Mindestens 25 Tote gemeldet: Bombenanschlag vor US-Hauptquartier
zuletzt aktualisiert: 18.01.2004 - 15:11Bagdad (rpo). Ein Selbstmordanschlag vor dem Hauptquartier der amerikanischen Besatzungsverwaltung in Bagdad hat mindestens 25 Menschen getötet. Es handelte sich um den schwersten Anschlag seit der Verhaftung von Saddam Hussein.
Rund 100 weitere Menschen wurden verletzt. Bei dem Selbstmordanschlag am Sonntagmorgen brachte der Attentäter nach Angaben der US-Armee einen mit etwa 500 Kilogramm Sprengstoff beladenen Lieferwagen in einer Warteschlange vor dem schwer bewachten Hauptquartier der US-Zivilverwaltung zur Explosion. Deren Leiter Paul Bremer sprach von einer "Schandtat".
Der Attentäter benutzte einen weißen Toyota-Pickup, wie der US-Offizier Ralph Baker mitteilte. Augenzeugen zufolge warteten bis zu 300 Menschen vor der so genannten Grünen Zone auf Einlass in den Gebäudekomplex, als sich die Explosion ereignete. Nach Angaben von US-General Mark Kimmitt starben mindestens 20 Menschen, und fast 60 weitere wurden verletzt. Die irakischen Krankenhäuser zählten fünf weitere Todesopfer und rund weitere 70 Verwundete. Die meisten Opfer waren Iraker. Einem Sprecher der US-geführten Besatzungstruppen zufolge waren zwei Mitarbeiter des US-Verteidigungsministeriums unter den Toten.
Lieferwagen explodierte um 8 Uhr
Der Lieferwagen explodierte nach US-Angaben um 08.00 Uhr (06.00 Uhr MEZ) vor dem Kontrollpunkt am Eingang des Geländes, der auch als "Tor des Mörders" bekannt ist, als dort hunderte Mitarbeiter der US-Zivilverwaltung und Arbeitssuchende anstanden. Das Gelände glich nach dem Anschlag einem Schlachtfeld. Noch Stunden später transportierten Lastwagen ausgebrannte Autos und Busse ab; dichter Rauch hing in den Straßen, und dutzende Rettungswagen und Feuerwehrautos waren im Einsatz. Die Armee riegelte das Gelände mit Panzerfahrzeugen ab.
Bremer erklärte auf der Internet-Seite der US-Zivilverwaltung, der Tod der vielen Menschen sei "tragisch und unverzeihlich". Für den Zivilverwalter bedeutet das Wochenende einen schweren Rückschlag bei seinen Bemühungen um eine Rückkehr der Vereinten Nationen nach Irak: Neben dem Anschlag vom Sonntag wurden die US-Truppen und ihre Verbündeten mehrfach Ziel von Anschlägen, bei denen mindestens sieben Menschen starben.
Nachbesserungen am Plan zur Machtübernahme möglich
Nach einem Treffen mit US-Präsident George W. Bush in Washington sagte Bremer, die USA seien zu Nachbesserungen am Plan zur Machtübergabe an die Iraker bereit. So könne die "Art und Weise der Auswahl" der Delegierten für die geplante Übergangsversammlung geändert werden, aus der heraus eine souveräne Regierung gewählt werden soll. In diesem Prozess wünschten sich die USA eine "wichtige Rolle" der UNO, sagte Bremer. Er wollte am Montag am Sitz der UNO in New York mit UN-Generalsekretär Kofi Annan, dem britischen Irak-Beauftragten Jeremy Greenstock und Mitgliedern des irakischen Regierungsrats beraten.
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