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Kommentar zum Anschlag auf "Charlie Hebdo"
Im Zweifel für die Freiheit

"Charlie Hebdo" - Die Opfer der Schießerei
"Charlie Hebdo" - Die Opfer der Schießerei FOTO: ap
Meinung | Düsseldorf. Zwölf Menschen sind bei einem Anschlag auf die Satirezeitschrift "Charlie Hebdo" getötet worden. Der blutigste Terroranschlag in Paris seit mehr als 50 Jahren ist auch ein Anschlag auf das Werteverständnis der westlichen Welt. Auf die Pressefreiheit. Von Michael Bröcker

Es ist ein menschenverachtender Anschlag, der Paris erschütterte und mindestens zwölf Tote forderte. Es ist ein Anschlag auf eine Zeitungsredaktion, die mit bissigen Mohammed-Karikaturen für Aufsehen gesorgt hat. "Allahu Akbar" sollen die Mörder geschrien haben,. "Gott ist groß." Dabei sind die Täter nur kleine, jämmerliche Terroristen. Der blutigste Terroranschlag in Paris seit mehr als 50 Jahren ist somit auch ein Anschlag auf das Werteverständnis der westlichen Welt. Auf die Pressefreiheit.

Der Anschlag zeigt das hässliche, mörderische und intolerante Gesicht eines Teils des Islam, der mit Hilfe der Netzwerke Al-Qaida und Islamischer Staat ganze Regionen terrorisiert.  Die Tat wird die ohnehin aufgeheizte Stimmung im Clinch der Kulturen nun zusätzlich befeuern. Es ist daher richtig und wichtig, dass die Vertreter der moderaten und demokratisch gesinnten Muslime schnell und eindeutig die Pariser Tat verurteilen. Mord und Terror lassen sich niemals rechtfertigen. Von keinem Gott der Welt. Der "Islam sollte als Religion toleriert werden, nicht aber als politische Ideologie, denn sie führt zu totalitärem Islamismus", hat der indo-britische Schriftsteller Salman Rushdie in einem Manifest im Jahr 2006 nach dem ersten Karikaturen-Streit geschrieben.

Was muss nun unsere Reaktion sein? Keine Karikaturen mehr drucken, die den Islam aufs Korn nehmen? Menschlich nachvollziehbar wäre es. Angst ist ein Menschenrecht. Und den Mut, die persönliche Sicherheit für die gesellschaftliche Freiheit zu riskieren, kann niemand verlangen. Und doch wäre Selbstzensur die falsche Wahl. Gewiss. Redaktionen und Karikaturisten müssen nicht alles senden und zeichnen, nur weil sie es dürfen. Eine Provokation um der Provokation willen ist keine journalistische Kompetenz. Aber Zuspitzung und Sarkasmus gehören zur DNA von Karikaturisten. Wir alle haben die Verantwortung, für diese Freiheit weiter einzustehen. Jeden Tag. Und immer wieder. Die Männer und Frauen von "Charlie Hebdo" haben diesen Mut gezeigt. Sie sind Vorbilder.