Politiker von Fatah und Hamas: "Bruderkampf in Gaza muss aufhören"
zuletzt aktualisiert: 13.06.2007 - 21:59Gaza (RPO). Die bürgerkriegsähnlichen Gefechte im Gazastreifen gehen mit unverminderter Härte weiter. Milizionäre der Fatah und der Hamas lieferten sich blutige Gefechte um Schlüsselpositionen, wobei die Hamas zunehmend die Oberhand gewann. Ziel ihrer Angriffe waren vor allem Einrichtungen der Sicherheitskräfte, die der Fatah des palästinensischen Präsidenten Mahmud Abbas nahestehen. Dieser rief gemeinsam mit Ministerpräsident Ismail Hanija von der Hamas zu einem Ende der Gefechte im Gazastreifen auf.
Beide Seiten müssten zu einer Sprache des Dialogs und der Anerkennung von Vereinbarungen zurückkehren, hieß es am Mittwochabend in einer Erklärung der beiden Politiker. Die Kämpfe kosteten seit Montag mehr als 50 Menschen das Leben. Aufrufe zu einer Waffenruhe verhallten bisher ungehört.
Hunderte Mitglieder eines der Fatah nahestehenden Clans ergaben sich der Hamas, wie Augenzeugen berichteten. Der Bakr-Clan mit rund 200 bewaffneten Männern hatte in den vergangenen Monaten erbittert gegen die Hamas gekämpft. Mehr als 40 Mitglieder einer Fatah-nahen Einheit der Sicherheitskräfte flüchtete vor den Gefechten über die Grenze nach Ägypten. Die Polizei erklärte, die Männer hätten den ägyptischen Grenzposten ihre Waffen ausgehändigt.
Allein am Mittwoch wurde der Tod von mindestens 15 Personen gemeldet. Die Hamas eroberte Kontrollpunkte der Fatah an einer wichtigen Nord-Süd-Verbindungsstraße sowie an der Küstenstraße. Dies könnte den Nachschub für die Fatah gefährden.
Das Hauptquartier der Fatah-nahen Sicherheitskräfte in der südlichen Stadt Chan Junis wurde bei einem Bombenanschlag fast völlig zerstört. Mindestens ein Mensch kam ums Leben. Die Sicherheitskräfte erklärten kurz darauf, sie hätten die Kontrolle über Chan Junis an die Hamas verloren. Man werde aber kämpfen, um die nahe gelegene Stadt Rafah zu halten. Auch der Amtssitz von Abbas, der sich im Westjordanland aufhielt, wurde mit Granaten beschossen.
Im Norden des Gazastreifens zeigte die Hamas bereits am Dienstag ihre Überlegenheit. Am Abend überrannten rund 200 ihrer Kämpfer die dortige Zentrale der Fatah-nahen Sicherheitstruppe, wobei mindestens 17 Menschen getötet wurden. Am Mittwoch stellte die Hamas der Fatah das Ultimatum, ihre Sicherheitskräfte anzuweisen, bis zum Freitagabend die Waffen niederzulegen. Andernfalls würden sie mit Gewalt entwaffnet.
Fatah-Kommandeure beklagten, sie erhielten keine klaren Anweisungen von Abbas. Abbas' Sicherheitsberater Mohammed Dahlan, der starke Mann der Fatah im Gazastreifen, wird zurzeit in Kairo medizinisch behandelt.
Den anhaltenden Kämpfen fielen auch zwei palästinensische Mitarbeiter der Vereinten Nationen zum Opfer, die zwischen die Fronten geraten waren. Das UN-Hilfswerk für palästinensische Flüchtlinge (UNRWA) erklärte daraufhin, es werde seine Arbeit im Gazastreifen vorerst einschränken.
Wegen der Eskalation der Lage setzte die Fatah-Bewegung ihre Mitarbeit in der palästinensischen Regierung vorerst aus. Das Zentralkomitee der Partei beschloss zudem den vollständigen Rückzug aus dem Kabinett, falls die Kämpfe im Gazastreifen nicht eingestellt werden.
Außenminister Siad Abu Amr machte den äußeren Druck für die Kämpfe verantwortlich. "Wenn man zwei Brüder in einen Käfig sperrt und ihnen die grundlegenden Bedürfnisse fürs Leben vorenthält, werden sie kämpfen", sagte der unabhängige Politiker auf einer Japan-Reise.
Die Europäische Union erklärte, sie könnte sich eine Beteiligung an einer internationalen Friedenstruppe im Gazastreifen vorstellen. Dies müsse allerdings von den Politikern vor Ort gewünscht werden, erklärte der außenpolitische EU-Beauftragte Javier Solana in Brüssel.
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