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Stadtteil Schaerbeek
Festnahme und Explosionen bei Razzia in Brüssel

Brüssel-Schaerbeek: Festnahme und Explosionen bei neuer Razzia
Belgische Polizisten patrouillieren während des Anti-Terror-Einsatzes in Brüssel-Schaerbeek. FOTO: dpa, h0 jak
Brüssel. Bei einer weiteren Polizei-Razzia im Brüsseler Stadtteil Schaerbeek hat es drei Explosionen gegeben. Das berichtet der öffentlich-rechtliche Sender RTBF. Ein Mann sei festgenommen worden.

Es habe sich um kontrollierte Sprengungen gehandelt, sagte der Bürgermeister der Gemeinde, Bernard Clerfayt, dem Sender. Der Festgenommene habe einen Koffer mit Sprengstoff bei sich getragen und habe bei der Festnahme Verletzungen davongetragen, berichtete RTBF zudem unter Berufung auf nicht näher genannte Quellen. Er stehe in Verbindung zu den Attacken in Brüssel und jüngst in Frankreich vereitelten Anschlagplänen. Dafür gab es zunächst keine Bestätigung.

Schwer bewaffnete Polizisten und Soldaten riegelten ein Gebiet rund um eine größere Kreuzung in Schaerbeek ab. Der Sender RTL berichtete unter Berufung auf einen Augenzeugen, die Polizei habe eine Person an einer Bushaltestelle aufgefordert, ihre Jacke auszuziehen. "Sie wollten ohne Zweifel überprüfen, ob die Person einen Sprengstoffgürtel trug."

Razzien in Verbindung mit Anschlägen vom 22. März

Nach Angaben der belgischen Bundesstaatsanwaltschaft gab es außerdem zwei Festnahmen bei weiteren Razzien in den beiden Brüsseler Stadtteilen Forest und Saint-Gilles. Sie haben nach Angaben der Staatsanwaltschaft Verbindungen zu einem am Vortag im Großraum Paris verhafteten Franzosen, der nach französischen Angaben die Planungen für einen neuen Anschlag bereits weit vorangetrieben hatte. Auch in der Nacht habe es Razzien unter anderem in Schaerbeek gegeben, bei denen insgesamt sechs Verdächtige festgenommen worden seien.

Die Razzien sollen in Verbindung mit den Anschlägen am Brüsseler Flughafen sowie in einer Metro gestanden haben, bei denen insgesamt 31 Menschen ums Leben gekommen und rund 300 weitere verletzt wurden.

Laut Staatsanwaltschaft soll im Laufe des Freitags entschieden werden, ob gegen die Verdächtigen Haftbefehl erlassen wird. Über die Identität der Festgenommenen wurde zunächst nichts bekannt.

Globales Terrorzellennetz des Islamischen Staats

Internationale Ermittlungen nach den Brüsseler Anschlägen lassen inzwischen zunehmend ein globales Terrorzellennetz des Islamischen Staats erkennen. In Frankreich ging der Polizei am Donnerstag ein Verdächtiger ins Netz, der nach Angaben von Innenminister Bernard Cazeneuve bereits weit mit den Vorbereitungen eines neuen Anschlags gediehen war. Bei Polizeieinsätzen in Malaysia wurden 15 mutmaßliche IS-Mitglieder festgenommen.

Aus belgischen und französischen Sicherheitskreisen verlautete, bei dem in Argenteuil verhafteten 34-Jährigen handele es sich um einen Franzosen, der seit Januar wegen des Verdachts gesucht werde, Verbindungen zum Terrorismus zu haben.

Der Mann sei bereits im Juli in Abwesenheit neben dem mutmaßlichen Drahtzieher der Anschläge von Paris, Abdelhamid Abaaoud, und anderen verurteilt worden, Teil eines Netzwerks zur Anwerbung von Rekruten für den Dschihad in Syrien gewesen zu sein. Abaaoud war bei einer Razzia der Polizei einige Tage nach der Terrorserie von Paris ums Leben gekommen.

Alarmbereitschaft in Frankreich und Belgien

Cazeneuve hatte am Donnerstag gesagt, die Pläne des Mannes für einen Angriff seien in einem fortgeschrittenen Stadium gewesen. Bisher gebe es aber noch keine Hinweise auf Verbindungen zu den Anschlägen in Brüssel und Paris. Frankreich ist seit den Pariser Terroranschlägen am 13. November mit 130 Toten und Hunderten Verletzten in höchster Alarmbereitschaft. Cazeneuve zufolge gab es seit Beginn dieses Jahres bereits 75 Festnahmen, 28 Verdächtige seien inhaftiert worden.

Auch in Belgien gilt seit den Anschlägen eine hohe Terrorwarnstufe, wovon auch die Atomkraftwerke des Landes betroffen sind. Die belgische Atomaufsicht entzog mehreren Mitarbeitern von Atomkraftwerken ihre Eintrittsausweise, bestätigte eine Behördensprecherin. Diese Entscheidung sei jedoch nicht zwangsläufig in Verbindung mit den Terroranschlägen vom Dienstag in Brüssel zu sehen.

Auch Opfer aus den Niederlanden, China und den USA

Die Opfer der Terroranschläge in Brüssel stammen aus aller Welt. Britische Behörden teilten mit, ein in Brüssel lebender britischer Computerprogrammierer sei getötet worden. Niederländische Behörden meldeten den Tod dreier Landsleute, die USA den von zweien. Auch aus China stammt ein Opfer. Bei der Terrorserie am Dienstag kamen mindestens 31 Menschen ums Leben, rund 270 wurden verletzt.

Die Verdächtigen in Malaysia sollen nach Behördenangaben Terrorangriffe im Inland geplant sowie versucht haben, Chemikalien für den Bau von Sprengsätzen zu erhalten. Der nationale Polizeichef Khalid Abu Bakar sagte, die Festgenommenen hätten Anweisungen von einem Malaysier in Syrien erhalten, Anschläge in ihrem Land zu verüben.

Alle aktuellen Informationen zu den Entwicklungen nach den Anschlägen in Brüssel erhalten Sie hier.

(hebu/dpa/reu/ap/afp)
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