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Großdemonstration beim Staatsbesuch: Bush und Blair wollen weiter "den Terror besiegen"

zuletzt aktualisiert: 20.11.2003 - 18:08

London (rpo). Der Staatsbesuch von US-Präsident George W. Bush in Großbritannien ist von den Terroranschlägen in Istanbul völlig überschattet worden. Bush und der britische Premier Tony Blair bekräftigten am Donnerstag noch einmal, sie wollten gemeinsam "den Terror besiegen".

Unter keinen Umständen würden sie sich dadurch aus dem Irak vertreiben lassen, versicherten Bush und Blair am Donnerstag in London.

Gegen Bushs Staatsbesuch in Großbritannien und den Irak-Krieg demonstrierten am Abend in London mehrere zehntausend Menschen. Die Veranstalter sprachen von 150 000 Teilnehmern, die Polizei schätzte die Zahl auf 30 000. Sprecher der Demonstranten bezeichneten Bush und Blair als "Kriegsverbrecher" und forderten eine UN-Übergangsregierung für den Irak.

Bush und Blair beteuerten erneut, sie würden ihre Truppen erst dann aus dem Irak abziehen, wenn dort eine Demokratie aufgebaut worden sei. "Wir bleiben, bis der Job erledigt ist", sagte Blair. "Denn das wird wesentlich dazu beitragen, den Terror zu besiegen. Wir werden keinen Zentimeter zurückweichen." Es gelte, "die Welt ein für alle Mal von diesem Unheil zu befreien".

Auf die Frage eines Journalisten, ob er den Tod britischer Staatsbürger bei den Anschlägen in Istanbul nicht mitzuverantworten habe, indem er Bush zu dem umstrittenen Staatsbesuch eingeladen habe, antwortete Blair: "Verantwortlich sind die Terroristen." Es sei ein Irrtum zu glauben, man werde ihnen entgehen, wenn man sich "in die hintere Reihe wegducke", sagte Blair. "Entweder man besiegt sie oder man wird von ihnen besiegt." Die Anschläge richteten sich auch nicht allein gegen die USA und Großbritannien, sondern gegen eine freiheitlich-demokratische Grundordnung schlechthin.

Bush wiederum erwiderte auf die Frage, ob es ihm nicht zu denken gebe, dass in London so viele Bürger gegen ihn demonstrierten und ihn offenbar sogar hassten: "Das ist eine wunderbare Sache." Zum Glück könnten die Bürger Bagdads seit einiger Zeit auch ungestraft auf die Straße gehen und ihre Meinung sagen.

50 Personen festgenommen

Die Polizei nahm in London 50 Personen fest. Nach Informationen der "Times" waren die Sicherheitsleute des Präsidenten unzufrieden mit den Vorkehrungen der Briten. Besonderen Anstoß hätten sie daran genommen, dass schon am Mittwochabend mehrere hundert Demonstranten bis zum Buckingham-Palast vorgedrungen waren, wo Bush während seines viertägigen Staatsbesuches wohnt.

Der Londoner Bürgermeister Ken Livingstone, der Bush als den gefährlichsten Mann der Erde bezeichnet hatte, gab am Mittwochabend einen Empfang für die Kritiker Bushs. Ehrengast war der Vietnam- Veteran Ron Kovic.

Durch die Anschläge in Istanbul traten andere Themen, die Blair mit Bush besprechen wollte, in den Hintergrund. US-Außenminister Colin Powell deutete jedoch ein Entgegenkommen bei den als El-Kaida- Terroristen verdächtigten britischen Häftlingen im US-Stützpunkt Guantánamo Bay auf Kuba an. Britische Politiker fordern seit langem, dass diese einen rechtstaatlichen Prozess bekommen müssten. Powell sagte: "Wir erwarten, dass dies in nächster Zukunft gelöst wird."

Bei den umstrittenen US-Strafzöllen für Stahl gab es keine Fortschritte, wie Blair zugeben musste. Auch sagte Bush - zumindest öffentlich - kein verstärktes Engagement im Nahost-Friedensprozess zu. Nach Berichten britischer Medien wollte Blair den Präsidenten drängen, stärkeren Druck auf Israel auszuüben.


 
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