Präsidentenwahl in Algerien: Bouteflika strebt dritte Amtszeit an
zuletzt aktualisiert: 09.04.2009 - 14:56Algier (RPO). Unter massiven Sicherheitsvorkehrungen haben die Algerier am Donnerstag einen neuen Präsidenten gewählt. Amtsinhaber Abdelaziz Bouteflika strebt nach zehn Jahren an der Macht eine dritte Amtszeit an. Seinen fünf Gegenkandidaten wurden kaum Chancen eingeräumt.
Die Opposition, von linksgerichteten Parteien bis hin zu Islamisten, hat zu einem Boykott der Abstimmung aufgerufen. Sie befürchtet Wahlbetrug, wie er bei früheren Abstimmungen vorkam. In dem öl- und gasreichen Land sind gut 20 Millionen Menschen wahlberechtigt.
Der 72-jährige Bouteflika hat erklärt, er hoffe auf einen Erdrutschsieg, um seine Politik der nationalen Versöhnung fortsetzen zu können. Ungewiss war allerdings die Wahlbeteilung. Nach Angaben von Innenminister Yazid Zerhouni gaben bis 10.30 Uhr Ortszeit landesweit knapp 9,5 Prozent der Berechtigten ihre Stimme ab. Von den 900.000 im Ausland lebenden Algerien hätten 31 Prozent gewählt.
FLN regiert seit 1962
Bouteflikas Nationale Befreiungsfront (FLN) regiert Algerien seit der Unabhängigkeit von Frankreich im Jahr 1962 ohne Unterbrechung. Eine Verfassungsänderung vom vergangenen Jahr ermöglicht dem Präsidenten eine dritte Amtszeit. Die Abstimmung am Donnerstag wurde von 200 Beobachtern der Afrikanischen Union, der Islamischen Konferenz und der Arabischen Liga überwacht. Erfahrende Beobachter der UN oder EU wurden nicht eingeladen. Mit dem Ergebnis wird am Freitag gerechnet.
Bouteflika warb mit einer Botschaft der Kontinuität: Er wolle seinen Kurs des Wiederaufbaus der vergangenen zehn Jahre fortsetzen, sagte er vor der Wahl. Die meisten Wähler zollen ihm Respekt für die Investitionen in die Infrastruktur. Mit einem aus den Erlösen des Verkaufs von Öl- und Gas finanzierten Programm wurden für rund 200 Milliarden Dollar neue Straßen und Dämme gebaut. Die Rohstoffe stehen für 95 Prozent der Exporte. Die Öl- und Gasförderung macht ein Drittel der Wirtschaftsleistung des Landes aus. Kritiker werfen ihm indes vor, dass die Öleinnahmen nicht die breite Masse erreichten.
Bouteflika wird auch zugute gehalten, dass er den zehnjährigen Bürgerkrieg beendet hat. Der Bürgerkrieg brach aus, nachdem die Streitkräfte 1992 eine Parlamentswahl abgebrochen hatten, weil sich ein Sieg der fundamentalistischen Islamischen Heilsfront (FIS) abzeichnete. Der Konflikt kostete rund 200.000 Menschen das Leben. Mit einem erfolgreichen Referendum der nationalen Versöhnung 2005 wurde den Aufständischen im Gegenzug für eine Niederlegung der Waffen eine Amnestie gewährt. Auch den Kämpfern der Al Kaida im Maghreb, die immer wieder Anschläge ausführen, hat Bouteflika eine Amnestie angeboten.
Am Tag vor der Wahl töteten mutmaßliche Al-Kaida-Mitglieder bei einem Überfall nahe Jijel 350 Kilometer westlich von Algier nach Medienberichten drei Wachleute, ein weiterer wurde entführt. Bei einem Bombenanschlag in der Nähe von Bouira wurde nach Zeitungsberichten ein Polizist getötet.
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