Menschenrechtsgruppen kritisierten den Besuch. Dies sei eine "Feier für das schmutzige Abkommen", das beide Länder kürzlich erreichten und das die Abschiebung illegaler Einwanderer regelt, die von Libyen aus versucht haben nach Italien zu gelangen.
Berlusconi und Gaddafi wollten noch am Mittwoch zu Gesprächen zusammen kommen. Gaddafi war ein 27-jähriger Oberst, als er 1969 mit einem Putsch die Macht übernahm und König Idris stürzte. Die Beziehungen haben sich aber in den vergangenen Jahren deutlich verbessert, nachdem Italien sich im vergangenen Jahr bereiterklärte, eine Entschädigung für die Kolonialzeit zu zahlen. Das insgesamt rund fünf Milliarden Dollar schwere Paket sieht Stipendien für Studenten und Entschädigungen für libysche Soldaten vor, die während des Zweiten Weltkriegs auf italienischer Seite kämpften.
Italien ist seinerseits besonders an den Öl- und Gasvorkommen in Libyen interessiert. Berlusconi hat Gaddafi auch zu dem G8-Treffen im nächsten Monat nach Italien eingeladen.
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