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Lula da Silva
Brasilianischer Ex-Präsident stellt sich den Behörden

Brasilianischer Ex-Präsident Lula da Silva stellt sich den Behörden
Lula bei seiner Ankunft im Polizei-Hauptquartier. FOTO: rtr, SM/wy/LP
São Bernardo do Campo. Zunächst hatte Brasiliens Ex-Präsident eine Frist für seinen Haftantritt verstreichen lassen. Nun aber stellte sich Lula da Silva den Behörden. Seine Unschuld beteuerte er dennoch zum wiederholten Mal.

Die Verurteilung wegen Korruption sei bloß ein Versuch seiner Feinde, ihn an einer Kandidatur bei der Präsidentenwahl zu hindern, sagte er am Samstag vor tausenden Anhängern. Auch seine Unterstützer sahen das offenbar so - und versuchten, seinen freiwilligen Gang zu den Behörden aufzuhalten.

Der Ex-Präsident war zu mehr als zwölf Jahren Haft verurteilt worden.
Er wurde im vergangenen Jahr schuldig befunden, einem Bauunternehmen im Gegenzug für die Zusage einer Strandwohnung Gefälligkeiten erwiesen zu haben. Das Urteil wurde im Januar nochmals bestätigt.

Lula will in der Sache alle möglichen Rechtsmittel ausschöpfen - vor einem Leben hinter Gittern wird ihn das aber laut einem Gerichtsentscheid in dieser Woche nicht schützen. Bundesrichter Sérgio Moro erließ Haftbefehl gegen ihn und gab ihm eine Frist bis zum Freitagabend, um sich in Polizeigewahrsam zu begeben.

Am späten Abend flogen Polizeikräfte Lula nach Curitiba

Statt der Anordnung nachzukommen, traf sich Lula aber in einem Gewerkschaftsgebäude in einem Vorort von São Paulo mit Unterstützern.
Dort hatte seine Karriere einst begonnen. Als er sich am Samstag doch stellen wollte, verhinderten Dutzende Menschen das zumindest beim ersten Mal: Sie ließen ein Auto mit ihm nicht vor dem Gebäude abfahren, stellten sich vor ein Tor und riefen: "Umrundet, umrundet (das Gebäude), lasst sie ihn nicht festnehmen." Nach einigen Minuten der Diskussion kehrte Lula denn in das Haus zurück.

Kurz nach Einbruch der Dunkelheit gelang es Lula schließlich mithilfe von Leibwächtern, zu den Einsatzkräften zu kommen. Seine Bodyguards schubsten dafür zig Anhänger zur Seite. Am späten Abend flogen Polizeikräfte Lula in die Stadt Curitiba, wo er seine Haft antreten sollte.

Die Arbeiterpartei hat unterdessen angekündigt, auch einen inhaftierten Lula als Kandidaten für die Wahl aufstellen zu wollen. Ein Haftantritt würde Lula zudem nicht unbedingt von der Kandidatenliste entfernen: Im August entscheidet das höchste Wahlgericht des Landes, wer antreten darf und wer nicht. Falls er nicht zugelassen würde, könnte er dagegen noch vom Gefängnis aus juristisch vorgehen.

Die Inhaftierung Lulas und dessen mögliche Kandidatur spalten die ohnehin schon stark polarisierte Gesellschaft in Brasilien weiter. Fernando Lauro, ein Unterstützer des Ex-Präsidenten und Beobachter der Auslieferung an die Polizei am Samstag, sagte, das Volk müsse nun seinen Kopf hoch halten. "Unsere Probleme werden morgen größer sein." Eine Gegnerin Lulas hingegen erklärte: "Ich hoffe, er kommt niemals aus dem Gefängnis, aber ich habe Angst, dass das trotzdem geschieht.
Brasilien ist das Land der Straffreiheit."

(das/ap)
 
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