| 20.54 Uhr

Katalonien
Jetzt attackiert Puigdemont auch die EU

Carles Puigdemont attackiert im Exil die EU
"Wir werden niemals das Ideal eines Landes aufgeben": Carles Puigdemont bei einem Treffen mit katalanischen Bürgermeistern in Brüssel. FOTO: dpa, EM PW wal wie
Brüssel. Der abgesetzte katalanische Regierungschef Carles Puigdemont hat sich bei einem Treffen mit Bürgermeistern aus der nordostspanischen Region siegessicher gegeben. Scharfe Kritik übt er jetzt auch an der Europäischen Union.

Bei der Regionalwahl im kommenden Monat werde er die "Unterdrückung" der Unabhängigkeitswünsche der Katalanen durch die spanische Zentralregierung besiegen, sagte er am Dienstag in Brüssel.

Aus dem belgischen Exil

Die Madrider Regierung hatte Puigdemont nach einer einseitigen Unabhängigkeitserklärung entsprechend der Verfassung abgesetzt und Neuwahlen zum Regionalparlament für den 21. Dezember angesetzt. Gegen Puigdemont, sein gesamtes Kabinett und weitere Politiker besteht Anklage wegen Rebellion, Aufruhr und Veruntreuung. Puigdemont und vier Minister haben sich nach Belgien abgesetzt und kämpfen dort gegen die Auslieferung nach Spanien.

Puigdemont sagte bei dem Treffen mit etwa 200 angereisten Bürgermeistern in einem Brüsseler Kunstmuseum: "Wir werden niemals das Ideal eines Landes aufgeben, diese Vorstellung von Demokratie." Die Bürgermeister riefen zur Begrüßung Puigdemonts "Präsident" und "Freiheit". Nach seiner Rede sangen sie die katalanische Hymne.

Attacke auf Eliten in Brüssel

Puigdemont appellierte auch an die EU. "Ist das das Europa, das Sie wollen, ist das das Europa, das sie aufbauen wollen, mit einer demokratisch gewählten Regierung im Gefängnis?" sagte er. Zuvor hatte Puigdemont bereits in einem Radiointerview Europas Spitzenpolitiker dafür kritisiert, keine Solidarität mit seiner entmachteten Regionalregierung zu zeigen. Die europäische Elite habe sich vollkommen von den Interessen der Bevölkerung entfernt, sagte Puigdemont einem katalanischen Sender. Kataloniens Problem sei eine "Menschenrechtsangelegenheit, die maximale Beachtung erfordert".

Die katalanischen Parteien hatten am Dienstag noch bis Mitternacht Zeit, um ihr Interesse zur Bildung von Koalitionen anzumelden. Puigdemont twitterte: "Wir haben keine Alternative, als alle zusammen anzutreten."

"Bitte hört uns zu"

Die Bürgermeister zogen auch vor das EU-Hauptquartier und dankten der belgischen Justiz, dass sie Puigdemont nach einem spanischen Auslieferungsantrag gegen Auflagen auf freien Fuß gesetzt hat. "Wir fordern von Europa, bitte hört uns zu. Wir fühlen uns europäisch und wir sind hier im Herzen Europas, um das zu sagen", sagte die Bürgermeisterin von Anglès, Astrid Dessed.

Ganz in der Nähe demonstrierten etwa 100 Menschen gegen eine Abspaltung Kataloniens von Spanien. Einige trugen Transparente mit der Aufschrift "Nein zur katalonischen Unabhängigkeit".

(ap)
 
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Carles Puigdemont attackiert im Exil die EU


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.