Israel weitet Offensive im Libanon aus: Bombenhagel auf Beirut
zuletzt aktualisiert: 14.07.2006 - 06:30Beirut (rpo). Israel hat seine Offensive im Libanon in der Nacht zum Freitag erheblich ausgeweitet. Die Luftwaffe bombardierte Stellungen der Hisbollah in Beirut und Umgebung. Dabei kamen drei Menschen ums Leben, 50 wurden verletzt. Irans Präsident Ahmadinedschad warnte Israel davor, auch Syrien zu attackieren. Dies würde heftige Reaktionen in der gesamten islamischen Welt auslösen.
Israel hatte den Angriff auf Beirut vorher angekündigt. In den dicht besiedelten südlichen Stadtteilen Flugblätter abgeworfen, auf denen die Bevölkerung davor gewarnt wurde, sich dem Hauptquartier der Hisbollah zu nähern. In der Gegend hat Hisbollah-Führer Scheik Hassan Nasrallah sein Büro, außerdem befindet sich dort der Sitz des Schura-Rats der Organisation sowie deren Fernsehsender Al Manar. Auch die wichtigste Verbindungsstraße von Beirut nach Damaskus wurde unter Beschuss genommen.
Das libanesische Fernsehen zeigte Bilder der Verwüstung. Neben Häusern und einer Brücke wurde auch ein Treibstofftank bei einem Kraftwerk getroffen. Feuerwehrleute bemühten sich verzweifelt, die zahlreichen Brände zu löschen. Vom Boden aus wurden Luftabwehrgeschosse abgefeuert.
Der Angriff auf die Straße nach Damaskus erfolgte in der Gebirgsregion Mdeiredsch, wo die Trasse über eine Brücke führt. Wegen der Dunkelheit war es vorerst nicht möglich, den Schaden festzustellen. Die libanesischen Behörden ließen Autofahrer jedoch nicht mehr passieren. Die Schnellstraße windet sich von Beirut auf die Anhöhe der Berge und führt dann hinab ins Bekaa-Tal bis nach Syrien. Nachdem Israel eine Seeblockade vor der libanesischen Küste verhängt und den Flughafen von Beirut bombardiert hatte, blieb diese Straße die Hauptverbindung des Libanons ins Ausland.
Ahmadinedschad warnt
Der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad warnte Israel nachdrücklich davor, nach dem Libanon womöglich auch Syrien anzugreifen. Dies wäre eine Aggression gegen die gesamte islamische Welt. Laut der amtlichen Nachrichtenagentur IRNA fiel diese Äußerung während eines Telefonats des iranischen Präsidenten mit dem syrischen Staatschef Baschar al Assad.
Der iranische Außenamtssprecher Hamid Resa Assefi wies derweil Berichte zurück, wonach die beiden in den Libanon verschleppten israelischen Soldaten in den Iran gebracht werden sollen. Saudi-Arabien verurteilte diese Entführung mit ungewöhnlich scharfen Worten. Solche "unberechenbaren Abenteuer" könnten eine neue Nahost-Krise heraufbeschwören, hieß es in Riad.
Auch an der zweiten Front zum Gazastreifen setzte Israel seine Offensive fort. Die Luftwaffe griff in der Nacht zum Freitag mehrere mutmaßliche Einrichtungen der Hamas-Bewegung an. Auch die Hauptstraße der Stadt Gaza wurde beschädigt. Verletzt wurde niemand. Im südlichen Gazastreifen wurden Artillerieverbände umgruppiert.
Die jüngsten Entwicklungen im Nahen Osten dominierten auch die Gespräche von US-Präsident George W. Bush und seiner Delegation in Deutschland. Außenministerin Condoleezza rief insbesondere Syrien zu "verantwortungsvollem Handeln" auf, um die Lage nicht eskalieren zu lassen. Doch auch Israel müsse sich mäßigen und bei seinen Angriffen Opfer unter der Zivilbevölkerung vermeiden, sagte Rice vor Journalisten in Rostock.
Im Weltsicherheitsrat scheiterte eine Verurteilung der israelischen Militäroffensive im Gazastreifen am Veto der USA. In dem vom Golfstaat Katar eingebrachten Resolutionsentwurf wurde Israel "unverhältnismäßiger Einsatz von Gewalt" vorgeworfen. Die US-Regierung votierte am Donnerstagabend als einziges der 15 Sicherheitsratsmitglieder gegen den Entwurf. Zehn Ratsmitglieder stimmten dafür, vier weitere enthielten sich.
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