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Besuch in Lettland zum Auftakt der Gedenkfeiern: Bush verurteilt sowjetische Besatzung des Baltikums

zuletzt aktualisiert: 07.05.2005 - 16:31

Riga (rpo). Scharfe Worte Richtung Moskau. Vor Beginn der Feiern zum 60. Jahrestag des Kriegsendes in Moskau hat US-Präsident George W. Bush die Besatzung des Baltikums durch die sowjetische Armee 1945 verurteilt. Das Ende des Zweiten Weltkrieges habe den Baltenstaaten Besatzung und kommunistische Unterdrückung gebracht, sagte Bush am Samstag in der lettischen Hauptstadt Riga.

Dort kam er mit den baltischen Präsidenten Vaira Vike-Freiberga, Arnold Rüütel und Valdas Adamkus zusammen. Bushs Reise nach Lettland hatte beim russischen Präsidenten Wladimir Putin Verärgerung ausgelöst. Putin verteidigte am Samstag in Moskau erneut das Vorgehen der Roten Armee im und nach dem Zweiten Weltkrieg.

Im historischen Schloss von Riga ehrte die lettische Präsidentin Vike-Freiberga den US-Präsidenten mit der höchsten Auszeichnung des Landes, dem Drei-Sterne-Orden. Ausdrücklich dankte sie nach Angaben ihrer Sprecherin den USA, dass sie die Besetzung der Baltenrepubliken niemals anerkannt hätten. Bush sagte, Lettland habe beispielhaft gezeigt, wie schnell demokratische Reformen durchgesetzt werden könnten. Nach einer Kranzlegung vor dem Freiheitsdenkmal im Zentrum Rigas und einem kurzen Bad in der Menge traf sich Bush zu Gesprächen mit Vike-Freiberga, dem estnischen Staatschef Rüütel und seinem litauischen Kollegen Adamkus.

Erst 1991 Unabhängigkeit zurückerlangt

Das Baltikum war nach dem Hitler-Stalin-Pakt vom August 1939 von den Sowjets besetzt worden, bevor dann in Bruch des Abkommens die deutschen Truppen einfielen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die baltischen Staaten in die Sowjetunion eingegliedert; erst 1991 erlangten sie ihre Unabhängigkeit zurück.

14 Jahre nach ihrer Unabhängigkeit sind die Beziehungen der Balten zu Moskau weiter stark angespannt - so will von den drei Staatschefs nur Vike-Freiberga zu der Parade am Montag kommen. Belastet werden die Beziehungen auch dadurch, dass Russland bisher den Hitler-Stalin-Pakt nicht formell für nichtig erklärt hat.

Lettland war die erste Station von Bushs Reise durch vier europäische Staaten, die im Zeichen der Feierlichkeiten zum 60. Jahrestag des Kriegsendes steht. In seiner wöchentlichen Rundfunkansprache würdigte Bush das Ende des Zweiten Weltkriegs als "Triumph des Guten über das Böse" und Beweis für die "Macht der Freiheit". Nach dem Sieg über Nazi-Deutschland sei für "Millionen von Menschen" die Tyrannei aber weitergegangen, "nur in einer anderen Uniform". Lettland sei von einem "anderen totalitären Regime gefangen genommen" worden, Deutschland in eine "freie und eine unfreie Hälfte" geteilt und Länder wie Polen, Ungarn und die Tschechoslowakei durch den Eisernen Vorhang von der Freiheit "abgeschnitten" worden.

Putin verteidigt russische Truppen

Die Menschen dieser Länder hätten den Kalten Krieg nur durch "großen Mut" überlebt und dann ihr Schicksal in die eigenen Hände genommen, sagte Bush weiter. Die Freiheit habe "keine besseren Freunde als jene, denen die Tyrannei noch in frischer Erinnerung" sei.

Der russische Präsident Putin verteidigte die sowjetischen Truppen erneut vor der Kritik an der Besetzung der baltischen Staaten. "Unser Volk hat nicht nur sein eigenes Land verteidigt, es hat elf europäische Staaten befreit", sagte Putin der Nachrichtenagentur Interfax zufolge. Die Welt habe noch nie einen solchen "Massenheroismus" erlebt, sagte der Präsident in einer Rede zur Einweihung eines neuen Kriegsdenkmals in Moskau. In einem CBS-Interview empfahl Putin den USA, zunächst demokratische Defizite im eigenen Land zu beheben, ehe sie Gleiches in Russland kritisierten.

Am Sonntag hält Bush eine Rede auf dem niederländischen Soldatenfriedhof Margraten, wo mehrere tausende US-Kriegstote bestattet sind, bevor er am Abend in Moskau mit Putin zusammentreffen wird. Am Montag nimmt er dort an den Feierlichkeiten zum Jahrestag des Kriegsendes teil. Am Dienstag schließt Bush seine Reise mit einem Besuch in der früheren Sowjetrepublik Georgien ab.

Quelle: afp

 
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