Labour-Wahldebakel: Brown will nichts von Rücktritt wissen
zuletzt aktualisiert: 04.05.2008 - 14:49London (RPO). Der britische Premierminister Gordon Brown will nichts von einem Rücktritt wissen. Von dem Wahldebakel seiner Labour-Partei bei den Kommunalwahlen in England und Wales werde man sich seiner Ansicht nach erholen, versicherte der angeschlagene Regierungschef am Sonntag in seinem ersten Interview seit der schwersten Wahlniederlage seiner Partei seit 40 Jahren.
Laut BBC-Hochrechnungen landete Labour weit abgeschlagen hinter den Tories mit 24 Prozent sogar noch hinter den Liberaldemokraten mit 25 Prozent. Die Konservativen siegten klar mit 44 Prozent und stellen mit Boris Johnson künftig auch in London den Bürgermeister.
Der Sieg des 43-jährigen Johnson über Londons langjähriges Stadtoberhaupt Ken Livingstone besiegelte Labours Debakel bei den Kommunalwahlen. Nach Angaben der Wahlkommission erhielt Johnson fast 140.000 Stimmen und damit sechs Prozentpunkte mehr als sein seit acht Jahren amtierender Labour-Rivale. Der frühere Journalist, der vor allem durch seine polemischen Äußerungen bekannt war, galt noch zu Beginn der Kampfs um das Londoner Rathaus als "Witzkandidat". Seine diszplinierte Kampagne zur Bürgermeisterwahl trug ihm allerdings von verschiedenen Seiten Respekt ein.
Er werde sich "ins Zeug legen", um das entgegengebrachte Vertrauen zurückzuzahlen und zu rechtfertigen, sagte Johnson nach Bekanntgabe der Wahlergebnisse. Der Wahlausgang habe gezeigt, dass sich die Tories elf Jahre nach ihrem Gang in die Opposition gewandelt hätten. Die feierliche Annahme seines Siegs nutzte Johnson am Samstag aber gleichzeitig für ein paar seiner typischen flappsigen Bemerkungen. In Anspielung darauf, dass er erst einen Tag später das Amt übernehmen werde, sagte der Konservative, er könne die Papierschredder im Rathaus förmlich hören.
Am Samstag überließ Brown es zunächst seinen Ministern, auf die schwere Wahlniederlage zu reagieren. "Das ist eine klare Botschaft an die Regierung", sagte Innenministerin Jacqui Smith dem Fernsehsender Sky News. "Das britische Volk hat uns einen Fußtritt verpasst und gesagt: 'Passt auf, wir haben es schwer, wir leiden unter der Krise. Wir wollen, dass ihr führt und regiert'." Justizminister Jack Straw zeigte sich in der BBC überzeugt, dass die Regierung bis zu den Parlamentswahlen, die spätestens im Mai 2010 stattfinden müssen, wieder in die Spur kommt.
Kritischer äußerten sich einfache Labour-Vertreter. Der Abgeordnete Ian Gibson warnte, Brown habe sechs Monate Zeit, um seinen erfolgreichen Wandel vom Finanzminister zum Regierungschef unter Beweis zu stellen. Wenn er es bis dahin nicht schaffe, "wird Tacheles geredet". Der Hinterbänkler Graham Stringer sprach bereits von einer heimlichen Revolte gegen den unpopulären Premier. Labour habe keine "Tradition des Königsmords", doch gebe es bereits Gespräche zwischen Ministern und Hinterbänklern über einen möglichen Herausforderer, sagte er dem Sender "Sky News": "Es gibt die öffentliche Zurschaustellung von Loyalität - und es gibt private Verzweiflung."
Während selbst Labour-treue Zeitungen wie der "Guardian" vor einem "langsamen Tod" Labours warnten, gab sich Brown am Sonntag betont optimistisch. Dies sei "nicht sein bestes Wochenende" gewesen, räumte er in der BBC ein. Hauptverantwortlich für die Niederlage machte er jedoch erneut die wirtschaftliche Lage. Er nehme die Probleme der Leute ernst, versicherte Brown und betonte, er halte sich neben Finanzminister Alistar Darling für die "geeignetste Person in diesem Land, den Herausforderungen zu begegnen". "Ich bin entschlossen, habe Überzeugungen und Ideen und werde mich nicht von ein paar Schlagzeilen davon abbringen lassen, meinen Job für dieses Land zu tun."
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