Großbritannien: Brown stellt neues Kabinett vor
zuletzt aktualisiert: 28.06.2007 - 16:10London (RPO). Einen Tag nach seiner Amtsübernahme hat Großbritanniens neuer Premierminister Gordon Brown sein Kabinett vorgestellt. Bereits vorher war durchgesickert, dass der 41-jährige bisherige Umweltminister David Miliband neuer Außenminister wird. Miliband wird damit der jüngste Außenminister seit 30 Jahren.
Die frühere Bildungsministerin Jacqui Smith soll als erste Frau das Innenministerium leiten. Zu seinem eigenen Nachfolger als Finanzminister und damit zur künftigen Nummer zwei der Regierung ernannte Brown seinen langjährigen Vertrauten Alistair Darling, den bisherigen Handelsminister. Ex-Premier Tony Blair wurde erneut im Parteifinanzskandal vernommen.
"Ich fühle mich zutiefst geehrt und hocherfreut, dass mich der neue Premierminister gebeten hat, Außenminister zu werden", sagte Miliband. Er ist der jüngste Außenminister Großbritanniens seit 30 Jahren. Der frühere Blair-Berater wurde einst als möglicher Konkurrent Browns um das Amt des Premierministers gehandelt und gilt weiter als Anwärter auf den Vorsitz der Labour-Partei.
Seine Nominierung wird als Zeichen für Browns Bemühungen gedeutet, sich vom Einmarsch britischer Truppen im Irak im Jahr 2003 zu distanzieren, der wohl schwersten politischen Hinterlassenschaft Blairs: Miliband hatte während seines kometenhaften Aufstiegs in der Labour-Partei nie mit Außenpolitik zu tun.
Enger Vertrauter Browns
Die Ernennung des 53-jährigen Darling war weithin erwartet worden: Er ist ein enger Vertrauter Browns und hatte ihm in der Vergangenheit treu zur Seite gestanden. Der erfahrene Politiker, der an seiner weißen Löwenmähne zu erkennen ist, hatte auch unter Blair wichtige Ministerämter inne - darunter den Posten des Ministers für Arbeit und des Verkehrsministers. Wie Brown ist Darling Schotte.
Mit Smith steht erstmals eine Frau an der Spitze des Innenministeriums. Die 44-Jährige ist derzeit als "Chef-Einpeitscherin" ("Chief Whip") im britischen Unterhaus dafür verantwortlich, dass die Labour-Abgeordneten gemäß den Vorgaben der Parteiführung abstimmen. Ihr wird unverbrüchliche Loyalität zu ihrer Partei nachgesagt. Zum Justizminister wurde der frühere Außen- und Innenminister Jack Straw benannt, während Des Browne seinen Posten als Verteidigungsminister behielt.
"Neue Priotitäten"
Brown hatte den Briten bei seinem Amtsantritt am Mittwoch eine "neue Regierung mit neuen Prioritäten" versprochen. Auch wolle er eine parteienunabhängige "Regierung mit allen Talenten", sagte Brown, ohne diese Ankündigung näher zu erläutern. Die Liberaldemokraten, neben den Torys die zweite Oppositionspartei, hatten vergangene Woche Browns Annäherungsversuche brüsk abgewiesen.
Die britische Nachrichtenagentur Press Association meldete am Donnerstag unter Berufung auf nicht näher benannte Kreise, Blair sei im Labour-Parteifinanzskandal zum dritten Mal als Zeuge vernommen worden. In der Affäre geht es um Vorwürfe, dass britische Parteien illegal Sitze im - nicht wählbaren - Oberhaus gegen großzügige Geldspenden vergeben hätten. Während Blair selbst nicht verdächtigt wird, in die Angelegenheit verstrickt zu sein, wurden zwei seiner engsten Berater festgenommen.
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