Krisengipfel soll Konflikt entschärfen: Bolivien steht vor Bürgerkrieg
zuletzt aktualisiert: 14.09.2008 - 16:55La Paz (RPO). Die Spannungen in Bolivien eskalieren weiter. Der Andenstaat steht kurz vor einem Bürgerkrieg, bei Ausschreitungen gab es mindestens 28 Tote. Jetzt soll ein Krisengipfel der südamerikanischen Staaten zur Entspannung des Konfliktes beitragen.
Der bolivianische Präsident Evo Morales bezeichnete eine Schießerei in der Provinz Pando, bei der am Donnerstag nach jüngsten Angaben des Innenministeriums mindestens 26 Menschen umkamen, als Hinterhalt und Massaker an Regierungsanhängern. Bei den Opfern handelte es sich überwiegend um Bauern, die den linksgerichteten Präsidenten unterstützten. Dem Gouverneur von Pando, Leopoldo Fernandez, warf Morales am Samstag vor, "brasilianische und peruanische Auftragskiller" befehligt zu haben.
Fernandez wies die Vorwürfe zurück. Die Anschuldigungen entbehrten jeglicher Grundlage, sagte er. Die bolivianische Regierung hatte am Freitagabend den Belagerungszustand über Pando ausgerufen. Morales erklärte tags darauf, er werde nicht zögern, diese Maßnahme bei Bedarf auch auf die anderen nach Autonomie strebenden Provinzen auszudehnen.
Chávez: "Größere Tragödie verhindern"
Auf Einladung der chilenischen Präsidentin Michelle Bachelet sollen die zwölf Mitglieder der UNASUR am Montag zu einem Krisengipfel zusammenkommen. Der venezolanische Präsident Hugo Chávez, Morales' engster Verbündeter, kündigte seine Teilnahme an. "Eine Tragödie größeren Ausmaßes muss verhindert werden", sagte er.
Der brasilianische Präsident Luiz Inacio Lula da Silva erklärte, er werde dem Gipfel beiwohnen, falls Bolivien dies wünsche. Allerdings sollten sich Regierung und Opposition zuvor über ihre Ziele klar werden. "Falls wir eine Entscheidung fällen, die keine Seite respektiert, ist das Treffen sinnlos", sagte er.
Die Regierungsgegner hatten bei ihren seit Tagen andauernden Protesten die Erdgaslieferungen nach Brasilien unterbrochen. Die wohlhabenden Provinzen - Santa Cruz, Beni, Pando and Tarija - fordern eine größere politische und wirtschaftliche Unabhängigkeit von der Zentralregierung. Außerdem verlangen sie eine Absage des für Dezember geplanten Referendums über eine neue Verfassung, die Morales' Wiederwahl ermöglichen würde.
Unterdessen bekundete Nicaragua seine Solidarität mit Bolivien im diplomatischen Konflikt mit den USA. Präsident Daniel Ortega kündigte an, eine Einladung zu einem Treffen mit US-Präsident George W. Bush auszuschlagen. Ortega warf Washington vor, einen Putsch gegen Morales anstacheln zu wollen. Mit ähnlichen Argumenten hatten bereits zuvor Bolivien und Venezuela die US-Botschafter des Landes verwiesen.
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