Heimkehr nach sieben Monaten Haft: Carter holt US-Bürger aus Nordkorea zurück
zuletzt aktualisiert: 27.08.2010 - 21:28Boston (RPO). Nach sieben Monaten in nordkoreanischer Haft ist ein Amerikaner dank einer Vermittlungsmission des früheren US-Präsidenten Jimmy Carter wieder in seine Heimat zurückgekehrt. Die Maschine mit Carter und dem 31-jährigen Aijalon Gomes an Bord landete am Freitag in Boston, wo ihn Familienmitglieder und Freunde begeistert begrüßten. Gomes, der abgemagert, aber froh aussah, umarmte Carter und seine Mutter, bevor er von seinen Angehörigen umringt wurde.
Sie hatten ein Spruchband mitgebracht, auf dem stand: "Willkommen zu Hause. Wir sind erlöst." Seine Mutter hatte zuvor in einer Erklärung Carter und Gott für die Rückkehr ihres Sohnes gedankt.
Carter hatte bei seinem Besuch in Nordkorea betont, er sei in einer "privaten humanitären Mission" gekommen. Dennoch traf er auch mit der Nummer zwei hinter Staatschef Kim Jong Il, Kim Yong Nam, zusammen, der ihm den Wunsch des kommunistischen Staates zur Wiederaufnahme der Abrüstungsverhandlungen im Rahmen der Sechs-Parteien-Gespräche übermittelte, wie die amtliche Nachrichtenagentur KCNA meldete.
Das Außenministerium in Washington begrüßte die Freilassung. Sprecher P.J. Crowley sagte, man sei erleichtert.
Dem früheren US-Präsidenten Jimmy Carter war es gelungen, in Nordkorea die Freilassung eines zu acht Jahren Arbeitslager verurteilten US-Bürgers zu erreichen. Der als strenggläubiger Christ geltende Gomes war im Januar bei einem angeblich illegalen Grenzübertritt in Nordkorea festgenommen und im April zu acht Jahren Arbeitslager sowie zur Zahlung von umgerechnet 550.000 Euro verurteilt worden.
Eine Freilassung des aus Boston stammenden Mannes lehnte die kommunistische Führung in Pjöngjang ab. Anfang Juli unternahm Gomes nach Angaben aus Nordkorea einen Selbstmordversuch und wurde in ein Krankenhaus gebracht.
Bereitschaft zu neuen Atomverhandlungen
Gegenüber Carter zeigte sich Nordkorea offenbar auch bereit zu Verhandlungen über sein umstrittenes Atomprogramm. Der stellvertretende Machthaber Kim Yong Nam habe gegenüber Carter die Bereitschaft des Landes "zur Wiederaufnahme der Sechs-Nationen-Gespräche" sowie zur atomaren Abrüstung auf der koreanischen Halbinsel ausgedrückt, berichtete die amtliche nordkoreanische Nachrichtenagentur KCNA.
Die im August 2003 aufgenommenen Gespräche über das Atomprogramm Pjöngjangs, an denen neben Nordkorea und China auch Südkorea, Japan, Russland und die USA teilnehmen, liegen seit April 2009 auf Eis. Damals war Nordkorea nach einem zweiten Atombombentest aus den Verhandlungen ausgestiegen. Seitdem kündigte Nordkorea wiederholt eine Rückkehr an den Verhandlungstisch an, stellte dafür aber Bedingungen auf, die von den USA und Südkorea abgelehnt wurden. Wie Xinhua berichtete, unterhielt sich Carter am Freitag vor seinem Abflug mehrere Minuten mit Nordkoreas Vize-Außenminister Kim Kye Gwan, der für das Atomprogramm des abgeschotteten Landes zuständig ist.
Carter war am Mittwoch in Nordkorea eingetroffen. Im Vorfeld des Besuchs war nicht verkündet worden, dass die Reise die Freilassung seines inhaftierten Landsmannes zum Ziel habe. Auch das Weiße Haus bezeichnete den Besuch lediglich als "humanitäre Mission" und wollte sich nicht zum Fall des verurteilten Gomes äußern.
Nordkorea und die USA unterhalten keine diplomatischen Beziehungen. Die US-Regierung steht im Konflikt auf der koreanischen Halbinsel fest an der Seite Südkoreas und hatte kürzlich gemeinsam mit dem südkoreanischen Militär gemeinsame Seemanöver abgehalten, um nach dem Sinken des südkoreanischen Kriegsschiffs "Cheonan" Ende März eine Warnung an die Führung in Pjöngjang zu senden. Eine internationale Untersuchung ergab, dass ein nordkoreanischer Torpedo den Untergang verursachte. Nordkorea weist dies zurück.
Carters Mission erinnert an ähnliche Bemühungen des früheren US-Präsidenten Bill Clinton. Im Frühjahr vergangenen Jahres waren in Nordkorea zwei US-Journalistinnen wegen illegalen Grenzübertritts festgenommen worden. Ein Gericht hatte die beiden ebenfalls zu mehreren Jahren Arbeitslager verurteilt, sie kamen aber im August 2009 nach Clintons Vermittlungsbemühungen wieder frei.
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