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Boko Haram
Terroranschläge und technische Störungen bei Wahlen in Nigeria

Boko Haram: Terroranschläge überschatten Wahlen in Nigeria
Eine Frau meldet sich per Fingerabdruck zur Wahl in Nigeria an. FOTO: afp, tsc
Abuja. Die Wahlen in Nigeria sind von neuen Terrorakten der Extremistengruppe Boko Haram überschattet worden. 41 Menschen wurden bei Anschlägen getötet, darunter ein Abgeordneter, wie die Behörden meldeten. Die meisten Opfer waren im Nordosten des Landes zu beklagen. Zudem hielten Boko-Haram-Anhänger Hunderte Menschen mit Störaktionen vom Wählen ab.

Vielerorts trotzen Millionen Nigerianer jedoch der Gewalt, Pannen und Hitze und strömten in Scharen an die Urnen. Gewählt werden seit Samstag der Präsident und ein neues Parlament. Fast 60 Millionen Bewohner sind wahlberechtigt. Erstmals in der Geschichte Nigerias zeichnet sich ein enges Präsidentschaftsrennen ab: Amtsinhaber Goodluck Jonathan ist im früheren Militärdiktator Muhammadu Buhari ein ernsthafter Rivale erwachsen, der eine Koalition der wichtigsten Oppositionsgruppen hinter sich weiß.

Starke Konkurrenz für Amtsinhaber Goodluck Jonathan

Vor zwei Jahren hatten sich die Parteien erstmals zu diesem Schritt entschlossen und damit Nigerias politische Landschaft umgekrempelt. Dutzende Abgeordnete aus dem Jonathan-Lager liefen seitdem zur Opposition über. Noch vor vier Jahren hatte Buhari bei der letzten Wahl haushoch gegen Jonathan verloren. Die Demokratische Volkspartei des Amtsinhabers regiert seit dem Ende der jahrzehntelangen Militärdiktatur 1999.

Der vor allem im Norden verbreitete Unzufriedenheit mit der Regierung von Jonathan liegt am Unvermögen, dem extremistischem Aufstand von Boko Haram Herr zu werden. Allein im vergangenen Jahr kamen rund 10 000 Menschen um. 1,5 Millionen Menschen sind dort vor dem Terror bereits geflohen. In etlichen Städten im Nordosten stand auch der Wahltag im Zeichen der Gewalt: Boko-Haram-Kämpfer hätten in der Stadt Miringa im Staat Borno Wohnhäuser abgefackelt und auf fliehende Menschen gefeuert, sagte Gouverneur Kashim Shettima. Dabei gab es demnach 25 Todesopfer zu beklagen.

Bei späteren Attacken in den Orten Biri und Dukku wurden 14 weitere Menschen umgebracht worden, darunter Umaru Ali, Abgeordneter des Staats Gombe, wie die Polizei und der örtliche Stammesführer Garkuwan Dukku berichtete.

Die Sekte Boko Haram FOTO: dpa, axs

Schwierige Bedingungen: Terror, Stromausfälle, technische Pannen

In den Zwillingsstädten Birin Bolawa und Birin Fulani wurden laut der Polizei zwei Wähler bei Boko-Haram-Attacken auf Wahllokale getötet. Andernorts, in vier Städten des nordöstlichen Staats Yobe, fuhren Bewaffnete an Urnen vor und feuerten in die Luft, um so die Wahl zu stören. Hunderte verängstigte Menschen flohen in Wälder.

In einigen Gebieten kam es zudem zu Stromausfällen und technischen Pannen. Ein Sprecher der Wahlkommission meldete den Ausfall neu eingeführter Maschinen, die biometrische Karten der Wähler lesen sollen. Daher würde die Abstimmung in den Gegenden bis Sonntag verlängert. Davon betroffen war auch Lagos, Nigerias größte Stadt am Atlantik.

Auch den Präsidenten traf die Panne. Drei Kartenleser konnten die Fingerabdrücke von Jonathan und dessen Frau nicht erkennen. Später rief er die Bevölkerung zur Geduld auf. Die Nigerianer sollten die Schmerzen so lange wie nötig auf sich nehmen, wenn dadurch gewährleistet werden könne, dass das Land freie und faire Wahlen abhalten könne, die von der ganzen Welt anerkannt würden, sagte er dem Sender Channels TV.

(ap)
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