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Italien: Berlusconi geht im Zorn

VON BERNHARD HÜLSEBUSCH - zuletzt aktualisiert: 01.05.2006 - 13:00

Rom (RP). Der bei der Wahl knapp unterlegene italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi will morgen zurücktreten. Er warnt vor einer "Diktatur der Linken", weil Romano Prodis Lager auch nach dem Präsidentenamt greift.

Der noch amtierende Premierminister Silvio Berlusconi, der morgen seinen Rücktritt erklären will, fürchtet das Entstehen einer "roten Diktatur" in Italien. Denn die siegreiche Linke stellt nicht nur mit Romano Prodi den nächsten Regierungschef und die Präsidenten der beiden Parlamentskammern - sie will auch einen der ihren zum neuen Oberhaupt der Republik machen.

Die Amtszeit des jetzigen Staatspräsidenten Carlo Azeglio Ciampi endet Mitte Mai. Und in der durch Regionalvertreter erweiterten Parlamentarierversammlung, die (wie in Deutschland) den neuen Staatschef wählt, hat die Linke eine massive Mehrheit.

Außerdem werden bereits die vier größten Städte des Landes, mit Ausnahme von Mailand, von linken Bürgermeistern regiert. Die Furcht vor einer "linken Übermacht", die die Opposition unterdrückt, sei also durchaus gerechtfertigt, betonen Sprecher der Konservativen.

Nach dem Rücktritt Berlusconis könnte Ciampi wohl Ende der Woche Romano Prodi mit der Regierungsbildung beauftragen. Die linke Truppe des "Professore" veranstaltete am Wochenende zahlreiche Siegesfeste, denn am Samstag war es ihr - obschon mit Hängen und Würgen - gelungen, ihre Kandidaten für den Vorsitz der beiden Parlamentskammern durchzuboxen. Beide Posten fielen an ehemalige Gewerkschafter.

Senatspräsident wurde, nach drei chaotischen Abstimmungen, der 73-jährige Franco Marini, Koordinator der linken Sammelpartei "Margherita". Ein Routinier ohne Charisma.

Prodi unter Bertinottis Fuchtel

Das Abgeordnetenhaus hingegen leitet nun Fausto Bertinotti , 66, bisher Chef der "Partei der kommunistischen Neugründung" (PRC). Auf Bertinottis Abgeordnete ist Prodi im Parlament auf Gedeih und Verderb angewiesen. Als künftige Staatspräsidenten sind zwei linke Ex-Premiers im Gespräch; allerdings hofft Berlusconi, dies noch zu verhindern.

Vor neun Tagen hatte Fausto Bertinotti Prodi erklärt: "Wenn Du mich nicht zum Kammerpräsidenten oder zum Außenminister machst, wird meine Partei nicht in die Regierung eintreten." Nun bekleidet der Salon-Kommunist das dritthöchste Amt der Republik.

Auch wenn Bertinotti als Kammerpräsident eine "institutionelle Rolle" spielt und die Führung seiner PRC sicher abgibt, bleibt er hinter den Kulissen doch der starke Mann der Kommunisten. Er kann den schwammigen Taktiker Prodi (Spitzname: "Mortadella") jederzeit stürzen. Schon einmal, 1998, während der ersten Amtszeit als Premier, war Prodi von der PRC um die Macht gebracht worden.

Klassenkämpfer im Kaschmir-Pullover

Marxist und Klassenkämpfer, Duzfreund von Prälaten und ehemaliger Atheist - Bertinotti ist alles in einem. Er führt Demos mit der roten Fahne an, liebt Kaschmir-Pullover ebenso wie Champagner und glänzt mit Charme und Witz in Talkshows.

Bertinotti entstammt einer Arbeiterfamilie, absolvierte eine politische Karriere bei den Linken. Als sich die - in Italien sehr einflussreiche - Kommunistische Partei 1991 ihres Namens schämte und sich in "Linksdemokratische Partei" umtaufte, wurde Fausto stutzig.

Er schloss er sich jenen an, die die Wende nicht mitmachten, also der "Kommunistischen Neugründung" PRC. 1994 stieg er zum Parteichef auf. Zu seinen Helden zählt er Fidel Castro, so dass ihn seine Kritiker schon als den "Kubaner in Rom" bezeichneten.

Bertinotti verurteilt den Stalinismus; er sieht seine Partei als unbürokratisches Sammelbecken aller Kapitalismusgegner, all jener, die "zu kurz gekommen" sind (oder sich das einbilden).

Quelle: Rheinische Post

 
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