Chirac befindet sich hinsichtlich Irak "auf einer Linie" mit Bush: Bush wirbt zum "D-Day" für die Irak-Resolution
zuletzt aktualisiert: 05.06.2004 - 22:07Paris (rpo). US-Präsident George W. Bush weilt dieser Tage in Europa, um dem 60. Jahrestag der alliierten Landung in der Normandie zu gedenken. Nebenbei rührt er jedoch auch kräftig die Werbetrommel für seine Irak-Resolution. Am Samstagabend traf er sich in Paris mit Jacques Chirac. Beide zeigten sich anschließend zuversichtlich.
Bush hat in Europa für die Geschlossenheit der internationalen Gemeinschaft im Irak-Streit geworben. Aus Rom reiste Bush am Samstag nach Paris. Im Ringen um die jüngste Irak-Resolution des UN-Sicherheitsrates ist Bush dann am Samstagabend im Pariser Elysée-Palast mit seinem französischen Kollegen Jacques Chirac zusammengetroffen. US-Außenminister Colin Powell sagte vor der Abreise von Rom nach Paris, eine Einigung über die geplante Entschließung sei in Sicht. "Ich denke, die meisten Probleme sind gelöst".
Frankreich rechnet nach den Worten von Präsident Jacques Chirac "in einigen Tagen" mit der Verabschiedung einer UN-Resolution, mit der die neue irakische Regierung eine vollständige Souveränität erhält. Das sagte Chirac am Samstagabend nach Beratungen mit seinem US-Kollegen George W. Bush im Pariser Elysée-Palast. Chirac hat sich nach einem Treffen mit US-Präsident George W. Bush zuversichtlich über die baldige Verabschiedung einer UN-Resolution zur Zukunft Iraks geäußert. Es seien jedoch noch einige letzte Verbesserungen an dem Entwurf nötig, mahnte Chirac am Samstagabend.
"Ich hoffe, dass wir in den nächsten Tagen zu einer Resolution gelangen", sagte Chirac nach einem etwa einstündigen Gespräch mit dem US-Präsidenten. Er befinde sich mit Bush hinsichtlich Irak "auf einer Linie", erklärte der Staatschef, bislang einer der schärfsten Kritiker der Irak-Politik Washingtons. Beide Länder seien sich einig, dass Frieden und Sicherheit in Irak wieder hergestellt werden müssten.
Er habe mit Bush ein aufrichtiges und vertrauensvolles Gespräch geführt, betonte Chirac. Die USA und Frankreich teilten dieselben Werte: "Demokratie, Frieden und Menschenrechte." Während der Sturz des Regimes von Saddam Hussein eine positive Entwicklung nach dem Irak-Krieg sei, herrsche in dem Zweistromland inzwischen aber ein gewisses Maß an Chaos, kritisierte er.
Am Sonntag sollen beide dann in der Normandie an den zentralen Feiern zur Alliierten-Landung vor 60 Jahren teilnehmen. Die Feierlichkeiten begannen mit ersten Ehrungen für die Kriegstoten und die noch lebenden Veteranen des "D-Day" sowie historischen Nachstellungen etwa der Fallschirmspringer-Landung vom 6. Juni 1944 im normannischen Dorf Saint-Mère-Eglise.
Beratung über den nahen Osten
Bei ihrem ersten Vier-Augen-Gespräch seit neun Monaten wollen Bush und Chirac zunächst gut eine Stunde lang auch über die Lage im Nahen Osten beraten. Vor einem Arbeitsessen war eine Pressekonferenz angesetzt.
Wegen der Bush-Visite verhängte die Polizei ein Demonstrationsverbot für weite Teile der Pariser Innenstadt. 5000 Polizeibeamte und 1500 Soldaten waren im Einsatz. An zahlreichen Stellen gab es Verkehrsbehinderungen. Die Behörden verstärkten Patrouillengänge und Kontrollen. Auch an Pariser Touristen-Attraktionen wie dem Eiffelturm, der Kathedrale Notre-Dame und den Ausflugsbooten auf der Seine wurden die Sicherheitsvorkehrungen verstärkt. Außerhalb der Sperrzone waren mehrere Kundgebungen angesetzt, darunter eine gegen Bush.
Bush ist zuversichtlich
Der US-Präsident zeigte sich vor seiner Abreise nach Paris in Rom zuversichtlich, dass der mehrfach nachgebesserte Entwurf einer Irak-Resolution bald im UN-Sicherheitsrat verabschiedet werden kann. Im Pariser Elysée-Palast wollte er mit Chirac vor allem über Irak beraten. Am Sonntagmorgen wollten beide Staatschefs dann in die Normandie reisen. In Colleville sollte Bush dann eine Rede halten, bei der es vor allem um den Einsatz der jungen US-Soldaten für die Befreiung Europas vor sechs Jahrzehnten gehen sollte.
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