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Trotz Protesten Chinas: Bush empfängt Dalai Lama im Weißen Haus

zuletzt aktualisiert: 16.10.2007 - 21:26

Washington (RPO). Trotz vehementer diplomatischer Proteste aus China hat US-Präsident George W. Bush den Dalai Lama im Weißen Haus empfangen. Ohne Angaben weiterer Details bestätigte Präsidentensprecher Gordon Johndroe in Washington, dass der tibetische Religionsführer und der Präsident zu einem halbstündigen privaten Meinungsaustausch zusammengekommen seien.

Mit dem Empfang nahm Bush eine tiefgreifende Verstimmung der chinesischen Regierung in Kauf, die eine internationale Aufwertung des Tibeters zu verhindern sucht. Ein Treffen des Dalai Lama mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte das deutsch-chinesische Verhältnis kürzlich getrübt.

Um den inoffiziellen Charakter zu unterstreichen, fand das Treffen zwischen dem US-Präsidenten und dem Dalai Lama nach Angaben des Weißen Hauses nicht in Bushs Amtszimmer, sondern in einem Raum der Privatresidenz statt.

Noch kurz vor der Begegnung hatte sich Bushs Sprecher Tony Fratto bemüht, den Ton im Streit mit den Chinesen zu entschärfen: "Wir verstehen die Sorgen der Chinesen", sagte er. Es handle sich lediglich um ein "Treffen mit einem spirituellen Führer", an dessen "Interessen und Sorgen" der US-Präsident "sehr interessiert" sei. Auf die Pekinger Forderung, das Treffen abzusagen, ging Fratto nicht ein.

Die chinesische Regierung drohte den USA mit diplomatischen Konsequenzen. Chinas Außenminister Yang Jiechi sagte, die USA würden durch den Empfang des Tibeters "die Gefühle des chinesischen Volkes ernsthaft verletzen und in Chinas interne Angelegenheiten eingreifen". Ein ursprünglich für Mittwoch geplantes Treffen mit den USA im Rahmen der 5+1-Gruppe zum iranischen Atomprogramm in Berlin ist nach Angaben aus US-Regierungskreisen auf Initiative Chinas bereits verschoben worden. Ein US-Außenamtssprecher vermutete eine "Verstimmung" Pekings als Grund für die Verschiebung; ein chinesischer Sprecher machte in Peking "technische Gründe" geltend.

Am Mittwoch sollten sich Bush und der Dalai Lama bei einer Ordensverleihung an den Tibeter im US-Kongress erneut begegnen. Durch seine Anwesenheit bei der Zeremonie wird sich Bush erstmals öffentlich mit dem Dalai Lama zeigen, nach Angaben seiner Sprecherin ist ein gemeinsames Foto geplant; frühere Treffen fanden stets im Privaten statt. Der Religionsführer soll mit der Goldmedaille des Kongresses (Congressional Gold Medal) geehrt werden (19.00 Uhr MESZ).

Die Volksrepublik wirft dem Dalai Lama vor, eine Abspaltung Tibets von China anzustreben. Für Peking ist das autonome Gebiet Tibet ein Teil Chinas. Die chinesische Armee war 1951 in Tibet einmarschiert. Nach einem fehlgeschlagenen Aufstand der Bewohner flüchtete der Dalai Lama nach Indien, wo er seit 1959 in Dharamsala eine Exil-Regierung führt.

Der Dalai Lama hat in diesem Jahr bereits den österreichischen Bundeskanzler Alfred Gusenbauer und den australischen Premier John Howard getroffen. Für Oktober ist auch eine Zusammenkunft mit dem kanadischen Regierungschef Stephen Harper geplant.

Quelle: afp

 
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