Vergewaltigung und Konzentrationslager: Berlusconis verbale Ausrutscher in der Kritik
zuletzt aktualisiert: 25.01.2009 - 22:46Rom (RPO). Selbst in einem Militärstaat könne man Verbrechen wie Vergewaltigung nicht verhindern, erklärte der italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi und löste damit Empörung aus. Dies war seine Reaktion auf den in Italien diskutierten Vorschlag, zur Bekämpfung von Verbrechen 300.000 Soldaten auf den Straßen zu postieren
Mann könne sich gar keine Streitmacht vorstellen, die ausreiche, um so etwas zu verhindern. "Wir bräuchten so viele Soldaten, weil unsere Frauen so schön sind". Eine Serie von Verbrechen, darunter eine Vergewaltigung an Silvester in Rom und eine weitere in der Nähe der Hauptstadt in der vergangenen Woche, hatten zu dem Vorschlag zur Stationierung der Soldaten geführt. Die Oppositionsabgeordnete Giovanna Melandri nannte Berlusconis Äußerungen eine "schwerwiegende Beleidigung". Über Vergewaltigungen mache man keine Scherze. Berlusconi sagte, es sei als Kompliment gemeint gewesen. Es gebe nur 100.000 Polizisten, "aber Millionen schöner Frauen" in Italien.
Bereits im Vorfeld war Berlusconi wegen einer Äußerung über das Flüchtlingslager auf der Mittelmeerinsel Lampedusa in die Kritik geraten. Die Insassen des Lagers seien am Samstag auf die Straße gegangen, wie sie es immer machten, sagte Berlusconi als Reaktion auf einen Ausbruch von 700 Flüchtlingen aus dem Lager. "Das ist kein Konzentrationslager", sagte Berlusconi. Es stehe den illegalen Einwanderern in dem Lager frei, jederzeit "ein Bier trinken zu gehen".
Eine Sprecherin des UN-Flüchtlingshilfswerks widersprach der Darstellung und betonte, die Asylsuchenden dürften das Lager nicht einfach verlassen. Falls diese Regelung seit Freitag geändert worden sei, sei das UNHCR darüber zumindest nicht informiert worden. Ein Sprecher von Ärzte ohne Grenzen betonte, das Auffanglager sei bewacht und niemand könne es auf eigene Faust verlassen. Dies könnten alle Organisationen bestätigen, die dort arbeiteten.
Rund 700 Flüchtlinge hatten am Samstag nach den Worten von Bürgermeister Bernardino De Rubeis die Zäune um das Auffanglager überwunden und im Stadtzentrum von Lampedusa gegen die neuen beschleunigten Abschiebeverfahren der italienischen Regierung demonstriert. Bis zum Nachmittag kehrten alle Flüchtlinge in das Lager zurück.
Die kleine Insel Lampedusa, die rund 200 Kilometer südlich von Sizilien liegt, ist ein Hauptanlaufpunkt für Bootsflüchtlinge aus Afrika. Im vergangenen Jahr trafen dort nach Angaben des italienischen Innenministeriums knapp 31.700 Flüchtlinge ein und damit 75 Prozent mehr als im Vorjahr. Die zum Großteil aus Afrika stammenden Flüchtlinge fahren meist in nicht hochseetauglichen Booten über das Mittelmeer, um in die Europäische Union zu gelangen. Dabei kamen 2008 nach Schätzungen der Hilfsorganistion Fortress mindestens 1500 Menschen ums Leben.
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