| 17.38 Uhr

Großbritannien
Boris Johnson kandidiert nicht als Premier

Boris Johnson will nicht Nachfolger von David Cameron werden
Johnson hat seinen Verzicht auf die Nachfolge von Cameron verkündet FOTO: afp
London. Der ehemalige Bürgermeister von London galt als Favorit auf die Nachfolge David Camerons an der Spitze der britischen Konservativen. Nun will sich Boris Johnson gar nicht erst bewerben.

Der prominente Brexit-Befürworter kündigte überraschend an, nicht für das Amt des Vorsitzenden der Konservativen Partei kandidieren zu wollen. "Nach Beratungen mit Kollegen und angesichts der Verhältnisse im Parlament" sei er zu dem Schluss gekommen, dass er nicht die richtige "Person" für diese Aufgabe sei, sagte Johnson in London.

Am Mittag endete die Bewerbungsfrist für das Amt. Der neue Chef der Regierungspartei wird auch Premierminister und muss die Folgen des Brexit-Votums bewältigen. Ins Rennen gehen Arbeitsminister Stephen Crabb, Ex-Verteidigungsminister Liam Fox, Justizminister Michael Gove und Innenministerin Theresa May. Gove und May gelten als Favoriten.

Cameron hatte nach dem Votum einer Mehrheit der Briten für ein Ausscheiden aus der Europäischen Union vor einer Woche seinen Rücktritt bis Oktober erklärt. Die Konservativen wollen seine Nachfolge bis September klären.

Nicht unumstritten

Johnson galt als Favorit für die Nachfolge. Er hatte bei dem Referendum die Befürworter eines EU-Austritts angeführt und hätte auf die Unterstützung von mehreren ranghohen Abgeordneten der Konservativen Partei zählen können. Allerdings hegten viele Konservative auch Misstrauen gegen Johnson: Dem Ex-Bürgermeister wurde vorgeworfen, das Referendum als Plattform für seine eigenen Ambitionen zu nutzen. Der Tory-Abgeordnete Alan Duncan hatte Johnson mit dem italienischen Ex-Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi verglichen und ihm den Namen "Silvio Borisconi" gegeben.

Vor Johnsons Ankündigung hatte ein wichtiger Verbündeter in der Brexit-Kampagne, Justizminister Michael Gove, überraschend selbst seinen Hut für Camerons Nachfolge in den Ring geworfen. Johnson könne nicht die Führung für die kommende Aufgabe bieten oder das Team dafür aufbauen, sagte Gove. In einer E-Mail von Goves Frau, der "Daily Mail"-Kolumnistin Sarah Vine, an Sky New, hieß es, die einflussreichen Medienunternehmer Rupert Murdoch und Paul Dacre lehnten Johnson instinktiv ab.

Innenministerin May war für den Verbleib Großbritanniens in der EU. Die 59-Jährige gilt als kompetent und erfahren. Fox gehört zum Anti-EU-Flügel der Partei. 2011 hatte er zurücktreten müssen, weil er einen befreundeten Lobbyisten auf offizielle Termine mitgenommen hatte.

Entgegen allen Erwartungen gab die Abgeordnete Angela Eagle am Donnerstag nicht ihre Kandidatur für das Amt des Labour-Vorsitzenden bekannt.

Nach dem Ende der Nominierungsfrist wählen Parteiabgeordnete zwei Kandidaten aus. Über diese stimmen dann alle Parteimitglieder per Briefwahl ab. Das Ergebnis des Votums wird Anfang September erwartet.

Auch bei der oppositionellen Labour-Partei geht der Machtkampf weiter. Parteichef Jeremy Corbyn hatte eine Vertrauensabstimmung in der Labour-Fraktion am Dienstag haushoch verloren, einen Rückzug aber abgelehnt. Es wird erwartet, dass ein Herausforderer gegen ihn antritt.

 

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