Tumulte um Grabstätte: Chaos bei Arafats Beisetzung in Ramallah
zuletzt aktualisiert: 12.11.2004 - 17:18Ramallah (rpo). Jassir Arafat hat seine letzte Ruhestätte gefunden. Der Palästinenserpräsident ist am Freitag auf dem Gelände seines Amtssitzes in Ramallah beigesetzt worden. Zuvor war es rund um die Grabstäte und den ehemaligen Amtssitz zu chaotischen Zuständen gekommen, weil tausende Palästinenser sich für einen letzten Abschied von Arafat auf das Gelände drängten.
Das ganze Ausmaß des Machtvakuums, das Jassir Arafat der arabischen Welt hinterlässt, spiegelt sich im Chaos um seine Beerdigung. Zur offiziellen Trauerfeier am Donnerstag in Kairo mit Staats- und Regierungschefs aus aller Welt kam Bundesaußenminister Joschka Fischer zu spät. Er blieb im überfüllten Luftraum über der ägyptischen Hauptstadt stecken. Die Fluglotsen kamen nicht mehr nach. Der auf die Minute ausgearbeitete Besuchsplan brach in sich zusammen.
Das war aber nur ein harmloser Vorgeschmack für das, was sich später nach der Überführung der Leiche per Hubschrauber nach Ramallah im Westjordanland ereignete. Arafats ehemaliges Hauptquartier, die Mukata, war von tausenden Palästinensern besetzt, die ihren Trauerschmerz hinausschrien. Der von Ruinen umgebene Bau, wo Arafat vor Sonnenuntergang beerdigt wurde, drohte zusammenzubrechen. Bewaffnete Hamas-Anhänger schossen permanent in die Luft. Die Hubschrauber mit dem Sarg konnten zunächst nicht landen. Es war, als sei dies der symbolische Moment: Entweder gelingt es den Nachfolgern von Arafat, Ordnung zu bewahren, oder es droht der Absturz in die Anarchie mit unübersehbaren Folgen für den Nahen Osten.
Aber zunächst lag die Aufmerksamkeit auf der Trauerfeier in Kairo. Anfangs schien es unterhaltsam, per Warteschleifen die Pyramiden von Gizeh zu umrunden. Nach mehr als einer Stunde Verspätung bei der Landung schlossen sich jedoch die eisernen Tore des Luftwaffenstützpunktes Almaza genau vor der Nase Fischers. Selbst der Eilmarsch bei 30 Grad Hitze durch das unübersehbare Menschengewirr hatte nicht mehr geholfen.
"Wir kommen nicht rein," sagte Fischer resigniert zu dem greisen Hans-Jürgen Wischnewski, dem Krisenmanager vieler Bundesregierungen, wenn es um diffizile Angelegenheiten im arabischen Raum ging. "Ben Wisch", der "Held von Mogadischu" 1977, musste im Rollstuhl durch das Gedränge geschoben werden.
"Die Geste war wichtig"
Die Geste des Besuchs sei wichtig gewesen, sagte der in Nahost als Vermittler angesehene Minister. "Wenn wir nicht gekommen wären, das wäre nicht gut gewesen." Da müsse man den Frust des Scheiterns an widrigen Umständen eben aushalten, sagte er. Immerhin Arafats Halbbruder Muhsen konnte Fischer danach noch kondolieren. Beide waren sehr bewegt.
Schon am Donnerstag, als Arafats Leiche aus Paris eingeflogen wurde, hatte Kairo die Trauerfeier am Flughafen mit Hochdruck vorbereitet. Die Moschee wurden auf Hochglanz gebracht. Für die Trauerzeremonie wurden Verkehrsströme weiträumig umgeleitet. Jegliches Risiko von Massendemonstrationen und Gefühlsausbrüchen mit unkalkulierbaren Folgen für die Sicherheit wurden ausgeschaltet.
In der Maschine Fischers war auch der kanadische Außenminister Pierre Pettigrew angereist, der einen geplanten Berlinbesuch zur schnellen Reise nach Kairo nutzte. Auch SPD-Generalsekretär Klaus Uwe Benneter flog mit. Die FDP wurde vom früheren Staatsminister Werner Hoyer und die CDU/CSU von ihrem außenpolitischen Sprecher Friedbert Pflüger vertreten.
Vielzahl von Besuchen
Wie oft Fischer Arafat besucht hatte, konnte der Minister auf Anhieb selbst nicht rekapitulieren. Die legendäre Zusammenkunft auf einer PLO-Konferenz 1969 in Algiers war die erste. Zuletzt hatte Fischer Arafat am 9. April 2003 gesehen. Das war drei Wochen nach Beginn des Irak-Krieges.
Die Unterredung in der Mukata war damals knapper als sonst. Langatmige Auftritte vor TV-Kameras wurden vermieden. Der von Krankheit schwer gezeichnete Arafat blieb zurück, gestützt von einem Offizier und umringt von einer kleinen Jubelmenge, während israelische Kampfhubschrauber in bedrohlicher Manier darüber hinwegflogen. Die Szene wirkte schon damals gespenstisch. Im Nachhinein gewinnt sie den Stellenwert eines Abgesangs.
Für die Palästinenser scheint klar, das ihr Anführer eines Tages doch noch in der Al-Aksa-Moschee auf dem Tempelberg in Jerusalem zur letzten Ruhe gebettet wird. Sein Steinsarg wurde mit Erde von dem heiligen Ort ausgekleidet.
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