Wählerprotest gegen den Irak-Krieg: Blair-Partei verliert Nachwahl in Leicester
zuletzt aktualisiert: 16.07.2004 - 11:30London (rpo). Die Labour-Partei des britischen Premierministers Tony Blair hat in deren Hochburg Leicester die Nachwahl verloren. Die Niederlage wurde als Protest gegen Blairs Irak-Politik gedeutet.
Labour wurde bei einer Nachwahl im Bezirk Leicester-Süd nur zweitstärkste Kraft hinter der Liberaldemokratischen Partei, die sich klar gegen die britische Beteiligung am Irak-Krieg ausgesprochen hatte, wie die Auszählung in der Nacht zum Freitag ergab. In der mittelenglischen Stadt leben zahlreiche Muslime.
Bei einer weiteren Nachwahl in Birmingham konnte die Labour Party ihren Sitz nur knapp gegen die Liberaldemokraten verteidigen. In beiden Wahlbezirken rangierten die Konservativen auf Platz drei. Die Ergebnisse in Leicester und Birmingham sind ein weiterer Rückschlag für Blair nach den schweren Stimmenverlusten bei der Europawahl und bei den Kommunalwahlen im Juni. Beide Wahlkreise waren bislang fest in der Hand von Labour.
Der Sieger in Leicester-Süd, der liberaldemokratische Politiker Parmjit Singh Gill, erklärte, die Wähler hätten ihr Urteil über den Irak-Krieg abgegeben. "Die Behauptungen über Massenvernichtungswaffen waren übertrieben", sagte er. "Die Rechtfertigung, die Tony Blair für die Unterstützung George Bushs gab, war falsch." Blair habe das Vertrauen der Bevölkerung missbraucht und verloren.
Blairs Gesundheitsminister John Reid räumte ein, dass die Wahl Ausdruck des Protests gegen den Irak-Krieg war. Handelsstaatssekretärin Patricia Hewett sagte, es sei erstaunlich, dass Labour nach sieben Jahren an der Macht eine Wahl gewonnen und eine weitere nur knapp verloren habe.
In Leicester stellen Muslime rund 18 Prozent der Bevölkerung. Im Wahlbezirk Hodge Hill in Birmingham machen Muslime rund 14 Prozent der Einwohner aus.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum