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bombay; panorama; chronik; 27/11/2008
  Foto: ddp
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Chronik des Terrortages: Bombay befindet sich im Kriegszustand

zuletzt aktualisiert: 27.11.2008 - 19:59

Bombay (RPO). Einen Tag nach den schrecklichen Anschlägen in Bombay ist der Terror noch nicht vorbei. Terroristen verschanzten sich in Luxushotels und nahmen Geiseln. Die indischen Soldaten stürmten die Hotels.

Der Einsatz im Taj Mahal ist beinahe beendet. Fast alle Attentäter wurden getötet, teilten die Behörden am Donnerstagabend mit. Der Einsatz in dem Hotel Oberoi Trident dauere an.

Bei den Terroranschlägen sind bislang mehr als 125 Menschen gestorben, unter ihnen befindet sich auch ein Deutscher. Experten vermuten Al Qaida hinter der blutigen Terrorwelle.

Nach der verheerenden Anschlagsserie mit mindestens hundert Todesopfern in Bombay ist die indische Armee in einem Großeinsatz gegen die islamistischen Angreifer vorgegangen. Soldaten und Polizisten drangen am Donnerstag nach offiziellen Angaben in die Luxushotels Taj Mahal und Oberoi Trident ein, in denen sich die Angreifer verschanzt hatten.

Bei den am Mittwochabend begonnenen, offenbar genau koordinierten Angriffen mehrerer kleiner Kampfgruppen auf die Hotels, den Bahnhof, ein Krankenhaus, ein Touristen-Restaurant und mehrere weitere Orte der Millionenstadt starben nach Behördenangaben mindestens 125 Menschen. Knapp 300 Menschen wurden laut Medienberichten verletzt. Im Oberoi Trident werden offenbar zahlreiche Menschen weiterhin als Geiseln festgehalten.

Steckt Al Qaida hinter den Anschlägen?

Zu der beispiellosen Angriffsserie bekannte sich die bislang unbekannte islamistische Gruppe "Deccan Mujahedeen". Einer der Angreifer sagte dem Sender India TV am Telefon, seine Gruppe fordere ein Ende der Angriffe auf Muslime in Indien. Der indische Premierminister Manmohan Singh vermutete die Drahtzieher der Angriffe im Ausland. Experten gehen inzwischen davon aus, dass die koordinierten Angriffe in der indischen Finanzmetropole Verbindungen zu Al Qaida aufweisen.

Nach Einschätzung Singhs sind die Hintermänner der Angriffe "außerhalb des Landes" zu suchen. Seine Regierung werde den Nachbarstaaten "deutlich sagen", dass sie es "nicht hinnehmen wird, wenn ihr Territorium als Ausgangsbasis für Angriffe auf uns" verwendet werde, sagte Singh, ohne ein bestimmtes Land beim Namen zu nennen.

Der Terrorismusexperte Berndt Georg Thamm sagte in der ARD: "Wir müssen leider zur Kenntnis nehmen, dass Indien mittlerweile auch zum Schauplatz des Heiligen Krieges, des Dschihads geworden ist." Al Kaida habe im vergangenen Jahr vor dem Hintergrund des Kaschmir-Konflikts Indien den Heiligen Krieg, erklärt und unterhalte Kontakte zu islamistischen gewaltbereiten Tätern auf dem Subkontinent.

Die Schauplätze des Terrors in Bombay. Mit einem Klick auf das Bild öffnet sich die Foto: AP

Oberoi Trident steht in Flammen

Während der Erstürmung des Oberoi Trident durch die Sicherheitskräfte brach in dem Hotel ein Feuer aus. Wie ein AFP-Reporter berichtete, schlugen hohe Flammen aus den Fenstern in einem der oberen Stockwerke. Zudem fielen fortwährend Schüsse. Einsatzkräfte stürmten zuvor auch das Taj Mahal, das bereits in der Nacht gebrannt hatte.

Unter den Opfern befindet sich ein Münchner Medienunternehmer

Bei den Terroranschlägen im indischen Bombay ist auch ein Deutscher ums Leben gekommen. Der Münchner Medienunternehmer Ralph Burkei starb, als er versuchte, sich aus seinem Hotel zu retten, wie der mit ihm befreundete Aribert Wolf am Donnerstag der AP sagte. Burkei und seine Lebensgefährtin seien auf der Flucht von der Fassade des von Terroristen angegriffenen Luxushotels Taj Mahal abgestürzt. Die Frau habe sich dabei die Wirbelsäule angebrochen, aber noch laufen können.

Wolf hatte in der Nacht zum Donnerstag mehrfach mit dem 51-Jährigen und seiner Lebensgefährtin telefoniert. Burkei habe ihm am Telefon gesagt, dass er schwer verletzt auf einem Vordach liege und sich nicht mehr bewegen könne, erzählte Wolf. Er habe gesagt, seine Hüfte sei gebrochen, und er spüre, wie er immer schwächer werde. Wenn ihm nicht geholfen werde, werde er sterben.

Außer dem deutschen Unternehmer waren unter den Todesopfern mindestens vier weitere Ausländer, unter ihnen ein Japaner, ein Brite, ein Italiener sowie ein Opfer aus Australien.

Auswärtiges Amt vermutet noch mehr deutsche Opfer

Das Auswärtige Amt erklärte, mehrere Deutsche seien verletzt. Wahrscheinlich seien noch weitere Deutsche von den Angriffen betroffen. In Bombay wurde ein Krisenstab eingerichtet, das Generalkonsulat wurde personell verstärkt. Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) verurteilte die "verabscheuungswürdigen Terroranschläge".

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sprach in einem Kondolenzschreiben an den indischen Premierminister von "verbrecherischen Taten". US-Präsident George W. Bush sprach Singh nach Angaben des Weißen Hauses telefonisch sein Beileid aus.

Politiker erlebten die Anschläge mit

Die deutschen Europa-Abgeordneten Erika Mann (SPD) und Daniel Caspary (CDU) haben die Terroranschläge aus nächster Nähe erlebt. Sie sei mit indischen Freunden im Hotel Taj Mahal zum Essen verabredet gewesen. Nach dem ersten Angriff sei sie stundenlang auf der Flucht gewesen. Caspary sagte, die gesamte im Taj Mahal untergebrachte EU-Delegation habe die Anschläge gut überstanden. "Wir haben Glück gehabt", sagte der CDU-Politiker.

Schauspielerin flüchtete auf Toilette

Die australische Schauspielerin Brooke Satchwell, bekannt aus der erfolgreichen Fernseh-Soap "Neighbours", hielt sich in Indien auf, um einen Film zu drehen. Die 28-Jährige und ihr Team übernachteten im Luxushotel Taj Mahal Palace. Kurz vor dem ersten Meeting mit der Crew suchte die Schauspielerin noch einmal die Toilette auf. Just in diesem Moment schlugen die Terroristen los. Sie versteckte sich 45 Minuten und konnte gerettet werden.

Indische Marine sucht Schiff der Attentäter

Die indische Marine suchte vor der Küste nach einem größeren Schiff, mit dem die Angreifer Berichten zufolge möglicherweise nach Bombay gelangten. Auch die Küstenwache suchte die Gewässer nach dem verdächtigen Schiff ab, wie ein Marinesprecher sagte. Unterstützt wurde der Einsatz demnach von Hubschraubern.

Lufthansa streicht Flüge nach Bombay

Die Lufthansa strich am Donnerstag zwei von Frankfurt und München geplante Flüge nach Bombay. Die Verbindungen sollten am Freitag wieder aufgenommen werden, wie das Unternehmen in Frankfurt am Main mitteilte. Andere Flüge nach Indien waren demnach nicht betroffen.

Quelle: afp

 
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