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Reaktionen auf Charlottesville
Scaramucci fordert von Trump mehr Härte gegen "weiße Rassisten"

Charlottesville: Anthony Scaramucci kritisiert Donald Trumps vage Äußerungen
Anthony Scaramucci (Archiv). FOTO: ap, PM
Charlottesville . Nach seiner vagen Antwort auf die Gewalt in Charlottesville bleibt Donald Trump in der Kritik. Bürgermeister Signer macht den Präsidenten für die Eskalation mitverantwortlich. Ex-Kommunikationschef Scaramucci fordert von Trump deutlichere Worte gegen "weiße Rassisten".

"Ich hätte ihm dieses Statement nicht empfohlen", sagte Trumps Ex-Kommunikationschef Anthony Scaramucci am Sonntag (Ortszeit) dem US-Sender ABC News. "Er hätte viel härter sein sollen im Umgang mit den weißen Rassisten." Der Angriff sei Terrorismus gewesen. Der Bürgermeister der Stadt Charlottesville, Michael Signer, machte den Präsidenten mit Hinweis auf dessen Wahlkampf-Rhetorik sogar für die Eskalation mitverantwortlich.

Bei einer rassistischen Kundgebung in der Universitätsstadt in Virginia war es am Wochenende zu Ausschreitungen mit einer Toten und vielen Verletzten gekommen. In mehreren US-Städten versammeln sich seither Menschen zu Demonstrationen und Mahnwachen gegen Rassismus.

Heftige Reaktionen nach der Gewalt in Charlottesville

Pence verurteilt Ausschreitungen scharf

Präsident Trump hatte nach den Vorfällen zwar Hass, Gewalt und Bigotterie verurteilt, aber dabei die Rassisten und Rechtsextremisten nicht beim Namen genannt, er ordnete die Gewalt stattdessen allgemein "vielen Seiten" zu. Neben Vertretern vieler Organisation und den oppositionellen Demokraten hatten auch zahlreiche prominente Republikaner Trumps Reaktion als viel zu schwach kritisiert. Das setzte sich am Sonntag fort.

Zwar verurteilte US-Vizepräsident Mike Pence die Ausschreitungen scharf. "Wir haben keine Toleranz für Hass und Gewalt von Vertretern der weißen Vorherrschaft, von Neonazis oder dem Ku Klux Klan", sagte Pence. "Diese gefährlichen Randgruppen haben keinen Platz im öffentlichen Leben und in der Debatte in Amerika und wir verurteilen sie auf das Schärfste."

Aber Trump blieb stumm. Er versuchte auch nicht, seine Äußerungen vom Vortag mit einer weiteren Erklärung geradezuziehen. Zudem fiel auf, dass er eine weitaus schärfere Verurteilung der Vorgänge in Charlottesville durch seine Tochter Ivanka auf Twitter nicht weiter verbreitete, wie er dies sonst bei ihren Mitteilungen oft tut.

Stattdessen veröffentlichte ein namentlich nicht genannter Sprecher des Weißen Hauses eine Erklärung, in der es hieß, Trump habe am Samstag "sehr stark" alle Formen von Gewalt, Bigotterie und Hass verurteilt. "Natürlich schließt das weiße Rassisten, KKK (Ku Klux Klan), Neonazis und alle Extremisten-Gruppen ein."

"Das muss enden"

Eine provisorische Gedenkstätte erinnert an die junge Frau, die während der Ausschreitungen starb. FOTO: dpa, SH cul

Bürgermeister Signer, ein Demokrat, sagte dem Sender CBS, Trump habe im Wahlkampf die Wahl getroffen, "unseren schlimmsten Vorurteilen in die Hände zu spielen, und ich glaube, was wir sehen, ist eine direkte Linie zwischen dem, was an diesem Wochenende passiert ist und dieser Wahl". Die Extremistengruppen seien praktisch in eine Präsidentschaftskampagne eingeladen worden und fühlten sich dadurch ermutigt. "Das muss enden, und es kann jetzt enden."

Am Samstag war es am Rande einer Kundgebung von hunderten Mitgliedern verschiedener rassistischer Gruppen zu gewalttätigen Auseinandersetzungen mit Gegendemonstranten gekommen. Ein mutmaßlicher Rechtsextremist fuhr mit einem Auto in eine Gruppe von Gegendemonstranten und rammte zwei Fahrzeuge. Eine 32-jährige Frau starb, weitere 19 Menschen erlitten teils schwere Verletzungen. Zwei Polizisten kamen außerdem bei der Beobachtung der Ausschreitungen aus der Luft ums Leben: Ihr Hubschrauber stürzte bei Charlottesville ab.

Todesfahrer soll mit Neonazis sympathisieren

Der 20-jährige Autofahrer wurde wenig später festgenommen und soll am Montag erstmals vor einem Gericht erscheinen. Ihm werden Totschlag, mehrfache Körperverletzung und Fahrerflucht vorgeworfen. Weitere Anklagepunkte könnten hinzukommen.

Inzwischen verdichten sich die Hinweise darauf, dass der junge Mann aus dem US-Staat Ohio ein Neonazi-Sympathisant war. So schilderte ein ehemaliger Lehrer nach Angaben der "Washington Post", dass der mutmaßliche Täter spätestens seit dessen High-School-Zeiten von Nazi-Sichtweisen und Adolf Hitler fasziniert gewesen sei. Auch soll er Stunden vor dem mutmaßlichen Auto-Anschlag mit einer Gruppe von Rechtsextremisten zusammen gestanden haben.

 

(juju/wer/dpa/ap/afp)
 
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